Dr. David Schneider-Addae-Mensah, Joachim Herrmann, Roberto Blanco (v.l.n.r.)

Bildquellen siehe unten

Sozischmelze, Inzuchtsprodukte und Joachim Herrmann

Wie war das noch gestern?

10. Mai 2016. Wie war das noch gestern? Die Antwort weiß nur... - ich. Es war überraschend heiß und deshalb oder dennoch ist hierzulande auch rein politikmäßig gesehen ganz schön die Post abgegangen. Nein, keine Panik, Sie haben nichts verpasst: Österreich ist – Stand Dienstag, den 10. Mai 2016 – noch nicht heim ins Reich gekehrt. Nur die Ruhe! Deutschland ist auch kleinformatig schön genug! Auch hier geht es mit den Sozialdemokraten dermaßen den Bach runter, dass die heimattreue Seele nur so lacht. Zugegeben: der Parteivorsitzende ist, obgleich von einer wohlgenährten süddeutschen Frohnatur in Aussicht gestellt, nicht zurückgetreten. Aber er schaut, obwohl doch so gut im Futter, auch nicht eben glücklich drein. Und seine Partei genauso wenig. Seinem Vorsitzkollegen für die Castellstadt an Rhein und Ruhr wollen sie ebenfalls kräftig ans Leder... - Sie wissen schon: Colonias Silvesterparty ist ordentlich aus dem Ruder gelaufen. Na klar, kein Wunder: schön Feiern können diese Roten aus dem Tiefland echt nicht. Geschweige denn ein bisschen Ordnung dabei halten. Das können nur die gemütlichen Gemütsmenschen aus dem Süden...


von dort, wo die Einheit der deutschen Nation über den höchsten Wipfeln und Gipfeln thront. Wie dem auch sei... - jedenfalls ist in den letzten beiden Tagen dermaßen viel über die miesepetrigen Preußen und all ihre Roten berichtet worden, dass eine äußerst interessante Meldung über das Gute, Schöne und Erhabene im Grunde genommen im Nachrichtenwust untergegangen ist. Sie mögen die Information selbst für ärgerlich halten; aber immerhin: sie stammt ausnahmsweise mal nicht aus diesem untergehenden Milieu preußisch-schlechtgelaunter Suppenkasper. Wobei... - sorry: letztlich eigentlich schon. Der erste Schritt wurde getan, Sie erinnern sich gewiss, im letzten Sommer bei diesem giftigen Plasberg. Livesendung „Hart aber fair“ - das sagt ja schon alles. Thema: Flüchtlingskrise, Fremde und ob die sich überhaupt integrieren können uns und alles. Eingeladen war auch – Entschuldigung, da bin ich ein wenig befangen, mein absoluter Lieblingspolitiker, mein Idol, wenn Sie so wollen Vorbild: Joachim Herrmann, seines Zeichens Innenminister des Freistaates Bayern.


Wie das dann so läuft: da wollte die rote Brut dem Herrn Minister Herrmann unterschieben, er speziell, aber auch die gesamte CSU hätten wohl irgendetwas gegen all diese Ausländer. Gut, das haben sie sich nicht getraut zu sagen. Aber es war schon klar, wohin der Hase laufen sollte. Aber da haben sie sich geschnitten! Nicht mit Joachim Herrmann! Ich sage Ihnen: der Typ ist wirklich absolute Spitze! Entschuldigung, ich gerate schon wieder ins Schwärmen. Der kann denen vielleicht allen die Kante geben! Im Grunde ist Herrmann aber eine bayrische Frohnatur. Lächelt meistens, reagiert gutmütig, und durch so einen jämmerlichen Versuch lässt sich einer wie er sowieso nicht aus der Ruhe bringen. Ob er etwas gegen Ausländer habe... - pah! Da hatte er denen mal erklärt, gut verständlich, so an einem konkreten Beispiel, dass es immer drauf ankomme. Der Roberto Blanco, hat er dann gesagt, der Joachim Herrmann, sei ein "wunderbarer Neger". Das ist er aber auch wirklich, der Roberto. Das können Sie zum Beispiel schon daran erkennen, dass er Ehrenmitglied der CSU ist. Perfekt integriert sozusagen.


Alles kein Problem, möchte man eigentlich meinen. Aber, Sie erinnern sich vielleicht noch, was da vor gut einem halben Jahr los gewesen ist, nachdem der Herrmann den Blanco mit dem Wort Neger bezeichnet hatte. Weil das doch heutzutage verboten ist... - ach Du lieber Himmel! Dabei hatte Herrmann ausdrücklich sogar „wunderbarer Neger" gesagt. Nützt ja alles nichts, die Empörungsmaschinerie wird angeschmissen, man will mein Polit-Idol Herrmann nach Strich und Faden fertigmachen. Aber nicht mit Roberto! Der ist dann, wie es sich für einen – äh... nee, sagen wir mal: Freund gehört, dem Joachim gleich zu Hilfe geeilt. Das war doch großartig. Ich meine, der hätte den doch hängen lassen können. „Heute so, morgen so“, hätte der Roberto dem Herrn Minister trällern können, verstehsse. Das hat er natürlich nicht gemacht. Sondern sich gedacht: „Ein bisschen Spaß muss sein“. Einfach sympathisch! Der Roberto, klar. Der Minister natürlich auch, wobei der verständlicherweise etwas verlegen vor der Kamera rumstand, als unser Roberto sich extra wegen dieser leidigen Sache mit ihm getroffen hat. „Sie sind ein wunderbarer Weißmann", konnte Roberto Blanco dem bayrischen Obersheriff bescheinigen.


Ja, das Leben könnte so schön sein! Könnte, wenn es nicht diese – aber, wem sage ich das?! - Leute gäbe, mit denen Sie einfach beim besten Willen nicht auskommen können. Der Doktor David Schneider-Addae-Mensah, zum Beispiel, das ist so einer. Eigentlich von den Göttern verwöhnt, sollte man sagen. Er durfte nämlich in München das Licht dieser Welt erblicken. Aber, wie das so ist, Du hast immer so Leute, die sich partout nicht anpassen können. Nicht einmal wollen! In Bayern kam er jedenfalls nicht zurecht. Keine Ahnung, wie das genau gelaufen ist, das ist aber auch egal. Jedenfalls hat er dann Asyl gefunden... - außerhalb Bayerns. In Karlsruhe. Ja gut, ich hatte auch zunächst einmal von Herzen gelacht. Aber Sie glauben ja gar nicht, wie man sich bei dieser Sorte Mensch mitunter vergucken kann! Denken Sie doch einfach mal nach! Karlsruhe – na, klingelt es? Karlsruhe – da sitzt doch das Bundesverfassungsgericht, und was weiß ich, welche anderen höchsten Gerichte, die noch nicht gen Leipzig vor diesem Doktor Schneider-Dingsbums nach Leipzig geflohen sind, auch noch. Ganz schön clever. Manchmal können die echt noch mehr, als nur gut zu singen.


Dr. Schneider-Addae-Mensah ist nämlich Rechtsanwalt für Europa- und Menschenrechte. Ganz schön clever: Karlsruhe. Unsere Oberjuristen sind aber auch nicht ganz doof. Verständlich, dass die ganzen Bundesgerichte sich nach Leipzig verziehen. Da kann sich so einer ja wohl mal wirklich nicht blicken lassen. Was mich betrifft: mein Fall ist dieser Typ sowieso nicht, dieser Schneider-Addae-Mensah. Ja gut, ich gebe zu. Da spielt ein wenig Eifersucht mit rein. Nein, nicht wegen untenrum und so... - hören Sie doch mal auf mit sowas! Im Ernst: in meiner Eitelkeit hatte ich mich bislang ganz weit vorn gewähnt in der Disziplin, allerorten Ärger anzuzetteln, und dabei so zu tun, als wäre ich ein unheimlich lustiger Typ. Tja, das war wohl nix. In diesem Fachbereich gibt es gegen Dr. Menschenrechtsanwalt keine Chance anzustinken. Diese Leute sind nicht alle gleich. Sicher, der Roberto Blanco ist auch ständig mit den Gerichten zugange. Aber der David Schneider-Addae-Mensah hat das zu seinem Beruf gemacht. Doch das allein ist es immer noch nicht...


Ein stark ätzender Schmalhans, extrem giftig, seine innere Ausgeglichenheit – na, ich kenne ihn ja nicht persönlich. Ich lege auch keinen Wert darauf. Und es mit ihm aufnehmen... - nee, lass mal. Dass einer von dieser Sorte ein Roberto-Blanco-Fan wäre... - gut, ich nehme es einfach nicht an. Ich weiß es aber nicht. Doch ich weiß, dass er meinen Joachim Herrmann nun so gar nicht ausstehen kann. Da schreibt der dem, also der Anwalt dem Minister, am Tag nach der besagten Plasberg-Talkrunde unter dem Betreff: "Ihre rassistische Gesinnung", und begrüßt ihn mit "Hallo, Herr Herrmann, Sie sind ein ganz wunderbares Inzuchtsprodukt!“ Also, ich bitte Sie! Der Joachim Herrmann ist ja wahrlich ein sympathischer Gemütsmensch. Doch ich hatte Ihnen ja schon am Anfang dieser Zeilen ganz unmissverständlich mitgeteilt: wenn Sie den so richtig reizen, dann kann der aber auch! Er hatte Strafanzeige erstattet, logisch, würden Sie doch auch machen. „Wunderbares Inzuchtsprodukt“ - ja, jetzt geht es aber wohl los?! Das heißt: nein. Jetzt erging das Urteil. Am Amtsgericht Karlsruhe – klar: so eine kleine Kammer muss es dort auch geben.


Aber halten Sie sich fest! Wenn Sie nämlich meinen sollten, von kleinen Gerichten seien keine großen Urteile zu erwarten, dann werden Sie aber staunen. Der Karlsruher Richter hat nämlich im Namen des Volkes entschieden, dass die Worte "Ihre rassistische Gesinnung" in der Betreffzeile des Briefs keine strafbare Beleidigung darstellten. Sogar die Titulierung des verdienten Herrn Ministers als "Inzuchtsprodukt" ließ der kleine Amtsrichter unbeanstandet durchgehen. Irgendwo hat er in einem Urteilsspruch des Bundesverfassungsgerichts irgendwie etwas gefunden, wonach jemandem das "Recht zum Gegenschlag" eingeräumt werden müsse. Meine Herren! Da muss es sich doch irgendwann mal um einen völlig anderen Fall gehandelt haben. Da wird es doch nicht um so einen – nun ja, ich habe zu diesem Herrn ja alles gesagt – Typen gegangen sein, der nichts anderes im Sinne hat, als meinen Lieblingspolitiker zu beleidigen. Einem meiner Facebook-Freunde ist dieses – sagen wir´s ruhig, wie es ist – Schandurteil auch ganz schön nahe gegangen. Und mir ist jetzt endlich wieder eingefallen, warum ich Ihnen diesen ganzen Kram über ein zwar neues Urteil, wo aber auch nur eine ziemlich alte Geschichte dranhängt, überhaupt erzähle.


Das war nämlich so, dass der Kollege gestern ziemlich betroffen gewesen ist. Von diesem Urteil, klar, darüber reden wir ja. Dennoch fühlte ich mich irgendwie nicht ganz unschuldig an seinem angeschlagenen Zustand. Ich war es nämlich, der – wie ich erst jetzt einsehe – sehr leichtfertig einfach mal so diese Meldung auf Facebook weitergeleitet hatte. Wie ich hier gleich zu Beginn eingeräumt habe, war ich doch in Sorge, dass dieses im negativen Sinne des Wortes fast schon historische Urteil im allgemeinen Mediengejammer über die armen Sozis übersehen werden könnte. Die Sorge war nicht unberechtigt; aber ich will nicht uneinsichtig erscheinen. Völlig bedenkenlos ging ich schlicht davon aus, dass auch zärter besaitete Gemüter solch einen Schock einfach so wegstecken könnten. Spontane Reaktion meines Facebook-Freundes. „Sehr liberaler Richter. Geht die Staatsanwaltschaft zum OLG oder lässt sie es sein? Sie sollte es gut sein lassen, aber wer weiß...“ Ich weiß. Sie haben sofort bemerkt, wieviel Ironie in dem Wort vom „sehr liberalen Richter“ steckt. Aber ich... - Ich bin manchmal derart unsensibel, dass ich mich selbst dafür hassen könnte. Oder war auch ich noch zu traurig wegen Joachim Herrmann?


Es wäre vielleicht eine Erklärung, gewiss keine Entschuldigung. Die an Verzweiflung grenzende Enttäuschung meines „Freundes“ hatte ich gar nicht registriert. Es liegt an Leuten wie mir, dass das edle Wort vom Freund auf einem sozialen Netzwerk wie Facebook im Grunde jeglichen Wertes beraubt ist. Ihm ließ dieses skandalöse Karlsruher Urteil keine Ruhe. Einige Stunden später stieß er mich nochmal an: „Richter entscheidet: Afrikaner darf deutschen Politiker als Inzuchtgewächs betiteln. Etwas tendenziös?“ Eine Offenbarungserfahrung. Es war so weit. Ich bin meinem Netzwerkkollegen zu tiefem Dank verpflichtet. Er hat mein Gewissen wieder erweckt. Nun ja, ein ganz klein wenig immerhin. Doch! Ich habe mich um ihn gekümmert. Ich habe ihm geantwortet. Ich wollte ihm den Schmerz der Einsamkeit lindern, und für Sie wollte ich eigentlich nur eine kurze Einleitung verfassen. Solch ein historisches Dokument, solch ein leidenschaftlicher Brief an einen Freund, da dürfen zwei, drei einleitende Zeilen doch nicht fehlen. Jetzt sind es vier geworden. Oder so. Scheiß egal, dann veröffentliche ich meinen bescheuerten Brief eben erst morgen.



Werner Jurga, 10. Mai 2016




Bildquellen: 

Europa- und Menschenrechtsanwalt Dr. David Schneider-Addae-Mensah © archeviva.com

Joachim Herrmann © Bayerischer Staatsminister des Innern, für Bau und Verkehr

Roberto Blanco © Roberto Blanco


Seitenanfang