EHEC - die Suche geht weiter

Montag, 6. Juni 2011. Die Suche nach dem EHEC-Erreger geht weiter. Das Restaurant „Kartoffel-Keller" in Lübeck, das zu Beginn des Wochenendes fast schon als überführt gegolten hatte, konnte sich peu à peu wieder aus der Schusslinie befreien. Neue potentielle Schuldige gerieten ins Blickfeld. Mal war es der Hafengeburtstag Anfang Mai in Hamburg, was ganz gut zur These eines Anschlags gepasst hätte, die nicht von wirren Verschwörungstheoretikern aufgestellt wurde, sondern von einem veritablen, mit dieser Angelegenheit befassten Chefarzt. Mal gerieten die Biogas-Anlagen als mögliche Täter in Verdacht. Zur Stunde gilt Sprossen-Gemüse als so gut wie überführter EHEC-Auslöser. Ein Bio-Hof in Bienenbüttel (Landkreis Uelzen) gilt als heißeste Spur. Sprossen – ehrlich gesagt hatte ich diese Vokabel bislang nicht in irgendeinem Zusammenhang mit Salat gesehen. So lernt man nie aus. Heute Mittag kommen die Laborbefunde. Der Landesgesundheitsminister Niedersachsens ist jedoch schon am Sonntagabend wegen der Fülle an Indizien von der Schuld der Sprossen überzeugt. Der Bundesgesundheitsminister bleibt skeptisch, und die Experten sind sich uneins.

Man wird sehen. Allerdings: der Betrieb am Rande der Lüneburger Heide düngt überhaupt nicht. Folglich soll importiertes Saatgut der Träger des EHEC-Erregers sein. Dies wiederum wirft die Frage auf, für welche ausländische Firma – vorzugsweise wird der Ferne Osten genannt – es sich eigentlich lohnen könnte, Sprossensamen ausschließlich an einen Biobauernhof in Bienenbüttel zu liefern? Die Wahrscheinlichkeit, dass selbst nach Versiegen dieser vermeintlichen Quelle der Spuk noch nicht vorbei sein könnte, ist jedenfalls recht gering.
Sollte die Epidemie weiter um sich greifen, werden die Spekulationen auch weiterhin wie wild ins Kraut schießen. Die Spekulanten werden vorzugsweise diejenigen ins Visier nehmen, die ihnen sowieso schon seit langem nicht ganz geheuer waren. Den „Islamkritikern“ wird der Anschlag kaum auszureden sein. Die Bioskeptiker werden darauf achten, dass das Grünzeug nicht von der Bühne verschwindet. Und die Ökos werden die passende Gelegenheit abwarten, um ihre Lieblingsfeinde attackieren zu können. Die erste, etwas geschmacklose Attacke, die EHEC-Todesfälle mit Antibiotika-Resistenzen zu erklären, konnte nicht so richtig landen.

Abwarten! Vielleicht kann diese Karte noch einmal gespielt werden. Oder man konzentriert sich auf die industrialisierte und globalisierte Landwirtschaft. Massentierhaltung und so; so etwas läuft eigentlich immer. Vielleicht wird aber auch tatsächlich heute oder in den nächsten Tagen die Ursache der Seuche, die Quelle des Erregers gefunden. Es wäre das Beste.