Ehemaliges Grundschulgebäude Werthauser Straße


Fragwürdige Anwohner auf der 

Werthauser Straße


Sonntag, 10. August 2014. Vorgestern, also am Freitag, hatte ich eine Veranstaltung im Rheinhauser Bezirksrathaus besucht, auf der der Duisburger Stadtdirektor und andere die Pläne für die neue Asyl-bewerberunterkunft in der Werthauser Straße erläutert haben. Die Veranstaltung war gut besucht, die Atmosphäre erschreckend. Die Anwohner - aufgepeitscht vom Duisburger proNRW-Obermacker - artikulierten "ihre Ängste", indem sie schamlos auf das Vokabular des Unmenschen zurückgriffen. Ich weiß, wovon ich rede. Gegen das, was hier auf uns zukommt, waren die Umtriebe gegen die Peschen kuscheliger Kindergarten. Man muss keine besonderen Sympathien für die Duisburger Stadtverwaltung oder gar für die SPD oder ihre Bündnispartner hegen, um diese Leute, die den Ehrentitel "Anwohner" zu recht tragen, besonders unsympathisch zu finden. Sie sind genauso gestrickt wie das fernsehbekannte Volk in Berlin-Marzahn, das angeführt von der NPD gegen Asylbewerber randaliert hat. Hier ist es halt "proNRW". Und diese Leute, die einige meinen, in Schutz nehmen zu müssen, wissen ganz genau, was sie tun und mit wem sie das tun!  


Ein Facebook-Freund schreibt auf meiner Seite: „Werner, es geht doch um die Ängste und Befürchtungen der Anwohner und sonst nichts." Er artikuliert damit ein Missverständnis, das möglicherweise auch Teile der Verwaltung, „der Politik“ und der Stadtgesellschaft heimgesucht haben könnte. Mir geht es jedenfalls nicht darum. Mir geht es um die Sicherheit und, soweit möglich, auch noch um ein Stück "Willkommenskultur" für die Asylbewerber. Es ist angemerkt worden, dass ich „die“ Anwohner doch gar nicht kenne, sie auch nicht über einen Kamm scheren dürfe. Ob ich die Anwohner nun kenne oder nicht: es geht überhaupt nicht um sie. Zwar durfte ich einige von ihnen am Freitag kennenlernen. Angenommen, diejenigen Anwohner, die nicht dort waren und ekeliges Zeug gequatscht oder selbigem oder diesem proNRW-Kerl applaudiert hatten, angenommen die anderen Anwohner seien im Gegensatz zu diesem Gesocks durchweg umgängliche Menschen. Nochmal: auch um sie ginge es nicht. Allein dies anders zu sehen, bedeutete, sich die fremdenfeindliche Hetze zu eigen zu machen.  


Die Rede ist nämlich nicht von einer Entsorgungsanlage für Sondermüll oder einem Betrieb, der nukleartechnische Arbeiten durchführt, sondern von Menschen. Menschen in Not, aber auch dies muss die Anwohner nicht interessieren. Es ist keine Bürgerpflicht, ein guter Mensch zu sein. Die Anwohner haben das Recht, Fremde nicht zu mögen. Ich gestehe den Menschen auch das Recht zu, Angst zu haben. Dann sollen sie sich im Keller einschließen und / oder zum Therapeuten gehen. Sich aber nicht einmischen, wenn sich gesunde Menschen um die Lösung von Aufgaben kümmern. Allein die Aufnahme von Flüchtlingen, zu denen Duisburg nach akkuraten Verteilungsschlüsseln von Bund und Land gesetzlich verpflichtet ist, stellt eine Aufgabe dar, die schon dann kompliziert genug ist, wenn irgendwelche Anwohner uns mit ihren „Ängsten und Befürchtungen“ verschonten. Sie tun es aber nicht und erhalten dafür von Politik und Verwaltung die Zusicherung, mit ihren Sorgen ernst genommen zu werden.  


An diesen Punkt haben dann die Kritiker leichtes Anknüpfen. Denn freilich reicht es der Mehrheit der Anwohner keineswegs, einen Sozialarbeiter ansprechen zu können, der auch hin und wieder mit diesen merkwürdigen Leuten redet, deren Sprache kein normaler Mensch verstehen kann. Sie wollen kein Asylbewerberheim in ihrer Nähe, auch keines mit Sozialarbeiteranschluss. Deshalb gehen auch Vorschläge dahingehend, dass die demokratischen Parteien in einen "Wettbewerb" um die Gunst der Anwohner mit den Faschisten eintreten sollten, etwa um selbigen "das Wasser abzudrehen", völlig an der Sache vorbei. Wie sollte solch ein „Wettbewerb“ auch aussehen? Wie nimmt man diese Spezies „Anwohner“ mit ihren Ängsten ernst? „Wählt uns! Wir sind noch fieser als die Faschisten" kann es ja wohl nicht sein. Abgesehen davon, dass ich von dieser "Strategie" ohnehin nichts halte – sie hatte sich für die Duisburger CDU nicht ausgezahlt. So beschränkt sind dann auch die bildungsfernsten Anwohner nicht, als dass sie nicht „sicherheitshalber“ doch lieber das Original als die Kopie wählten.  


Die Duisburger CDU – die Rheinhauser Ortsgruppe war für braune Flirts ohnehin nie so anfällig - scheint aus diesem Fehler gelernt zu haben. Anderen ist Vergleichbares nicht vorzuwerfen gewesen; doch uns allen kann Lernen nicht schaden. In den Peschen hatten demokratische Parteien und sogar Entscheidungsträger der Stadt die Bambule und mitunter die Bösartigkeiten der Anwohner dort teilweise ignoriert. Das war (und ist) falsch. Demokraten müssen sich "stellen". Da gibt es nichts zu überhören; da geht man auch nicht grummelnd aus dem Weg. Demokraten müssen sich den Rechten nicht nur "stellen", sie müssen sich gegen sie stellen. Teilweise sind unsägliche „Proteste“ - wohlbemerkt: gegen Menschen – gar mit Entgegenkommen goutiert worden. Das aber ist naheliegenderweise absolut falsch. Das darf sich in der Werthauser Straße nicht wiederholen! Fehlverhalten ist nicht zu belohnen, sondern negativ zu sanktionieren. Also, der Rat, die Verwaltung und nicht zuletzt auch die Zivilgesellschaft müssen diesen Leuten signalisieren: "Ihr habt mal gar nichts zu sagen! Und wenn Ihr frech werdet, werdet Ihr schon sehen, was Ihr davon habt!"  


Gegen Rechts ist kein Rumeiern, Rumtaktieren oder "Verständnis" gefragt, sondern klare Kante.


Werner Jurga, 10.08.2014



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