Ein Hinweis in eigener Sache, und:

Aschermittwoch – die Fastenzeit beginnt


10. Februar 2016. Aschermittwoch, alles vorbei... - wobei: so viel war das ja dieses Jahr gar nicht, dieses „Alles“. Rosenmontag ist doch dieses Jahr ausgefallen, hier in Duisburg und nicht nur hier. Also nicht der Rosenmontag, sondern nur der Zug. Schlimm genug. Karneval ohne Höhepunkt. Kein Wunder nach allem, was passiert ist. Sie wissen schon. Erst die Meteorologen, und dann auch noch das Wetter. Das war aber auch ein Wetter! Nein, nicht gestern, sondern vorgestern. Am Rosenmontag, darüber reden wir doch. Also dieses Wetter... - Nun ja, mir konnte es ja egal sein. Mir hatte es nämlich vorher schon gereicht. Morgens Frühtau, nicht nur zu Berge, sondern auch hier am Niederrhein. Kein Nachtfrost, aber doch Eiskratzen. Dann entweder strahlender Sonnenschein, aber bitterkalt. Oder etwas milder, dafür aber Sprühregen. „Sprühregen“ - mein Lieblingsbegriff aus der Meteorologie. Von der verstehe ich nicht viel, eigentlich so gut wie gar nichts. Aber „Sprühregen“ - da weiß ich Bescheid. In diesem Fall nicht nur ich, sondern auch mein Körper. Dem hatte es nämlich gereicht, und zwar nicht erst am Rosenmontag, sondern schon einige Tage zuvor.


Einen grippalen Infekt hatte er, also ich, sich zugezogen. Keine große Sache, wäre da nicht das Problem, dass er, also mein Körper, mit einem Immunsystem, also einem System aus Geheimdienst und Polizei, ausgestattet ist, das – wie soll ich sagen? - nicht viel taugt. Meine körpereigene Abwehr... - nein, sie ist keineswegs inaktiv. Ich habe weder Aids noch bin ich ein Kölscher Jung. Womit ich nicht sagen will, dass alle Kölsche Jungens... - Ich bitte Sie. In meinem Körper sind Geheimdienst und Polizei sogar ziemlich aktiv, allerdings auch strohdoof. Oder auch bösartig, schwer zu sagen. Sie müssen sich das so vorstellen wie früher (!) in Thüringen: die gesamte Freund-Feind-Erkennung ist total im Eimer. Alles Mögliche, was im Grunde total okay ist, wird verfolgt; dafür darf der Hauptfeind die Kommandozentrale übernehmen. Wie gesagt: in Thüringen hat sich das mittlerweile erledigt, ein Facharzt ist jetzt gar mit der vollständigen Heilung beauftragt. Ich wünsche von Herzen viel Erfolg! Ganz neidlos. Bei meinem geschundenen Leib ist an derlei jedoch überhaupt gar nicht zu denken. Die Freund-/Feindkennung ist und bleibt kaputt. Bedeutet: jede popelige Frühjahrsgrippe knockt mich aus.


Und wie gern hätte ich über dieses Wetter geschrieben! Über das am Rosenmontag. Aber das Wetter war schneller. Frühtau, bitterkalt, Eiskratzen, strahlender Sonnenschein und etwas milder, oder alles grau in grau mit Sprühregen. Jurga k.o. - Rosenmontag wieder dasselbe Spiel, alles Mögliche, allerdings kein Sturm. Eigentlich egal, wäre nicht der ganze Karnevalsumzug abgesagt worden eben wegen dieses Sturms, den die Meteorologen fest prophezeit hatten. Für diesen Rosenmontag, felsenfest am Sonntagabend noch. Unumstößlich: das Sturmtief Ruzica kommt mit Macht, eine Sieben sei nicht drin. Mit dieser „Sieben“ war die Windstärke gemeint. Eine Sieben „nicht drin“. Die Wetterfrösche predigten mit der Selbstgewissheit der Zeugen Jehovas, dass Duisburg, aber auch Düsseldorf, Essen und so weiter, von Orkanböen mit Windstärken zwischen acht und zehn, manchmal auch elf, heimgesucht würden. Allein: Ruzica kam nicht. Ja, am späten Abend kam etwas Wind auf, aber erst nach 22 Uhr und gewiss nicht mit Windstärke acht. Langer Rede kurzer Sinn: die meteorologischen Dienste, und zwar alle wichtigen, hatten eine Fehlprognose heraus posaunt. Enttäuschte Jecken, traurige Kinder, vergebene Liebesmüh´, Schäden in Millionenhöhe.


Als Erklärung fallen mir nur zwei Möglichkeiten ein: entweder sind die Meteorologen auch im Jahr 2016 noch nicht in der Lage, eine halbwegs stimmige Wettervorhersage für die nächsten 24 Stunden abzuliefern. Oder aber wir haben es hier mit einer ganz große Verschwörung zu tun. Ich meine, es kann doch nicht sein, dass der Mensch nunmehr seit knapp 50 Jahren auf dem Mond landen kann, aber heutzutage noch bei der Vorhersage des Wetters für die nächsten 10 bis 20 Stunden durch den dunklen Wald tappend La Paloma pfeift. Trotzdem so selbstbewusst wie grottenschlecht! Andererseits: an Verschwörungstheorien glaube ich nun einmal nicht. Auch nicht an die Mondlandung; das heißt: an die natürlich schon, aber nicht an die Verschwörungstheorie dazu. Wobei: die ist schon verdammt gut! Die Verschwörungstheorie natürlich; denn die Mondlandung gab es ja in echt. Damals. Ein paar Male hintereinander sogar. Kein Problem. Die hatten damals ja auch schon Computer. Und was für welche! Und Glück. Glück gehört natürlich auch dazu. Zum Beispiel Glück mit dem Wetter. Das hatte gottseidank mitgespielt. Denn ab zum Mond geht’s selbstverständlich nur bei gutem Wetter. Das weiß aber jeder.


Wir hatten und haben jetzt aber kein gutes Wetter. Und das bedeutet, mich betreffend: ich bin zwar nicht abgedüst zum Mond, dafür aber nicht gut zurecht. Die Vernunft gebietet Bettruhe. Im Bett ist es zwar nicht so öde wie auf dem Mond, aber auch öde. Nein, nicht was Sie schon wieder denken! Es ist Aschermittwoch, alles vorbei. Vernunft ist angesagt. Fasten, wenn Sie so wollen. Das war vorläufig die letzte Narretei. Erst einmal wird es nichts, obwohl versprochen, mit dem Artikel zur Migrationsökonomie, Teil 2. Dabei hätte der gerade jetzt ganz gut gepasst, wo doch ein Vorstand der Bundesagentur offiziell verkündet hat, dass kein Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt droht. Einerseits. Anderseits wäre es dann auch überflüssig, dass ich es noch erkläre. Wobei: das mit den Sündenböcken könnte doch noch ziemlich wichtig werden, weil nämlich ein drastischer wirtschaftlicher Einbruch ins Haus steht. Ja, ich weiß: wir haben einen neuen Exportweltrekord aufgestellt und auch die Binnenkonjunktur brummt wie nie. Ja deshalb! Deshalb möchte ich doch etwas dazu schreiben, warum trotzdem in Kürze Schluss mit lustig ist. Es geht aber nicht. Ich bin krank.


Kein Problem. Jedenfalls nicht für Sie. Denn ganz so schnell geht das auch wieder nicht. Dass die deutsche Wirtschaft, wenn sie nicht längst begonnen hat, den Boden unter den Füßen verliert und ab in den Keller rauscht. Schnell, aber nicht ganz so schnell. Bis ich dagegen wieder einigermaßen fit bin, kann es noch eine Weile dauern. So eine Rekonvaleszenz, wenn sie denn bei mir überhaupt schon eingesetzt hat, geht langsam vonstatten. Langsam, aber nicht ganz so langsam. Sagen wir´s mal so: meine Auferstehung würde ich für deutlich vor Ostern veranschlagen. Die Höllenfahrt der Wirtschaft wird dann vermutlich noch nicht für alle sichtbar sein. Ich schätze, es könnte noch lohnend sein, wenn ich mich dann dazu äußere. Und / oder zu all den anderen Dingen, die ich hier kurz angesprochen habe. Ich hoffe gar, dass ich noch vor den Landtagswahlen wieder am Start sein werde. Doch selbst wenn: zur Lage der SPD werde ich mich nicht äußern. Ich bitte um Verständnis! Ich muss doch zusehen, dass ich wieder einigermaßen gesund werde. Es ist Aschermittwoch. Alles vorbei? Nun, das würde ich so nicht sagen. Die Fastenzeit beginnt. Wir hören wieder voneinander.


Werner Jurga, 10.02.2016




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