Der grauhaarige Politfuchs  

Demnächst Tier des Jahres?


Montag, 25. November 2013. So, liebe Leute, die meisten Wahlen für das Jahr 2014 sind gelaufen. “Wer ist es geworden und wer hat es sich ausgedacht?“, fragt in aller Unschuld der NABU, der Naturschutzbund Deutschland e.V. - fast so, als habe er damit überhaupt nichts zu tun. Dabei hat er doch da ganz dick seine Finger drin. In der Wahl zum Tier des Jahres. Oder besser gesagt: Wahlen zu den Tieren des Jahres. Demokratie und Transparenz – Fehlanzeige. Mich hat jedenfalls niemand gefragt. Vermutlich ist mein Vorschlag nicht einmal in die engere Wahl gekommen. Dafür aber die Graue Maus, ganz exakt: die Graue Maus mit bunter Unterseite. Die Gelbbauchunke – so kann man das possierliche Tierchen auch nennen - ist nämlich Lurch des Jahres 2014. Oder der Vogel des Jahres 2014: das ist nämlich der Grünspecht. „Ein echter Europäer, der gut lachen hat“, schreibt der NABU. Ja, das glaube ich. Dem ist doch wurscht, wie er es geworden ist. Hauptsache, er wird jetzt Vogel des Jahres. Dieser Grünspecht - ich könnte mich aufregen! Nun gut, Vogel des Jahres bedeutet noch lange nicht Tier des Jahres.  


Auch Lurch des Jahres nicht, selbst wenn die Gelbbauchunke nach den üblen Angriffen des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann verständlicherweise moralische Unterstützung mehr als verdient hätte. Solidarität mit der armen, kaum fünf Zentimeter langen Grauen Maus! Noch scheint nicht festzustehen, wer Tier des Jahres 2014 wird. Vielleicht wird ja doch, allein um Kretschmann zu ärgern, die Gelbbauchunke vorgeschlagen, allerdings nicht von mir. Ich meine: „Tier des Jahres" – das ist doch was! Da sollten nicht so kleine Nickeligkeiten den Ausschlag geben. Es geht um die Würde des Amtes. Nehmen Sie zum Beispiel das Tier des Jahres 2013: das Mauswiesel. Ein absolut würdiger Vertreter seiner Zunft! Das Mauswiesel (mustela nivalis), laut Wikipedia „auch Zwerg- oder Kleinwiesel oder volkstümlich Hermännchen genannt...“ - warum auch nicht?! Hermännchen, das ist süß! Jedenfalls zu süß, um von einer Grauen Maus mit bunter, oder sagen wir es ruhig: gelber Unterseite abgelöst zu werden! Keine Frage: Hermännchen hat einen würdigeren Nachfolger verdient.  


Und nun – exklusiv! - mein Vorschlag für die Wahl (wenn es denn überhaupt eine Wahl gibt) zum Tier des Jahres 2014. Meines Erachtens kann es nur einen geben, der das nötige Format hat, unserem Hermännchen nachzufolgen. Nämlich der grauhaarige Politfuchs. Selten wird er, jedenfalls in Duisburger Gefilden, ordnungsgemäß mit seinem Gattungsnamen erwähnt. Meistens heißt er hier – verflixte Ruhrgebiets-kumpanei! - einfach „der Dieter“. Umso dankbarer dürfen wir Oliver Schmeer sein, dem hiesigen WAZ-Redaktionsleiter, dass er uns am Samstag einfach mal klipp und klar gesagt hat, wen wir bei „dem Dieter“ eigentlich vor uns haben. Nämlich ein mustergültiges Exemplar der beeindruckenden Spezies des grauhaarigen Politfuchses. Nun ist der grauhaarige Politfuchs keineswegs vom Aussterben bedroht, und das ist ja auch kein Qualifikationskriterium für ein Tier des Jahres. Schließlich ist das Hermännchen ebenso wenig vom Aussterben bedroht. Im Gegenteil: die Population wächst an – also die vom Politfuchs, nicht die vom Hermännchen.  


Kein Wunder, denn zu ihren natürlichen Feinden - also der Zwerg- oder Kleinwiesel, nicht etwa der grauhaarigen Politfüchse - „zählen unter anderem Greifvögel, Eulen“ und, man höre und staune: „Füchse“. Armes Hermännchen! Füchse dagegen haben im Grunde genommen nur wenige natürliche Feinde. Hin und wieder mag es mal Ärger mit einem Wolf, einem Luchs oder einem Adler geben. Doch unserem grau-haarigen Politfuchs können oder wollen selbst diese Biester nichts anhaben. Im Grunde genommen hat er eigentlich von Natur aus überhaupt keine Feinde, der grauhaarige Politfuchs – außer natürlich: die beiden apokalyptischen Reiter, Demokratie und Transparenz. Und genau diese beiden haben wohl die Claudia geritten. Die sagt nämlich immer: „Ich will´s demokratisch.“ Oder: „Ich will´s transparent.“ Na, von mir aus, Claudia! Mach´s! Aber mach´s mit! Lass Dir von dem Dieter und der Doris und wie die noch alle heißen nicht den Spaß verderben! Aber denk´ dran: dieses Dreigestirn ist zwar eine Troika, hat aber weniger mit Pferdchen zu tun, auch nichts mit Politfüchsen, eher schon mit Karneval.  


Aber ich will mich da natürlich nicht einmischen. Die meisten Wahlen für das Jahr 2014 sind ohnehin schon gelaufen. Mich interessiert jetzt eigentlich nur noch die Wahl zum Tier des Jahres. Aber die ist – wie gesagt – weder demokratisch noch transparent. Dafür aber irgendwie grün – immerhin. Und klar: Tier des Jahres – Entscheidungen von solcher Tragweite. Eindeutig ein paar Nummern zu groß für Duisburg. Ja, es ist ein Exemplar der Spezies Grauhaariger Politfuchs gesichtet worden. Na und?! Gibt´s anderswo auch. Sogar ein Hermännchen. Zugegeben: eine Seltenheit. Bekanntlich erreichen die Zwerg- oder Kleinwiesel eher „in landwirtschaftlich genutzten Gebieten im Sommer hohe Populationsdichten“. Doch das Duisburger Hermännchen hat, wie Oliver Schmeer ebenfalls in der Samstags-WAZ (wenn auch nicht online) mitteilt, im nächsten Jahr Feierabend. Und der grauhaarige Politfuchs... - aber ich will mich da wirklich nicht einmischen. „Ein Rabe flog auf einen Baum und wollte seine Beute in Ruhe verzehren“, heißt es in einer fast alltäglichen Geschichte. Nicht etwa über den Rabe (Himmel, Nein!), sondern über eine Füchsin, versteht sich.  


Werner Jurga, 25.11.2013





Seitenanfang