© Die PARTEI Friesland


Es ist furchtbar, aber es geht*

Parteipropaganda


12. Mai 2016. So Freunde! Das Thema heute lautet Parteipropaganda. Das ist ja schon in der Überschrift zu sehen, und – ja, ich weiß – das ist nicht schön. Es muss aber sein. Doch! Und im übrigen kannst Du da meckern, so viel Du willst: wir machen das jetzt so. Basta! - Okay, dann kann ich ja fortfahren. Also... - es muss nämlich sein, weil die in der Partei schon mal zart angedeutet hatten, ich würde den Laden genau genommen eher schlecht machen als, wie es sich gehört, die zuletzt noch auf dem vorletzten Parteitag mit übergroßer Mehrheit beschlossene Linie zu vertreten. Da werden Sie doch gewiss Verständnis dafür haben, dass es jetzt auch mal taktisch recht günstig ist... - ja sicher für mich, nicht für Sie. Logisch! Das macht doch nichts. Schließlich müssen Sie den folgenden Kram ja nicht lesen. Ich habe Sie nur freundlich darum gebeten, mit dieser ständigen Meckerei aufzuhören. Jetzt drehen Sie mir aber die Worte bitte nicht im Mund herum!



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Na, die haben aber im Moment auch wirklich andere Sorgen, als sich mit dem Zeug zu befassen, das ich hier so verzapfe. Die sagen sich doch: wenn wir die nächsten paar Jährchen wenigstens noch so halbwegs überstehen wollen, dann werden wir wohl oder übel noch ein paar ganz andere Sachen wegstecken müssen als das, was uns dieser Neunmalkluge mal hin und wieder so einschenkt. Außerdem ist der ja nicht nur schlecht. Möglicherweise meint der es manchmal sogar gut. Ist aber auch egal, sagen die sich: den kriegen wir ohnehin nicht mehr geändert. Einfach nicht hinhören bzw., wie es sich hier darstellt: einfach nicht lesen! Höchstens mal heimlich. Was uns nicht umbringt, macht uns nur hart. Diese Geräusche von der anderen Rheinseite allein taugen nicht einmal zur Abhärtung.


Sagen Sie mal! Sind Sie überhaupt in meiner Partei? Wie bitte?! Sie wissen gar nicht, in welcher Partei ich bin. Interessant. Da verstehe ich gar nicht, was die Genossen immer von mir wollen. Von wegen Parteischlechtmachen und so. Wenn das doch sowieso kein Schwein weiß! Nein, nicht Sie! Jetzt bitte ich Sie aber! Ich habe das doch nur so allgemein gemeint. So irgendwie alle und so. Interessant aber auf jeden Fall, zeigt es doch: so muss man es nämlich machen! Parteipropaganda ist immer dann am besten, wenn der Wähler überhaupt keine Chance hat zu kapieren, von welchem dieser Vereine er im Augenblick gerade zugelabert wird. Das sind die Leute aber auch satt. Kugelschreiber, Einkaufschips, Kartenspiel – der Preis besteht im Anhören dieses Gelabers, das sogar diese aus Funk und Fernsehen bekannten Tünnesköppe besser abspulen könnten. Da bleibe ich lieber unerkannt. Das funktioniert ja offenbar ganz gut. Sogar in der Partei selbst: seit Jahren keinen Ärger mehr gehabt oder sowas.


Verdammt schwere Zeiten! Nehmen Sie nur mal den Parteivorsitzenden! Sie haben doch auch gesehen, wie der da am Montag auf der Konferenz in Gelsenkirchen gesessen hatte. - Nein, ich nehme nicht an, dass Sie dort waren. Ich weiß nämlich immer noch nicht, ob Sie überhaupt in meiner Partei sind. Nur: ein paar mehr Männekes mehr, als die, die da waren, sind wir schon noch! - Wo war ich noch mal stehengeblieben? Ach ja, der Vorsitzende... Nicht zu übersehen: angeschlagen ist der Mann. Die Grippe noch in den Knochen, die beschissenen Umfragewerte, und dann haben die am Wochenende gerade noch gefehlt. Diese Fakten, Fakten, Fakten – zu vernehmen aus der gleichen Gewichtsklasse, allerdings aus der höchsten Altersklasse. Also alles falsch. Auf die Nerven gehen können sog. Fakten jedoch auch, wenn sie ihrem Namen keine Ehre machen, sondern sich als Scheißhausgerüchte herausstellen. Werfen sie selbst als Untote immer noch Fragen auf wie "Vielleicht hat ja doch der mit der?" Oder "die mit dem?" Und die drei Selbsternannten gucken sowieso schon seit knapp zwei Wochen so komisch.  


Nein, alles nicht so schön, wirklich nicht. Schon gar nicht für diesen armen Mann, und dann widerfährt ihm das auch noch! Gut, er selbst hatte sie „eingeladen“, so heißt das halt bei diesen Inszenierungen. So etwas gehört zum normalen Alltagsgeschäft. Diesmal: kleine Leute, ganz kleine Leute. Mit Gegenwind musste er rechnen, klar. Mit Susanne Neumann konnte er allerdings nicht rechnen. Eigentlich hatte mir, wie gesagt, der arme Kerl schon ein klein wenig leid getan. Aber als ich das gesehen habe, fand ich es zunächst mal irgendwie ganz gut. Ich gehe mal davon aus, dass Sie das auch gesehen haben. Das lief doch im Fernsehen. Oder hier, gestern stand es auch in der Zeitung. Wie die Susanne Neumann dem großen Vorsitzenden mal so richtig einen einschüttet. Schöne Sache, herrlich!



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Doch die emotionale Ergriffenheit verfliegt auch wieder, und man sagt sich: letztlich nützt es ja doch nichts. Ob nun eine Reinigungskraft im Mindestlohn dem Wirtschaftsminister, der seit Jahr und Tag die Profipolitiker-Kohle abzieht, die Meinung geigt oder ob in China ein Sack Reis umfällt... - mit so einer Nummer kriegen die ihren Kopf auch nicht mehr aus der Schlinge gezogen. Zumal: dieser Gabriel, der sagt der Frau doch sogar ganz direkt ins Gesicht, dass er nicht gedenkt, den armen Leuten auch nur einen Millimeter entgegen zu gehen . Die übliche Leier: kann man nix machen, die Schwarzen machen nicht mit, wir würden ja an sich sehr gern, jetzt können wir aber gerade nicht, und überhaupt liefe es ohne uns noch schlimmer. Leider hatten wir, als es für ein Momentchen kurz mal ohne die Schwarzen lief, einen klitzekleinen Fehler gemacht. Passiert ja wohl jedem mal... - Hart an der Grenze. Tausendmal gehört. Tausendmal ist nix passiert. Diesmal gerät mal etwas Sand ins Getriebe, da fängt der Kerl - gar nicht dumm - an,  mit der Reinigungskraft zu shakern. Glaubsse...



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Diese Masche ist doch jedermann und jederfrau bestens bekannt. Darüber hinaus: dieser Gabriel, er soll ja, hört man... Auch rein menschlich gesehen wäre dieser Gabriel, sagt man... Ich weiß es doch auch nicht. Ich kenne den Mann doch nicht persönlich. Fest steht: es gibt viele Leute, in Partei und im Volk, die können ihn nicht so recht leiden. Das wird seine Gründe haben, denke man. Dann holen mich, wie aus dem Nichts, diese quälenden Fragen ein. Zum Beispiel: Wie wäre die ganze Sache eigentlich gelaufen, wenn Susanne Neumann das ganze Thema nicht mit dem Gabriel bequatscht hätte, sondern mit dem – sagen wir mal: dem Schäuble. Oder mit dem de Maizière. Nein, warten Sie mal, eine noch bessere Idee: mit der Merkel. Die hat doch so etwas Menschliches. Ein bisschen angeschlagen, so wie der Gabriel, mag die jetzt auch sein. Müsste man einfach mal sehen. Ein Gespräch zwischen Angela Merkel und Susanne Neumann - warum denn eigentlich nicht?! Oder mit der Ursula von der Leyen?


Wie hieß eigentlich noch mal der von den Grünen? Na, dieser Ältere? Genau: Kretschmann. Verdammt nah an der Idealbesetzung! Der hat nämlich so richtig was Väterliches. Ob das etwas werden könnte? Kretschmann im Kampf für den Mindestlohn? Auf Englisch kommt es besser hin: "Winfried in struggle for minimum wage." Mein Englisch wird mit den Jahren nämlich auch nur schlechter und schlechter. Und trotzdem: es ist furchtbar, aber es geht*.


Werner Jurga, 12. Mai 2016



* Das Urheberrecht dieser Weisheit liegt nicht bei mir, sondern bei Jürgen Becker und Rüdiger Hoffmann.



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