Die Osterferien sind vorbei...

… und den Euro gibt es immer noch


Montag, 8. April 2013. Das war´s dann wohl mit den Osterferien. Eine Pleite! Wenn ich nur an das Wetter denke... - jetzt, wenn die Ferien vorbei sind, wird es langsam freundlicher. Die armen Kinder! Wobei: für uns Erwachsene war es freilich auch eine Tortur. Das Wetter, was sonst? Aber, was soll man jammern?! Man hätte ja genauso gut auch eben mal in den Süden jetten können. Ja, jetten – das bedeutet: mit dem Flugzeug fliegen. Nicht chatten, das ist etwas Anderes. Egal, es bringt rein wettermäßig gesehen wenig bis gar nichts. Aber mal so für einen Sprung ans Mittelmeer, mit den lieben Kleinen... Nun, ohne Kinder müssen sie während der Osterferien ja nicht fliegen. Das ist einfach zu teuer.  


Ab in den Urlaub! Auf zum Mittelmeer. Die Menschen dort sind freundlich, und wir Deutsche sind gern gesehene Gäste. Allerdings soll das Bild der Deutschen im Ausland während der letzten Wochen und Monate gelitten haben. Die Eurokrise und das ständige Gezerre um irgendwelche Rettungspakete haben Spuren hinterlassen. Gerade in den Urlaubsländern am Mittelmeer werden wir als Deutsche (wieder) schräg angeguckt. Nicht von allen, aber der Stimmungswandel ist – nach allem, was zu hören und zu lesen ist – in vollem Gange. Die Zeitungen und die Zeitschriften mit den schlimmen Titelbildern finden ja ihre Käufer.  


Das Bild der Deutschen in den Euro-Krisenländern scheint jedenfalls nicht gerade von Dankbarkeit geprägt zu sein. Dabei sind wir es doch gerade, die für die Länder in Europas Süden mit unvorstellbar hohen Summen bürgen. In den Fernsehnachrichten sehen wir dann die Bilder von den Demonstrationen: Deutschland wird mit Hakenkreuzen dargestellt und Angela Merkel mit Hitler-Bärtchen. Bei diesen Bildern kriegt man doch einen Hals! Das ist also der Dank für all die vielen Milliarden. Andererseits: den kleinen Leuten ergeht es dreckig – in Spanien und Portugal, in Griechenland und auf Zypern; jeder zweite junge Mensch ist dort ohne Arbeit.  


Wegen der rigiden Sparpolitik in den EU-Krisenländern haben dort viele Bürger keinen Zugang zu medizinischer Versorgung mehr. Spiegel Online titelt: „Euro-Krise kostet Menschenleben“; denn einer Studie zufolge breiten sich Infektionskrankheiten in bislang unbekanntem Ausmaß aus. Zudem steigt die Zahl der Selbstmorde rapide. Gewiss, wir dürfen die „Südländer“, wie wir sie hier nennen, nicht absaufen lassen. Schon im eigenen Interesse nicht. Doch an der Art und Weise, wie wir helfen, scheint etwas nicht zu stimmen. Und ganz sicher stimmt an der Art und Weise, wie Merkel, Schäuble & Co. auftreten, nicht nur etwas, sondern eine ganze Menge nicht.


Helmut Schmidt hat auf dem letzten ordentlichen SPD-Parteitag in Berlin im Dezember 2011 gesagt: „Wenn wir Deutschen uns verführen ließen, gestützt auf unsere ökonomische Stärke, eine politische Führungsrolle in Europa zu beanspruchen oder doch wenigstens den Primus inter pares zu spielen, so würde eine zunehmende Mehrheit unserer Nachbarn sich wirksam dagegen wehren. Die Besorgnis der Peripherie vor einem allzu starken Zentrum Europas würde ganz schnell zurückkehren. Die wahrscheinlichen Konsequenzen solcher Entwicklung wären für die EU verkrüppelnd. Und Deutschland würde in Isolierung fallen.“ 


Diese „ernste, sorgfältig abgewogene Mahnung“ (Helmut Schmidt) hat Merkel jedoch in den Wind geschlagen. Insofern trägt sie eine Mitschuld daran, dass es mit dem Ansehen Deutschlands und damit auch der Deutschen abwärts geht. Denn die ersten Zeichen für die Isolierung, vor der Helmut Schmidt vor nicht einmal anderthalb Jahren gewarnt hatte, machen sich bereits bemerkbar. Innerhalb der EU gehen nicht nur die Südeuropäer auf Distanz zum großen, starken Deutschland. Und was die Eurorettung insgesamt betrifft, ist es so weit gekommen, dass sich die Kanzlerin sowohl vom US-Präsidenten als auch vom chinesischen Generalsekretär mahnen lassen muss.  


Bislang schienen ihre guten Umfragewerte Merkel Recht zu geben. Mit dem jetzigen Zypern-Plan könnte jedoch ihr Mythos als „Krisenkanzlerin entzaubert" werden. Dies jedenfalls vermuten eine ganze Reihe von Kommentatoren, darunter keineswegs nur solche, die der Bundesregierung grundsätzlich kritisch gegenüberstehen. Dass nun erstmals die Konten der Sparer für die Krisenbewältigung herhalten sollen, könnte eine Wende für Merkels Ansehen auch in Deutschland markieren. Jedenfalls dann, wenn sich das Wort von Eurogruppenchef Dijsselbloem bewahrheiten sollte, dass Zypern die „Blaupause“ für künftige Rettungsaktionen ist.  


Dijsselbloem hat nur ausgesprochen, was Merkel, Schäuble & Konsorten insgeheim denken. Mit dieser Bundesregierung und ihrer Politik des Durchwurschtelns wird der Euro nicht zu retten sein. Mit Merkel ist der Euro nicht zu retten. Zwar ist sie unbestreitbar die Meisterin der 180-Grad-Wende. Doch selbst wenn sie nach der Bundestagswahl die FDP los sein sollte, könnte sie die erforderliche Wende in der Europolitik nicht stemmen. Dafür wären mittlerweile auch die Widerstände in der CSU und in der CDU selbst zu groß. Jetzt stellen Sie sich bitte nur einmal vor, ich hätte gleich zu Beginn dieses Kommentars die Wahl am 22. September als Schicksalswahl bezeichnet...  


Werner Jurga, 08.04.2013