Das blöde N-Wort und Joachim Herrmann (2)

Große Gefühle nach zwei kleinen Wörtern


16. Mai 2016. Einem neu gewonnenen Facebook-Freund habe ich einen Brief geschrieben und hier bereits angekündigt, diesen Brief zu veröffentlichen. Nun ja, „Brief geschrieben“... - also einige Zeilen versandt, eben auf die Art und Weise, auf die man heutzutage so etwas eben macht. In diesem Fall also über das genannte sogenannte soziale (kein Kommentar!) Netzwerk. Mein neuer Facebook-Freund trägt den Namen Mathias Nowak und hat im Grunde nichts weiter getan, als unter einem meiner Einträge einen kurzen, telegrammstilartigen Kommentar abzugeben. Elf Wörter, von denen die ersten neun auf den Inhalt der von mir geposteten Meldung Bezug nehmen. Originalton: „Richter entscheidet: Afrikaner darf deutschen Politiker als Inzuchtgewächs betiteln.“


Elf minus neun – Moment mal... - zwei. Aha! So kann´s gehen: manchmal reichen zwei kleine Wörter, um große Gefühle auszulösen. Jedenfalls bei mir. Objektiv. Ja objektiv! Das war mir bis dato nicht so richtig klar. Zwei Wörter, heißt: sagt irgendjemand (Subjekt) zu mir (Objekt) zum Beispiel „Du Darmendausgang“, pflege ich im sicheren Wissen um den unzutreffenden Sinngehalt der damit beabsichtigten Aussage entweder überhaupt nicht zu reagieren (sog. „Überhören“) oder aber, im Falle einer von mir willkürlich vorgenommenen relativ hochwertigen Einstufung des Kommunikators, diesen auf die m.E. mit hoher Wahrscheinlichkeit vorliegende Möglichkeit einer Personenverwechslung aufmerksam zu machen. Das kriege ich eigentlich immer ohne große Gefühle hin.


Dagegen liegt der emotionale Schwingungsgrad wesentlich höher, wenn es sich um mich handelt, der die ärmliche Anzahl von zwei Wörtern sendet. Objektiv, sprich: beim Empfänger, eben beim Objekt, das wir in der Kommunikationswissenschaft gern – m.E. oft etwas voreilig – als „Rezipienten“ bezeichnen. Wie auch immer, ganz unverkennbar bin ich in dieser Hinsicht deutlich erfolgreicher als die Masse der Zeitgenossen. Nein, halt, stopp, veräppeln Sie mich jetzt nicht mit so einem ironischen Gehabe wie „kein Wunder!“ oder anderem Quatsch. Albern! „Kein Wunder“, zugegeben – nur zwei Wörter, und – ja von mir aus: halten Sie wirklich meine Ausstrahlung für so gewinnbringend, dass Sie annehmen, ich könne mit zwei Wörtern allein Menschen in wahre Gefühlsstürme versetzen („Kein Wunder!“). Ich glaube Ihnen kein Wort.


Was bitteschön sollte ich denn sagen bzw. gesagt haben? Den optimalen Anmachspruch, der es wirklich bringt? „Auch hier?“ oder „Na, Du!“ Vielen Dank für die Anregungen, werde sie vielleicht mal versuchen, das würde aber meine bisherigen großen Erfolge nicht erklären können. Eigene Kurzgefühlsbekundungen à la „Ich finde Dich süß“ oder - adult-version - „Ich liebe Dich“ scheiden aus: drei Wörter. Gilt et nich. Würde eigentlich „SPD wählen!“ als zwei Wörter durchgehen? Ja klar, Entschuldigung, mein Fehler, sind zwei. – Sie werden lachen: damit spreche ich tatsächlich alle paar Jahre mal ganz echt Menschen an. Ganz echte Menschen, echt wahr, ich schwöre. Das ist so ein Ritual, ja richtig: „Demokratie“. Egal, endlich mal: so richtig große Gefühle...


Jetzt hören wir aber mal auf mit diesem Scheiß! Sie machen mich ja noch ganz verrückt! Sie haben vielleicht eine Art, hören Sie mal! Sie machen einen ja richtig kirre! Gerade hatte ich – Huch, das kann man ja gar nicht erzählen! Das bleibt aber unter uns! - so ein belämmertes Bild in der Birne, ich mittendrin... - meine Güte, wie ist das peinlich. Ich stehe da, damals noch in Mülheim, gerade drin in diesem Verein, mitten auf so einem Platz, ja so vor gut 40 Jahren, das kommt hin!. Da stehe ich dann da ganz stolz und puste schon so richtig echt Erwachsenen diese beiden Zauberwörter um die Ohren: „SPD wählen!“ Scheiße, Sie glauben ja gar nicht, was ich mir da gerade so zusammen phantasiert habe, wie die Geschichte weitergegangen sein soll. Muss aber unter uns bleiben!


Wie kommen Sie eigentlich mit diesem ständigen Wetter-auf-und-ab so zurecht? Erst warm und dann wieder kalt, da wirst Du doch bekloppt. Okay, jetzt geht das auch noch mit dieser Spinnerei im Alter los. Wie toll das alles früher gewesen sein soll - mit der SPD zum Beispiel... - gut, das liegt jetzt am Wetter. Tja, so geht das bei uns jetzt auch los, genauso, wie wir das von den Alten kennen! Früher war ja alles besser und so einen Stuss. Ich habe – bleibt aber unter uns – mir gerade echt eingebildet, die Männer hätten mich daraufhin so ein bisschen von oben herab angelächelt und zu mir so ironisch, trotzdem ziemlich laut gepampt: „Ja klasse, Junge! Gut, dass Du uns das jetzt mal sagst! Da wären wir von allein gar nicht drauf gekommen. Haha...“ - Ja, so geht das. Man fängt langsam an, sich die alten Zeiten so zurechtzulegen, dass sie sich schön anfühlen.


Macht doch nix. Solange Du nicht den Herd anlässt, kann die Pfanne ruhig ein wenig wärmer werden. Dagegen würde ich dann keine Pillekes nehmen. Wahrscheinlich kommt daher meine so positive Ausstrahlung. In diese Form schaffe ich es aber nicht mit popeligen zwei Wörtern. Ganz komische Sache, schwer zu erklären, allein schon die Frage. Rein wissenschaftlich ausgedrückt würde ich sie mal so stellen, die Frage. Ganz subjektiv in meinem Fall als Kommunikator kommt ganz häufig ganz objektiv – allerdings ganz bestimmt ganz unzutreffend, also ganz bestimmt falsch – an, ich hätte „Du Nazi!“ gesagt. Bekloppt, nicht wahr?! Ich sage so etwas nämlich nie. Nie, nie, nie! Das weiß ich ganz genau. Wollen aber immer wieder mal irgendwelche Leute von mir vernommen haben.


Nun ja, damals den Jesus wollen ja auch alle möglichen Leute gesehen haben. Derartige Phänomene treten ab und an gehäuft auf. Oder an bestimmten Orten. In Jerusalem haben sie für die ganzen Spinner mittlerweile ein eigenes Krankenhaus gebaut. Mein Vater sagte damals oft: „Werner, Du bist nicht Jesus!“ Leicht emotional angeschwungen: ich habe es nicht nötig, darauf hinzuweisen, dass ich auch vor Jahrzehnten keinerlei Anlass geboten hätte, mich in dieser Klinik untersuchen zu lassen. Ich hatte als Jugendlicher niemals erklärt – Andere wohl schon, ich aber nie, nie, nie! - Jesus oder ein anderer Gesandter des Herrn im Himmel zu sein. Und ich bezeichne, tituliere oder beschimpfe heutzutage niemanden als Nazi. Habe ich nie, mache ich nicht, werde ich nicht tun! Basta.


Ja sicher weiß ich, dass bei uns heutzutage mehr Nazis rumrennen als beispielsweise irgendwelche Jesusse in Jerusalem. Halten Sie mich eigentlich für blöd?! Glauben Sie allen Ernstes, wenn mir so ein Typ im witzigen Nachthemd und Badelatschen, Kopfbewuchs zwar Typus Heavy Metal, dafür aber kein Schwarz, mehr so chemie-aprilfrisch oder alternativ auch bio-öko-befärbt, über den Weg liefe – nein, nicht in Jerusalem, sondern hier bei mir in Rheinhausen in der Fußgängerzone oder so – und der wollte mir mit Love and Peace und wasweißich weismachen, er hätte gerade eine lange Reise zurückgelegt... - Glauben Sie echt, dem würde ich empfehlen: „Hör mal, Meister! Glaub das mal nicht! Du bist nicht Jesus. Kleiner Tipp: die haben da neuerdings in Jerusalem eine affengeile Spezialklinik für so Vögel wie Dich.“


„Ave Jesus...“ jetzt mal im Ernst: warum sollte ich denn so etwas bringen. Das bringt doch nichts. Wobei... - ja stimmt: morgens, und so Jesusse erscheinen kurioserweise wirklich auch morgens, bin ich manchmal ein wenig missmutig. Das ist wahr. Und da könnte ich vielleicht, wenn ich ganz ehrlich bin, tatsächlich nicht zu Hundert Prozent ausschließen... Wenn ich da wüsste, welche zwei Wörter bei so einem ganz besonders gut ziehen. Ich weiß es nämlich nicht. „Ave Jesus“? Och, da freut er sich dann bestimmt. Bei „Geh Arbeiten!“ wahrscheinlich eher nicht so sehr. Aber das bringt doch alles nichts! Warum sollte ich ihn denn als Jesus bezeichnen, wenn er doch schon weiß, dass er Derjenige welcher ist?! Das wäre ja so, als würden Sie einem Nazi sagen, dass er ein Nazi ist. Der bedankt sich doch nicht einmal dafür. Und wenn doch, wäre das auch erst einmal abzuwarten. Der Jesus dagegen würde sich freilich sehr freuen, wenn Sie ihn mit Messias, Christus oder so anquatschten. Ja okay, dann freut er sich; doch so ein richtigen Entwicklungssprung brächte das diesem Komiker auch nicht. Der weiß, dass er der Gesalbte ist. Und als so ein richtiger – bzw. in diesen Fällen nicht so ganz richtiger - Jesus, ist der felsenfest davon überzeugt, dass er rund um die Uhr am Malochen ist. Halleluja...


Nein, mit diesen letzten Heiligen habe ich nicht ganz so gern irgendetwas zu tun. Ich halte es nicht für Ausgrenzung, schon jetzt immer ganz froh zu sein, wenn so ein Mr. Dorfjesus seinen Weg zu Gott direkt findet anstatt zu mir. Zu so einem gehe ich doch nicht hin und quatsche den an! So schlimm ist es bei mir nun wiederum auch noch nicht. Und von wegen, dass ich zu jemandem „Du Nazi!“ oder so etwas gesagt haben sollte. Das wäre ja sozusagen fast noch eine Nummer bestusster. Ja schön, das wären wirklich nur zwei Wörter. Und dass „Du Nazi!“ eine schwere Beleidigung darstellt, sollte genau genommen auch denen bekannt sein, die im Geschichtsunterricht lieber heimlich die Schularbeiten für die nächste Stunde abgeschrieben hatten oder auf sonst irgendeinem fachfremden Wege ihre geistig-kulturellen Potenziale genutzt oder vernichtet hatten.


Davon einmal ganz abgesehen, müsste jetzt freilich noch irgendjemand zur Stelle sein, der das Ziel für den Zweiwortangriff „Du Nazi“ abgibt. Stellen wir uns also folgendes vor: wir bekämen es in der Stadt statt mit dieser Wiederkehr des für uns alle Gestorbenen und Auferstandenen mit jemandem von der Spezialtruppe, vielleicht tatsächlich todesmutig genug, sich für uns zu opfern. Selbstverständlich nicht für uns alle, sondern nur für alle Deutschen, und auch nur bei strikter Einhaltung der Bedingung, dass dieser heroische Erlösungstod im Rahmen der Abschlachtung alles undeutschen Untermenschentums gebührend mit Ritterkreuzen und dem ganzen anderen faschistischen Firlefanz zu heldengedenken ist. Wenn Sie jetzt den Wunsch verspüren sollten, so einer Kreatur – nur mal so als juristisches Fallbeispiel – ganz vertraulich, gleichsam unter vier Augen, ins Öhrchen zu flüstern: „Du Nazi“...


dann liegen Sie rein fachlich betrachtet womöglich gar nicht mal so weit daneben, wodurch Ihre Chancen, dass Ihr Verhalten unter rein strafrechtlichen Gesichtspunkten als wenig bis gar nicht zu beanstanden eingestuft werden könnte, meines Erachtens ganz erheblich steigen dürften. Noch eine kleine Portion Glück dazu, und Sie geraten an einen Fachgutachter, der eine Spur von Einfühlungsvermögen für Ihre menschliche Lage mitbringt, um sich schließlich von Ihnen dazu hinreißen zu lassen, die – rein wissenschaftlich betrachtet – ganz schön schwierige Frage „Nazi oder kein Nazi?“ nicht allein stur nach Paragraphenlage runterzunudeln, sondern es durch die besondere Berücksichtigung aller möglichen hochinteressanten inner-psychischen Interdependenzfaktoren fertig bringt, sein Zeilenhonorar auf Rekordhöhe hochzupushen, dann... - Ja, dann könnte man durchaus mal gucken: eventuell kommen Sie aus Ihrer Nummer noch einmal mit einem blauen Augen raus! Meine - allerdings ganz persönliche - Meinung, ich bin jedoch von Hause aus Berufsoptimist, na egal... - ich würde einfach mal sagen, die Sache sähe gar nicht mal ganz so schlecht aus..


Trotzdem würde ich Ihnen, und zwar mit mindestens gleicher Entschiedenheit, dazu raten: lassen Sie es besser! „Du Nazi!“ Was soll das denn?! Verstehen Sie doch: das ist eine Tatsachenbehauptung. Das von mir angeführte Fallbeispiel – ich habe darauf hingewiesen – ist konstruiert. Konstruiert, d.h. frei erfunden. In Wirklichkeit kommt das genau so niemals vor. Und speziell diesen Fall, den hatte ich mir doch ausgedacht, speziell für Sie. Hoffentlich habe ich jetzt damit aber keinen Fehler gemacht! Bedenken Sie bitte: um Ihnen entgegenzukommen, haben ich einen extremen Ausnahmefall zusammen gebastelt. Ostern fällt auf Weihnachten, alles nimmt schließlich doch noch ein gutes Ende, und Sie kriegen im letzten Moment soeben noch den Kopf aus der Schlinge. Kapiert?! Die Wirklichkeit tickt anders. Ostern fällt nicht auf Weihnachten, es ist Pfingsten. Und Nazis, die mitten in der Stadt einfach mal so die Leute anmachen... - wo wollen Sie die denn gesehen haben?!


In der Realität sehen die Dinge schon ein wenig komplizierter aus als in meinem extra für Sie erfunden Beispiel. „Du Nazi“... - nochmal: das ist eine Tatsachenbehauptung. Wie wollten Sie die denn, wenn es wirklich einmal hart auf hart käme, niet- und nagelfest belegen? Bitte! Überheben Sie sich nicht! „Du Nazi“... - das ist eine Beleidigung. Bitte! So etwas macht man nicht. Beleidigungen sind verboten, ereignen sich freilich dennoch immer wieder mal gern. Menschlicher Alltag; aber jetzt bitte ich Sie aber! „Du Nazi“ hat ja wohl schon noch eine ganz andere Kragenweite als – sagen wir mal: „Du Dreckskerl“ oder „Du alte Schlampe“. Sie wissen doch genau, was damals so alles ganz Entsetzliches passiert ist! Nein, so geht das nicht! Oder sagen wir mal: so sollte das nicht mehr gehen. Denn es geht auch anders.


Das kommt alles nicht von heut´ auf morgen. Das ist klar. Wir müssen ja nur abends die Tagesschau anschalten, um uns von etwaigen Illusionen, wir wären schon einen großen Schritt weiter, sogleich wieder verabschieden zu können. Krisen, Kriege, Katastrophen, wohin das Auge blickt. Stets das gleiche Muster: zwei Wörter, „Du Nazi“ oder irgendein anderer Scheiß, die Silberrücken machen sich auf den Weg und schon kracht´s gewaltig. Egal ob in Libyen oder auf der A 3. Aber Kopf hoch! Die Zeichen der Hoffnung sind nicht zu übersehen. Ich setze da ganz auf die junge Generation. Wenn denen der Kaya Yanar mit „Was guckst Du?!“ den Affen macht, liegen die doch flach. Können Sie sich vorstellen, einer von denen würde mittags um halb drei vor dem Werkstor die ausrückenden Proleten mit einem kämpferischen „SPD Wählen!“ den Arbeitergruß erweisen?! Da lachen die sich lieber über all die doofen Machos aus aller Herren Länder kaputt. Ach Gott, die Sache läuft doch ganz gut...


Dieses Miefige und Spießige, dieses Beschränkte und Vernagelte... nun, ich will nicht schönfärben. Aber es ist ganz klar auf dem Rückzug, teilweise auch sogar schon bei uns hier. Auch das ist Fortschritt. Wir müssen immer bedenken, wo wir herkommen! Von den Bäumen. Dann dauerte es fast eine Ewigkeit, bis man denen das Arbeiten angewöhnt hatte. Es ist noch keine fünfzig Jahre her; da fluppte das alles so richtig. Die hatten richtig Spaß. Zum Beispiel, wenn sie nach der Maloche von irgend so einem Dreikäsehoch aus ihrem Genpool mit einem aufmunternden „SPD Wählen“ begrüßt wurden. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Diese Leute konnten ja nichts dafür, dass sie so wurden, wie sie waren. So war halt die Zeit. Im übrigen hatte die auch ihre schönen Seiten. Wie auch immer: es ist gut, dass der Zug des Fortschritts weiterzieht. Dass der Prozess der Zivilisation unseren Kindern und Enkelkindern eine Zukunft eröffnet, in der der Silberrücken in ihnen ein Ideechen gründlicher eingesperrt wird.


Ich habe ja anfangs erwähnt, das ich bereits vor Pfingsten, also schon vor der Offenbarung des Heiligen Geistes, ein Zeichen erweckender Hoffnung erhalten hatte. Und zwar von meinem neuen Facebook-Freund Mathias Nowak. Wie, schon wieder vergessen? Das war doch der, der die Meldung „Richter entscheidet: Afrikaner darf deutschen Politiker als Inzuchtgewächs betiteln“ ganz nüchtern, ganz locker, sozusagen ultracool mit zwei kleinen Wörtchen kommentiert hatte. Das heißt: formal korrekt betrachtet hat der noch nicht einmal einen Kommentar abgegeben, sondern augenzwinkernd so getan, als stelle er eine Frage: „Etwas tendenziös?“


So ein bisschen wie Colombo auf doof gestellt, Unschuldsgeste „Ich frag´ ja nur“, doch dahinter, ganz witzig versteckt, uns gleichsam mit Kantschen Pathos betörend: „Leute, hier wird sich nicht gekloppt!“ Das ist Weltklasse. So kann die Zukunft aussehen, so soll die Zukunft aussehen. Ich war so aus dem Häuschen, dass ich dem dann gleich mal geschrieben habe. Wirklich. Nun ja - also einige Zeilen versandt, eben auf die Art und Weise, auf die man heutzutage so etwas eben  so macht. Ach Mist! Das wollte ich Ihnen doch eigentlich auch schon gezeigt haben. Ja Entschuldigung, eigentlich bin ich ganz anders. Aber Sie können es sich ja denken:

Ich hab´ so viel´ Termine

in der Disco, vor Gericht und bei der Bank

Da schick´ ich einfach meine Vize-Egos

und das wahre Ich bleibt lieber im Schrank


Der Lindenberg wird doch morgen 70. Das auch noch! Aber stopp, bevor ich es vergesse: jetzt gebe ich Ihnen erst einmal die Zeilen, die ich diesem „etwas tendenziösem“ Mathias Nowak ins Stammbuch geschrieben habe. Hier habe ich sie ja schon. Und dann noch etwas: der hat mir doch tatsächlich einen Brief zurückgeschrieben. Ja, über die Feiertage. Heutzutage spielt das doch gottseidank keine Violine mehr, ob die Post auf oder zu hat oder sowieso schon in ein Auffanglager umgewandelt worden ist. Heutzutage machen die doch immer alles genau auf die Art und Weise, auf die man heutzutage so etwas eben macht.


Werner Jurga, 17.05.2016



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