Mittelmeer, Dortmund, Duisburg

Wichtig und unwichtig



Donnerstag, 16. April 2015. Das ist schon toll, das mit dem Internet. Nicht wahr? Erstens sowieso schon mal, und zweitens, weil wir uns frei darüber informieren können, was in der Welt so vor sich geht. Wir sind eben nicht mehr auf Gedeih und Verderb der Lügenpresse ausgeliefert, sondern können uns ganz unabhängig die Informationen dort holen, wo wir es selbst für richtig halten. Wir können uns die Welt von Leuten erklären lassen, denen wir vertrauen, anstatt von denen, die sich hoch gebuckelt haben, um dann von irgendwelchen Programmdirektoren oder Herausgebern ausgesucht und instruiert zu werden. Einfach fantastisch! Ohne dem hätte es doch den wunderschönen arabischen Frühling gar nicht gegeben. Stichwort: Internet-Revolutionen, oder Facebook- bzw. Twitter-Revolutionen. Und bald kommt das auch hier; es geht ja schon allmählich los. Die Leute glauben einfach nicht mehr alles, sondern durchschauen, wie wir manipuliert werden. Sie organisieren sich, wie kürzlich etwa auf dem 
Wahrheitskongress in Münster. Kurzum: sie durchblicken das ganze miese Spiel, weil sich hin und wieder mal einer von denen verplappert.  



Das ist der Vorteil. Der Nachteil: das Internet wird Tag für Tag, Stunde um Stunde vollgestopft mit irgendwelchem irrelevanten Mist. Kein Wunder: allein durch das Internet ist ja das System nicht abgeschafft, vielmehr ist das Internet auch Teil des Systems. Was ich damit sagen will: wenn 
auch Sie sich im Netz politisch informieren, und das machen Sie ja, ich weiß das... - Woher ich das weiß? Tut mir leid: darüber darf ich Ihnen leider keine Auskunft geben. Jetzt aber mal zuhören, in diesem Fall: lesen, und keine dummen Fragen stellen! Kapiert?! Wo war ich stehengeblieben? Ach ja: Sie müssen sich wirklich gut konzentrieren; denn das Internet – auf diesen Nachteil wollte ich nämlich gerade zu sprechen kommen – wird, aller Wahrscheinlichkeit nach absichtlich, ständig zugemüllt mit irgendwelchem Scheiß. Nein, nicht von mir! Sondern vom System, wie ich stark annehmen muss. Oder gestern – es ist einfach unglaublich. Gestern, am Mittwoch, den 15. April 2015. Wieder einmal ganz typisch. Das werde ich Ihnen hier jetzt mal beweisen, und zwar anhand von drei Beispielen: dem Mittelmeer und zweier Mittelstädte, als da wären: Dortmund und Duisburg.  


Das Mittelmeer, wir denken an das Schöne im Leben, wir träumen von Sonne, Strand und mediterraner Lockerheit. Aber da können Sie mal sehen, wie die arbeiten, diese Systemtrolle. Anstatt uns mit Informationen zu versorgen, die wir wirklich brauchen, anstatt uns Geschichten zu liefern, die das Herz begehrt, kommen die uns wieder einmal mit so einem gekenterten Kahn mit Asylanten daher. Als wenn wir so etwas nicht schon oft genug gehört hätten! Als wenn wir irgendetwas dafür könnten! Als wenn man daran irgendetwas machen könnte! Fairerweise muss man zugeben, dass die wohl auch schon selbst gemerkt haben, dass das nicht mehr zieht. Wenn man bedenkt, was die noch vor anderthalb Jahren für einen Terz darum gemacht hatten! Verglichen damit hielt es sich gestern noch einigermaßen in geordneten Grenzen. Aber trotzdem: die eigentliche Topmeldung ist gestern wegen dieser Sache, wenn ich das mal so sagen darf, völlig untergegangen: Die „Hochzeit auf Malta: Zwei Herzen über dem Mittelmeer“.  


Ja, das haben Sie gar nicht mitbekommen. Das dachte ich mir fast schon. Aber so sind die! Ganz typisch: Sie sollen ein schlechtes Gewissen bekommen wegen irgendwelcher Ereignisse, mit denen Sie nichts, aber auch rein gar nichts zu tun haben. Nur: dass Sie sich auch mal freuen dürfen, das gönnen die Ihnen nicht. Nein, natürlich nicht darüber, dass uns umständehalber jetzt ein paar Asylanten weniger auf der Tasche liegen. Nun werden Sie mir aber mal nicht zynisch! Nein, über diese Hochzeit. Hier steht: „Ein frisch verheiratetes Paar hat mit einer romantischen Flugeinlage über Malta für Begeisterung gesorgt. Kurz nach der Hochzeit bestiegen Braut und Bräutigam ein Flugzeug von Air Malta und drehten zwei Runden um die Mittelmeerinsel - in Herzform.“ Das ist doch toll! Das ist doch mal eine Nachricht. Und die von der Lügenpresse haben sie gebracht, werden die jetzt sagen. Aber wo denn? Das ist nämlich deren System. Die bringen das tatsächlich irgendwo – unter einem ganzen Haufen von Katastrophen, Krieg und Krisen. Vermutlich sollen wir denen sogar noch dankbar sein, dass es uns so schlimm nun auch wieder nicht geht.  


Aber wie schön das Leben sein könnte, das sollen wir natürlich auch nicht erfahren. Flugzeuge malen nach Hochzeit Herzen übers Mittelmeer. Ich könnte heulen vor Rührung – und vor Wut. Das ist doch so gemein, so vielen Menschen eine so schöne Geschichte im Grunde genommen vorzuenthalten. Wobei man freilich auch sagen muss, dass das Leben nicht immer nur aus Liebe und Glück besteht, sondern leider, leider auch... - ja, selbst dann, wenn wir nicht mehr in einem so bösen System wie diesem hier unser Dasein fristen müssten. Damit hat es natürlich auch zu tun, aber nicht nur. Beispiel Dortmund, bittere Trennung, Tränen und ja, es ist schon so: Fußball hat auch irgendwie etwas mit dem Kapitalismus zu tun. Aber darum geht es nicht. Und deshalb ist es denen auch nicht gelungen, die ganze Geschichte so unter den Tisch fallen zu lassen wie diese total romantische Malta-Hochzeit. Das wurde natürlich versucht – mit so einer dusseligen Story über angebliche Nazis, die wahrscheinlich einfach nur Fans von Borussia Dortmund sind. Das konnte freilich nicht klappen. Nicht an einem Tag, an dem ein Fußballbeben die Republik erschüttert.  


Ein Beben, ausgelöst in Dortmund. Daran sehen Sie: die da oben können nicht mehr so, wie sie wollen. Die Mainstream-Medien wollten uns mit einer an den Haaren herbeigezogenen Horrorgeschichte über angebliche Nazis ablenken. Nazis in Dortmund – was für einen Quatsch die Lügenpresse sich so einfallen lässt! Aber damit war kein Durchkommen – gestern nicht, und hoffentlich auch in Zukunft nie mehr. Jürgen Klopp wirft das Handtuch, der Mann, der dem BVB die "echte Liebe" brachte... - darüber mussten sie einfach informieren. Weil der BVB andernfalls seine Informationspflicht gegenüber den Aktionären verletzt hätte. Von Dortmund Lernen heißt Siegen Lernen. Ich finde, wir in Duisburg sind bereits dabei. Gewiss, wir fangen gerade erst an. Dieser Weg wird kein leichter sein. Und klar, auch hier versucht der Feind, uns mit Nebensächlichkeiten Nicht-Duisburger betreffend vom entscheidenden Kampf abzulenken. Nämlich vom Kampf um die Bäume. Für wie abgestumpft halten uns diese System-Typen eigentlich? Glauben die echt, wir würden uns für völlig Fremde mehr interessieren als für fest verwurzelte Duisburger, die völlig wehrlos Opfer eines Massakers werden?!  


Werner Jurga, 16.04.2015




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