CD 2000


Rot-Rot-Grün

Ausgeträumt


27. April 2016. Das war´s. Es ist aus. Der Traum ist geplatzt. Wie eine Seifenblase. In Luft aufgelöst. Zurück bleibt eine innere Leere. Ich fühle mich so allein… - und nicht nur ich. Millionen und Abermillionen, ja okay – sagen wir mal: ganz schön viele hatten geträumt, der Tag werde kommen. Nicht heute, nicht morgen, jedoch bald – in nicht allzu ferner Zeit. Ausgeträumt. Der Traum ist tot. Doch irgendwann, ganz bestimmt, es kann sich zugegebenermaßen noch etwas hinziehen, wird er auferstehen. Mein Traum, unser Traum - strahlender, bunter, schöner als je zuvor. Und dann... - nun gut, jetzt ist erst mal Essig.


Schuld daran sind Katja Kipping und Bernd Riexinger. Wie die tageszeitung meldet, haben die beiden Parteichefs dem Projekt einer rot-rot-grünen Bundesregierung erst einmal Adieu“ gesagt. Kipping und Riexinger, die in der Vergangenheit für dieses Projekt geworben hatten, konstatieren: „Es gibt kein linkes Lager der Parteien mehr.“ Tja, und jetzt?! Aus und vorbei; es gibt das Lager „nicht mehr“. Bislang hatte es doch so hervorragend funktioniert – zumindest in meinem Traum. Ja, ich weiß: einige Linke hatten sich damit schon immer schwergetan. Manch Grüner denkt schon an ein Merkel-Ministerium. Und die Sozis haben davon ohnehin schon reichlich.


Aber das ist doch egal. Rot-Rot-Grün – das ist doch mehr als nur ein Traum! Das ist doch die Mehrheit. Zur Zeit im Bundestag und von 2005 bis 2009 auch schon. Ja gut, den Umfragen zufolge fehlt im Moment ein Ideechen. Ein Grund mehr zu kämpfen. Dafür, dass aus der rechnerischen eine politische Mehrheit wird. Sozialdemokratischer Öko-Sozialismus mit menschlichem Antlitz. Klasse! Das ist doch toll; jeder muss das einsehen. Beziehungsweise: müsste das einsehen, wenn es nicht bedauerlicherweise gerade abgeblasen worden wäre.



CD 2000



Schade, schade. Ja, aber... - was machen wir denn jetzt?! Schwierige Frage. Da ist guter Rat teuer. Beziehungsweise: wäre teuer, wenn wir nicht glücklicherweise die linke Doppelspitze hätten. Kipping und Riexinger hatten sich sofort darangesetzt und ein „Strategiepapier“ erarbeitet. Also nicht einfach durchgefunkt: „Satz mit x, war wohl nix“, sondern sofort, also noch bevor sie jemand gestellt hat, die o.g. schwierige Frage konstruktiv beantwortet. Mit offensivem Charakter, versteht sich. Titel des Papiers: „Revolution für Gerechtigkeit und Demokratie“. Da wo Lenin nur hilflos „Was tun?“ fragen konnte, legen Katja und Bernd schon die Antwort vor.


"Revolutionspapier" nennt die taz ganz liebevoll dieses Elaborat. Es liegt ihr vor. Dabei ist das bestimmt geheim. Da stehen nämlich Sachen drin. Junge, Junge! Die Linken suchen die „Konfrontation mit den Reichen“ und wahrscheinlich auch deswegen den Kampf für eine „radikale Besteuerung der Profite“. Da ist es natürlich blöd, dass die taz das verpetzt hat. Denn jetzt wissen die Reichen, dass die Linken eine „radikale Umverteilung“ im Sinn haben. Der Klassenfeind schläft nicht, dürfte also alle Hebel in Bewegung setzen, sich darauf einzustellen. Andererseits: muss er das überhaupt noch? „Es gibt kein linkes Lager der Parteien mehr“, heißt es in dem "Revolutionspapier".


Damit scheint der parlamentarische Weg zur „radikalen Umverteilung“ mitsamt „radikaler Besteuerung der Profite“ einstweilen versperrt zu sein. Der Traum ist geplatzt. Ausgeträumt. So gesehen könnte sich sogar der Klassenfeind ganz in Ruhe schlafen legen, wenn... - ja wenn da nicht der Plan wäre, hilfsweise die Revolution jetzt volle Granate durchzuziehen. Eine Revolution veranstaltet man ja schließlich nicht im Parlament. So gesehen wäre Lenin ganz happy. Aber eine „Revolution für Gerechtigkeit und Demokratie“ - Lenin, sagen wir es mal so, wäre spontan gar nicht auf so eine Idee gekommen! Sei´s drum: ein neues, innovatives Konzept. Was will man machen, wenn sich die Träume als Schäume erwiesen haben?!


Zumal: eine Revolution – ganz so abwegig muss der Plan der super-radikalen Linken-Spitze gar nicht mal sein. Kipping und Riexinger plädieren in ihrem Strategiepapier nämlich auch für die „radikale Kritik an der EU“. Das bringt zwar keine Wählerstimmen – jedenfalls nicht der Partei „Die Linke.“ Dafür hat dieses Thema ganz offensichtlich revolutionäres Potenzial. Hier, im Kerndeutschland. Aber auch in Österreich. In Holland, in Polen, eigentlich fast überall in Europa. Der große Traum wird auferstehen. Strahlender, bunter, schöner als je zuvor. Am Horizont ist sie schon fast erkennbar, die goldene Morgenröte. Man sieht sie schon marschieren: die Freiheitlichen, die Partei für die Freiheit, für Recht und Gerechtigkeit und für alles Gute und Schöne – gegen Konzerne und Finanzkapital. Radikal – vom Traum zur Wissenschaft.


Werner Jurga, 27. April 2016






Audio "Eriel" (7'23 min.)


Eriel


Now, that my dreams have gone dead

I see them burning in the fire

Just like the words that I've said

Ashes turned to ashes once again


Look for a sign in the air

A light that dances in the sky

Maybe you'll see it somewhere

Ohh, shining like a diamond

Promising that hope will never die


I might know the answer

Well, it's back there in my brain

Someday soon I'll be rising again

Higher than the sun


I have been father and son

I cry for children of the night

Just because tears have begun

Beware of quiet voices

Thunder comes from silence, I am light


Eriel (from Dio-CD "Magica") CD, 2000

Songwriters: Craig Goldy, Ronnie Dio





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