Hochhaus "in den Peschen"


Power off „In den Peschen“: 

Barisic gibt Power


Mittwoch, 11. Juni 2014. Der Fall scheint ziemlich klar. Er ereignete sich gestern in den mittlerweile bundesweit wie international bekannten Hochhäusern „in den Peschen“ in Duisburg, Stadtbezirk Rheinhausen, Ortsteil Bergheim. Berichte über den Vorgang finden sich auf der Westen und bei RP Online; die WDR-Lokalzeit hat einen kurzen Beitrag dazu gesendet. Alles scheint unstreitig zu sein: die NRZ, die Rheinische Post und auch der WDR stellen das Ereignis mehr oder weniger identisch dar. „Vermieter dreht Duisburger Problemhäusern Strom und Gas ab“, so die Überschrift in der NRZ / WAZ. Und damit das auch reibungslos über die Bühne gehen konnte, hat die Staatsgewalt schön aufgepasst. Die RP titelt: „Polizisten sichern Einsatz der Stadtwerke am Problemhaus“. Auch die Akteure sind sich im Grunde einig gewesen: der Vermieter, die Stadtwerke, die Polizei. Eigentlich alles klar...  


Gut, die Bewohner der Häuser, die man sich „Problemhäuser“ zu nennen angewöhnt hatte... - okay, die „waren zunächst aufgebracht“. So steht es in der NRZ; denn so hat es der Polizeihauptkommissar erzählt. Später hätten sich aber „die Gemüter beruhigt.“ Wie gesagt: eigentlich alles klar. Dass diese Leute bei so etwas „zunächst aufgebracht“ sind, das liegt auch, denke ich, viel an deren Mentalität. Sie müssen mal bedenken, wo die herkommen! Da läuft das nun einmal so: zunächst ein Riesenpalaver, aber dann „beruhigen sich die Gemüter“ auch wieder. Da sind die völlig anders als wir. Wobei: möglicherweise würde sich unsereins auch zunächst einmal aufregen, wenn ihm Strom und Gas abgestellt würden. Aber wir würden uns so schnell nicht wieder beruhigen! Nicht wegen unserer Mentalität, sondern wegen unseres Charakters. Das ist nämlich ganz schön blöd, wenn die Stadtwerke die Zähler abmontieren.  


Andererseits, ich sage immer: vorher Überlegen! „Es haben wohl einige gemerkt“, glaubt der Herr Vermieter, der bei der Aktion gestern höchstselbst zugegen war und dabei, wie die Polizei sagt, „von vier eigenen Männern begleitet wurde“. Also: die hätten „gemerkt, dass sie hier ohne Miete und Strom zu bezahlen wohnen können.“ Und das - wir leben hier immer noch in Deutschland! - geht natürlich nicht. „Damit ist jetzt Schluss“, frohlockt der Vermieter, „das Wasser ist kalt.“ Das haben die jetzt davon! Selbst schuld. Aber bei diesem Wetter ist das auch kein Beinbruch. Da kann man auch mal kalt duschen oder – wer weiß, was das für Leute sind?! - schnell am Wasserhahn eine kleine Katzenwäsche machen. Unter uns: bei diesen Temperaturen bringt Duschen sowieso nix. Ruck-zuck ist man wieder durchgeschwitzt. Die ganze Aufregung... - im Grunde genommen überflüssig. Aber das ist nun einmal deren Mentalität!  


Wie ist das eigentlich bei Ihnen mit der Dusche? Wird die mit Gas beheizt oder haben Sie so einen ömmeligen Durchlauferhitzer? Sie werden doch nicht noch so einen Kessel, der vorgeheizt werden muss... Nun ja, muss ja jeder selber wissen! Ich weiß auch nicht, wie das bei denen „in den Peschen“ läuft. Gas oder Strom? Egal: „das Wasser ist kalt.“ Und klar: Kochen geht natürlich auch nicht. Gas und Strom abgeschaltet – da bleibt auch die Küche kalt. Bei dieser Affenhitze jetzt ist das, finde ich, auch kein Drama. Man könnte ja auch abends, wenn es sich etwas abgekühlt hat, mal eben kurz bei McDonalds vorbeifahren. Aber auch das muss – wie beim Duschen – letztlich jeder selbst wissen. Wir sind schließlich freie Menschen in der freien Welt. Wir – und die auch. Wer zum Beispiel an den Energiekosten spart, hat dafür dann natürlich mehr Geld für andere kleine Annehmlichkeiten.  


Ehrlich gesagt: ich kann mich auch jedes Jahr über die Rechnung der Stadtwerke aufregen. Aber unsereins lässt sich das ja alles bieten, schluckt das alles runter. Wo habe ich das denn neulich gelesen?! Mut und Bürgerwut und so. Jetzt reicht´s! Alles einfach mal rauslassen. Aber man macht es ja doch nicht. Man zahlt brav seine Rechnungen, und wenn die da oben uns noch so vera...lbern. Das muss man denen ja lassen, diesen Südländern: die haben da einfach eine ganz andere Mentalität. Die zahlen einfach nicht. Auch das ist Freiheit. Jetzt frage ich mich, und das ist, so weit ich es sehe, der einzige Punkt, in dem die sich nicht alle einig sind: Wie viele von denen wohnen eigentlich noch da? Also: wie viele Zuwanderer aus Südosteuropa leben gegenwärtig „in den Peschen“? Der RP zufolge „sollen noch sechs oder sieben (Groß-) Familien (in den Peschen) leben". Das ist auch das Letzte, was ich von dort gehört hatte.  


In der NRZ kommt Barisic zu Wort mit der Bemerkung, dass „er aber wieder mehr Roma in dem Haus angetroffen“ habe, laut seiner Aussage sollen rund 300 Personen zurzeit In den Peschen 3 und 5 leben. Es sei dahingestellt, ob nun alle Roma sind (was ich annehme) oder auch nicht. „Fakt ist, dass nach dem Ausbau der Zähler fast alle Bewohner ohne Energie in den beiden Häusern leben müssen“ (der Westen). Tatsache ist auch, die Menschen verhüten nicht. Und das heißt, dass vor allem Kinder – jeden Alters – von der drakonischen Maßnahme der Stadtwerke betroffen sind. Mindestens 100 oder, wenn wir Barisics Angaben zugrunde legen, weit über 200 Kinder stehen jetzt ohne Gas und Strom da. Sie können nicht duschen, kriegen ihre Wäsche nicht gewaschen, bekommen nichts gekocht. Gestern ist - unter dem Schutz der Polizei - eine Situation entstanden, die eine massenhafte massive Gefährdung von Kindeswohl darstellt.  


Werner Jurga, 11.06.2014




Seitenanfang