In eigener Sache: 

Erpressungen und Drohungen


Donnerstag, 8. Januar 2015. Seit gut sieben Jahren mache ich jetzt diese Webseite. Nichts Überragendes, dennoch recht viel Aufwand, dafür aber keine Einnahmen. Keine Werbung, kein irgendwie gearteter „Sponsor“. Mitunter gibt es Gerüchte, dass es mit „absolut unabhängig“, wie auf allen Unterseiten unten zu lesen, letztlich doch nicht so weit her sei. Diese entbehren jedoch jeglicher Grundlage. Leider. Wer also so etwas macht, und ich bin bekanntlich keineswegs der einzige, muss folglich auf einen anderen Lohn spekulieren als auf einen finanziellen. Damit wäre ich überführt, also gestehe ich: ja, ich bin eitel. Ja, ich bin ein Selbstdarsteller. Dies hat seinen Preis, nämlich neben den Kosten für die Telekommunikation vor allem die viele unbezahlte Arbeitszeit. 


Hinzu kommt – und davor bin ich von Anfang an gewarnt worden – der ganzen Ärger, den man sich mit solch einem Projekt zuzieht. Darüber hatte ich mir anfangs keinerlei Gedanken gemacht. Im Laufe der Zeit ließ sich dies jedoch umständehalber gar nicht vermeiden. Die Sache ist ziemlich einfach: da ich selbst freilich meine Motivlage für das Anbieten dieser Webseite nicht auf so profane Antriebe wie Eitelkeit und Wichtigtuerei reduziert wissen möchte, billige ich mir stattdessen edlere Absichten zu. In meinem Fall: politische Intentionen. Die Glaubwürdigkeit vor mir selbst verlangt also, dass ich mich hier in diesem Rahmen politisch äußere. Beim Verfassen der entsprechenden Texte kommen mir allerdings nur selten schöne Dinge in den Sinn.  


Das hat zur Konsequenz, dass ich in den meisten Fällen über Angelegenheiten schreibe, die mir nicht passen. Nun passt mir so einiges nicht, was insofern ganz gut ist, als dass mir all in den Jahren immer irgendetwas eingefallen ist, woran ich etwas auszusetzen habe. Das Schlechte daran: dadurch nimmt die Wahrscheinlichkeit, dass es Ärger geben könnte, eher zu. Logisch: während ich einen Artikel ganz gelungen finde, weil er so wunderbar kritisch ist, und weil die Kritik, wie ich finde, schlüssig begründet ist, gibt es stets auch andere Menschen, denen diese Kritik gilt. Mal direkt, mal weil sie die Umstände, die ich als Missstände empfinde, zu verantworten haben, manchmal ist es sogar vorgekommen, dass meine Meinung ohne jede persönliche Betroffenheit als unerträglich wahrgenommen wurde.  


So ist es mitunter vorgekommen, dass meine Meinungsäußerung nicht so ohne weiteres ignoriert werden konnte, woran ich zweifellos einen Schuldanteil habe. In manchen, allerdings ziemlich seltenen Fällen, haben die von mir Verärgerten dann allerdings nicht den in einer demokratischen Zivilgesellschaft vorgesehenen Weg gewählt, meinem Beitrag ihre – möglichst wohlbegründete – Position entgegenzusetzen, sondern fanden es zielführender, den Autor, also mich, einzuschüchtern. Jeder ist erpressbar, und ich gewiss etwas mehr als Andere. Es gab über die Jahre eine Handvoll Versuche, übrigens meistens nicht anonym, mich in dieser oder jener Sache oder aber auch insgesamt zum Schweigen zu bringen. Ich habe dann mit Öffentlichkeit (gegen-) gedroht und / oder die Polizei eingeschaltet.  


Darüber hinaus wurde – in diesen Fällen selbstredend anonym – einmal mein Leib und einmal mein Leben bedroht. Sie werden verstehen, dass ich damit nicht an die Öffentlichkeit gegangen bin. So etwas schweigt man tot! Sie werden sich denken, warum ich heute darauf zu sprechen komme, wenn auch in allgemeiner nebulöser Form. Womit ich selbstverständlich meine kleine Homepage in keiner Weise auch nur in die Nähe des großartigen französischen Satiremagazins bringen möchte, das gestern ermordet wurde. Ich wollte nur berichten, dass freilich auch ich – wie jeder, der sich öffentlich politisch zu Wort meldet – von Leuten angemacht worden bin, die anderen „Argumenten“ mehr Vertrauen schenken als dem Argument. Spinner von rechtsaußen, von linksaußen und „aus der Mitte der Gesellschaft“. Von Anfang an bin ich, wie eingangs erwähnt, genau davor gewarnt worden.  


Als ich im Oktober 2007, also fast zu Beginn, eine Artikelserie über unschöne Erscheinungen in der muslimischen Community ins Internet gestellt hatte, wurden die Warnungen eindringlicher und lauter. „Zwangsheiraten“, „Ehrenmorde“, „Jungfrauen“ - ob ich denn nicht wisse, was ich tu, fragten mich besorgte Freunde. Mahnend. Mit der mehr oder weniger offenen Empfehlung, die Texte zu diesen Themen wieder herauszunehmen. Deutsche Freunde. Ohne Migrationshintergrund. Christen bzw. in den meisten Fällen Atheisten. Leute aus dem gesamten demokratischen Spektrum. Die Texte sind heute noch „drin“. Und die Handvoll Gestörter, die mich in den sieben Jahren erpressen, bedrohen oder sonst was wollten, waren alles Mögliche. Nur: niemals Muslime. Und niemals wurde ich bedroht wegen der für „gefährlich“ gehaltenen Artikel. Sondern wegen meines Engagements gegen den Antisemitismus. Gegen den von waschechten Deutschen.  


Werner Jurga, 08.01.2015






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