Die Sonntagsfrage im April 2016

GroKo verliert, Opposition legt zu


24. April 2016. Eine alte Gewohnheit aufgreifend habe ich keine Mühe gescheut und das arithmetische Mittel aus den Werten ermittelt, die sieben Forschungsinstitute bei der Sonntagsfrage gemessen haben. „Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre...“ Die Daten habe ich von wahlrecht.de übernommen und daraus dann die Durchschnittswerte errechnet. Sollten Sie meine Rechnerei kontrollieren nachvollziehen wollen, aber weder heute noch in den nächsten Tagen dazu kommen... oder falls Ihnen diese meine Arbeit nicht zeitnah ins Auge gefallen sein sollte, müssten Sie dort die Forschungsinstitute jeweils einzeln anklicken, um die letzten vor diesem 24.04.2016 erhobenen Daten zugrunde legen zu können. Das nur nebenbei, da ich dies kaum annehme...


Mein Interesse, die alte Gewohnheit der Durchschnittsberechnung wieder aufzugreifen, ist dadurch geweckt worden, dass die Veröffentlichungszeitpunkte aller Institute so dicht beieinander liegen wie sonst nur selten. So dass auch insofern nichts gegen das Zusammenrühren der diversen, nach unterschiedlichen Rezepten gebrauten, sprich: durch verschiedene Methoden erhobenen und verarbeiteten Datensätze spricht. Dereinst bin ich gefragt worden, ob mein – zugegebenermaßen etwas simples - Verfahren der Durchschnittsberechnung überhaupt zulässig sei. Die Antwort: ja selbstverständlich. Juristisch sowieso; denn jeder darf rechnen, was, wie und womit er will. Und wissenschaftlich... - nun, es ist klar, dass die arithmetischen Mittelwerte die Realität genauer und m.E. auch zuverlässiger abbilden als die Resultate einiger Institute für sich genommen.


Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre...“, sähe das Wahlergebnis etwa so aus:


Sonntagsfrage April 2016


CDU / CSU 33,5 %

SPD 21,5 %

Grüne 12,5 %

AfD 12 %

Die Linke 8,5 %

FDP 7 %

Sonstige 5 %



Aber am nächsten Sonntag ist keine Bundestagswahl. Und doch kann es dem politisch Interessierten nicht schaden, sich über das Kräfteverhältnis der politischen Parteien Klarheit zu verschaffen. Gegenwärtig stoßen nämlich fast ausschließlich die Prognosen für die SPD und für die AfD auf größere öffentliche Aufmerksamkeit. Weithin bekannt ist auch, dass sich die FDP einigermaßen erholt und Chancen hat, im nächsten Jahr wieder in den Bundestag einzuziehen. Weniger Beachtung findet der Umstand, dass die Grünen sehr stabil in den Umfragen dastehen. Von 8,4 % bei der letzten Bundestagswahl auf jetzt 12,5 %, also fast die Hälfte mehr – das ist schon bemerkenswert. Andererseits: bei den Landtagswahlen vor sechs Wochen gab es nicht nur den Triumph in Baden-Württemberg, sondern auch die Niederlagen in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.


Noch beachtlicher sind zweifellos die Verluste der Union. Während sie ihr 2013er Wahlergebnis von deutlich über vierzig Prozent bis zum Sommer 2015 in den Umfragen halten konnte, ging es dann ab Herbst kräftig abwärts. Dieser Trend hängt ganz offensichtlich mit der sog. Flüchtlingskrise und mit Merkels Flüchtlingspolitik zusammen. Entsprechend schlecht waren die CDU-Wahlresultate am 13. März. Mittlerweile sind die Flüchtlingszahlen deutlich zurückgegangen. Merkels Politik hat sich real ebenso stark verändert, wenngleich vielleicht nicht ganz so deutlich, weil die Kanzlerin den Eindruck einer Wende, mithin eines Irrtums in dieser Sache, vermeiden möchte. Insofern ist es nicht überraschend, dass sich diese Entwicklungen in den jüngsten Umfragen (noch ?) nicht widerspiegeln. Zumal die Erhebung der Rohdaten eine oder gar zwei Wochen zurückliegt. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Werte für CDU und CSU wieder etwas zulegen.



Werner Jurga, 24.04.2016



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