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Danach lasst uns alle streben!

CDU will Hymne ins Grundgesetz


15. Dezember 2015. Kurz vor seinem Ende hat der CDU-Parteitag in Karlsruhe wider Erwarten doch noch ein Ergebnis gebracht. Es sei denn, man betrachtete die gestrige Jubelfeier für Angela Merkel als ein „Ergebnis“. Willkommenskulturelle und Zaunfreunde vereint im Willen, an der Macht zu bleiben. Ja okay, das ist auch ein Ergebnis. Aber heute wurde es direkt – sagen wir mal: inhaltlich. Die Christdemokraten beschließen ihren Willen, die deutsche Nationalhymne verfassungsrechtlich zu verankern. Auf Antrag der – wie könnte es anders sein?! - Jungen Union, der es zunehmend schwerer fällt, ihre deutschnationalen Impulse unter Kontrolle zu halten. „Gerade jetzt, wo so viele Menschen zu uns kommen, sagte der JU-Vorsitzende Paul Ziemiak, „sollten wir ein Zeichen setzen, dass unsere Nationalhymne das ausdrückt, was wir fühlen." Deshalb sei das Grundgesetz im Artikel 22 um folgende Passage zu ergänzen: "Die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland ist die dritte Strophe des Liedes der Deutschen mit dem Text von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und der Melodie von Joseph Haydn." So fühlen wir halt...


Dabei: eigentlich ist das Deutschlandlied – also nur die dritte Strophe, logisch! - doch schon längst die Nationalhymne. Denn man braucht ja auch eine. Zum Beispiel, wenn der Präsident von Burkina Faso zu Besuch kommt. Oder unser Präsident zu denen. Auch wenn die dann die schöne Haydn-Melodie total verhunzen – egal: das gehört nun einmal dazu. Jeder Staat hat schließlich eine Nationalhymne! Gut, manche haben keinen Text. Aber das ist doch auch blöd. Wie das immer aussieht, wenn vor einem Länderspiel die Videotext-Tafel leer bleibt. Oder überhaupt: wenn Fußballspieler, die ihrem Vaterland die Ehre erweisen dürfen, es nicht einmal für nötig erachten, ihrem Land durch Mitschmettern der Hymne die Ehre zu erweisen. Eine Unverschämtheit! Leider Gottes können die verdammt gut spielen, also diejenigen – Sie wissen schon, die schon vom Aussehen her nicht ganz so deutsch... - Aber lassen wir das! Wir haben jedenfalls eine Nationalhymne. Gut also, dass die CDU, also die Junge Union, jetzt endlich auf die Idee gekommen ist, dass wir das doch auch ruhig einmal festlegen könnten. Komisch, dass das damals vergessen wurde!


Jedenfalls konnten sich die Parteien im Parlamentarischen Rat nicht einigen. So hatte die junge Bundesrepublik ein Grundgesetz, aber keine Hymne. Aber man brauchte doch eine! Bundeskanzler Konrad Adenauer war von vornherein für das „Lied der Deutschen“; aber es gab eben auch – wie schon angedeutet – diese Bedenkenträger. Sozialdemokratische Politiker verließen den Saal, als Adenauer seinen Vorschlag auf einer Veranstaltung unterbreitete. Es entwickelte sich ein regelrechter Hymnenstreit. Oder Bundespräsident Theodor Heuss zum Beispiel, der gar einen alternativen Textvorschlag (zur Haydn-Melodie) unterbreitet und sich zwei Jahre kräftig gewehrt hatte, bis er dann... - nun, Heuss war ein Liberaler und ist „zähneknirschend“ (die tageszeitung) eingeknickt, was er schließlich Adenauer per Brief mitteilte. Übrigens das einzige Dokument, was darauf hindeutet, dass die dritte Strophe des Fallersleben-Liedes die Nationalhymne sein könnte. Ja sicher, in Deutschland entstehen Gesetze nicht dadurch, dass sich Kanzler und Präsident Briefe schreiben. Aber was sollte man denn machen?! Gerade deshalb ist es ja so wichtig, dass die CDU den Antrag ihrer Jugendorganisation positiv beschieden hat.


Gewiss, das Deutschlandlied ist umstritten; aber so etwas kommt ja vor. Außerdem: das Lied selbst ist eigentlich unumstritten. Haydn hatte die Melodie extra für einen echten Fußball-Knüller geschrieben: „Gott erhalte Franz, den Kaiser“. Das Lied wurde „später auch als österreichische Kaiserhymne gesungen“ (Wikipedia), also politisch korrekt bis zum Gehtnichtmehr. Gut, der Fallersleben-Text – die einen sagen so, die anderen so: „Kurt Tucholsky erschien die Zeile 1929 vor allem als `ein törichter Vers eines großmäuligen Gedichts´. Adolf Hitler hingegen verteidigte das Nationalwerk 1937 scheinheilig als ein `großes Lied der Sehnsucht´ und wies, zwei Jahre, bevor er den Zweiten Weltkrieg vom Zaun brach, Anschuldigungen entrüstet zurück, man könne in den Versen `etwas Imperialistisches erblicken´.“ Aber das ist Geschichte. Man muss die Vergangenheit auch einmal ruhen lassen! Zumal längst alle ihren Frieden mit unserer Nationalhymne gemacht haben. Unvergessen, wie die Volksvertreter sich erhoben hatten, als ihnen mitgeteilt wurde, dass uns das Geschenk der Einheit zuteil wurde, und die Hymne schmetterten.


Zugegeben, das Bild, das die Grünen abgegeben hatten, sorgte berechtigterweise für Kritik. Sehen Sie sich die Kommentare zum YouTube-Video an! Die Ökopaxe waren die letzten, die aufgestanden sind – ziemlich unentschlossen. Ich muss auch sagen: es sieht einfach scheiße aus, wenn man nicht weiß, ob man nun aufstehen oder sitzenbleiben soll. Doch ich muss die Grünen auch in Schutz nehmen: die waren damals ja noch jung. Jedenfalls eine junge Partei. Heute würde denen so etwas nicht mehr passieren. Wenn es heute „Hymne Schmettern“ heißt, dann stehen die Grünen wie eine Eins. Und sogar diese alten DDR-Kommunisten, über die ich schon vor gut einem Jahr anerkennend vermerken konnte: „Wenn die Linkspartei-Linken, die `Reste der Drachenbrut´, wie der große Wolf Biermann sie liebevoll nennt, sich nach dieser schlimmen Schmähung innerhalb weniger Stunden wieder aufrappeln können, sich erheben und gemeinsam mit ihren unzweifelhaft demokratischen Kolleginnen und Kollegen im Deutschen Bundestag das Lied der Deutschen des leidenschaftlichen Nationalchauvinisten und besessenen Antisemiten Hoffmann von Fallersleben schmettern, dann, ja dann...“


Über die Sozialdemokraten müsste ich hier eigentlich kein Wort verlieren. Deren kindliche Phase als vaterlandslose Gesellen liegt nun wirklich mehr als hundert Jahre zurück. Seit ihrer Zustimmung zu den Kriegskrediten zum Ersten Weltkrieg sind Zweifel an der nationalen Zuverlässigkeit der Sozis im Grunde nicht mehr erlaubt. Und die oben angesprochene Bockigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg, was unsere Nationalhymne betrifft... - oppositionelle Männekes gegen den großen Adenauer. Weil die Sozis damals ja noch gar nicht wissen konnten, dass der Deutschland ruckzuck wieder aufbauen wird, der Adenauer. So hätte man denken können. Schließlich haben unsere Roten seit Jahrzehnten keine Last damit, „Einigkeit und Recht und Freiheit“ anzustimmen. Warum auch?! Doch was müssen wir heute von einem gewissen Klaus Hillenbrand in dieser kleinen linken Postille namens tageszeitung lesen: „Dass es Fallersleben dann tatsächlich ins Grundgesetz schafft, ist unwahrscheinlich. Die SPD hat bereits angedeutet, was sie von solcher Symbolpolitik hält: nichts.“ Kaum zu glauben! Woher will der das denn wissen, dieser Hillenbrand?!


Werner Jurga, 15.12.2015





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