Dr. Hans-Lothar Tacke 

Dr. Hans-Lothar Tacke

Mann ohne Ressentiments


Montag, 2. Juni 2014. Dr. Hans-Lothar Tacke ist ein Mann ohne Ressentiments. Das wollte ich nur mal feststellen. Auch wenn ich mir darüber im Klaren sein muss, dass Sie mit dieser bahnbrechenden Erkenntnis möglicherweise gar nichts anfangen können. Sei es, dass Sie Lothar Tacke nicht kennen. Sei es, dass Sie nicht so genau wissen, was Ressentiments sind. Das kann alles vorkommen, wobei... - Herrn Tacke nicht zu kennen, ist keine Schande. Das ging mir bis vorgestern auch so. Aber! Nicht zu wissen, was Ressentiments sind. Ehrlich gesagt: das geht nicht. Ressentiments – die kennt man einfach. Nicht, dass man unbedingt welche haben sollte. Doch es wäre ganz gut, wenn man – wenigstens so in etwa – wüsste, worum es sich bei diesen Biestern handelt. Ich will ja nicht angeben; aber... - nun ja, ich benutze dieses Wort sogar mitunter.

Ressentiments – tja, wie soll ich Ihnen das jetzt bloß erklären?! - Am besten mit einem Beispiel. Dieses hier habe ich gefunden auf der Internet-Seite „Neues Wort“. Achtung! „Ich habe sehr unter der Wirtschaftskrise gelitten. Man konnte ja kaum aus seinem Porsche aussteigen, ohne den offensichtlichen Ressentiments der Passanten ausgesetzt zu sein.“ So, jetzt lassen Sie sich mal nicht von den Reizwörtern „Wirtschaftskrise“ oder „Porsche“ ablenken! Uns geht es hier nämlich um das Ressentiment, oder – genauer gesagt, weil der Begriff häufig im Plural verwendet wird: um die Ressentiments. Wie wir an diesem Beispiel sehen konnten, handelt es sich bei Ressentiments beispielsweise um Neid. Warum, so könnten Sie fragen, steht da dann nicht Neid? Na, weil ein Porschefahrer sich halt nicht so popelig ausdrücken will.  


Ich muss Sie allerdings darauf aufmerksam machen, dass der Begriff „Ressentiment“ oder „Ressentiments“ keineswegs nur für die Untugend des Neides steht. Er kann auch so etwas bedeuten wie Feindseligkeit, Vorurteil oder Voreingenommenheit, wie wir im Woxikon erfahren. Oder eben auch, wie der open Thesaurus noch hinzuzufügen wüsste: Befangenheit und Vorbehalt. Und alles Andere auch noch, Vorurteil usw. Was lernt uns das? Na, dass die nun einmal nichts taugen, diese Ressentiments. Und dass, wenn Sie trotzdem welche haben, Sie genau genommen eine Macke haben. Denn: „Dem Ressentiment liegt regelmäßig das Gefühl dauernder Ohnmacht gegenüber erlittener Ungerechtigkeit und Niederlage oder persönlichen Zurückgesetztseins zugrunde.“ Jawohl, so steht das bei Wikipedia!  


Ressentiment ist nämlich ein Lehnwort aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „heimlicher Groll“. So steht es übrigens auch, falls Ihnen Wikipedia nicht fein genug sein sollte, im Großen Brockhaus. Dort wird auch noch das französische Verb „ressentir“ erwähnt, was auf Deutsch so viel heißt wie „lebhaft empfinden“. Und dann, wir sind bei der Definition von Ressentiment im Großen Brockhaus: „Aufgrund von Gefühlen, bestimmten Erfahrungen oder Vorurteilen negativ besetzte Einstellung gegenüber einer Person, einer Gruppe oder einem Sachverhalt, die sich in einem abweisenden Verhalten ausdrücken kann...“ - und jetzt kommt´s! Schön aufpassen! Achtung: „ohne dass dies dem Träger des R. (also des Ressentiments, W.J.) zu Bewusstsein kommt. Siehe auch: Vorurteil.“ Ich sag´s doch: Macke!  


Sollten Sie also „Träger eines Ressentiments“ sein, dann würde ich aber an Ihrer Stelle echt mal zum Arzt gehen. Logisch, das klingt ja auch schon so – wie „Träger eines Virus´“. Nur damit wir uns recht verstehen: wenn Sie ein Träger sind, dann bedeutet das soviel wie, dass Sie einen haben. Einen Virus oder ein Ressentiment, das ist ganz egal. Letztes Beispiel, von der Webseite „Neues Wort“ - was nun an dem Wort Ressentiment so furchtbar neu sein soll, kann ich Ihnen leider auch nicht sagen, aber egal: „Hat jemand Ressentiments gegenüber einer Sache oder einer Person beziehungsweise Personengruppe, so verspürt er eine unterschwellige, manchmal auch unbewusste Abneigung. Diese Abneigung hat ihren Ursprung meist in Vorurteilen, Neid, Unterlegenheitsgefühlen oder Ähnlichem.“ Sprich: in einer Macke.  


So, das muss jetzt aber wirklich reichen! Wenn Sie jetzt noch nicht begriffen haben, dass Ressentiments schlecht sind, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen. Also, Sie wissen Bescheid: Ressentiments – Finger davon lassen! So wie zum Beispiel der Herr Doktor Hans-Lothar Tacke. Ach so, den kennen Sie ja nicht. Wie gesagt, kein Problem, ich kannte ihn ja auch nicht. Jetzt aber hatte ich in der Zeitung gelesen, dass Tacke jemand ist, der eigenen Angaben zufolge „keine Ressentiments“ hat. Diplom-Biologe Tacke ist nämlich nicht nur ein Biologe an der Universität Duisburg-Essen, sondern in seiner Freizeit auch noch ein Kommunal-politiker in der Bezirksvertretung Duisburg-Mitte. Und die wurde freilich bei der Kommunalwahl am letzten Sonntag ebenfalls neu gewählt. Die CDU hatte auch hier verloren, die SPD ein bisschen gewonnen.  


Fabienne Piepiora von der Duisburger WAZ wollte am Wahlabend von Herrn Dr. Hans-Lothar Tacke wissen, mit welcher anderen Partei bzw. mit welchen anderen Parteien die SPD in Duisburg-Mitte denn in Zukunft zusammenarbeiten wolle. Denn die SPD wurde zwar mit 35,4 % stärkste Kraft im Stadtbezirk; aber klar: das ist noch keine Mehrheit. Sechs von 17 Sitzen; da braucht man noch einen oder mehrere Partner. Deshalb hat Frau Piepiora gefragt, und Herr Tacke hat ihr geantwortet: Lothar Tacke ist, sorry: war nämlich bislang Fraktionsvorsitzender in der Bezirksvertretung Duisburg-Mitte. „Der Wählerwille muss entsprechend repräsentiert werden“, sprach Tacke, was mir einerseits sehr einleuchtet, anderseits auch irgendwie überhaupt nicht. Denn das Wahlergebnis - sprich: in diesem Fall die Bezirksvertretung - repräsentiert doch schon den Wählerwillen.  


Aber gut, wenn sich darum Lothar Tacke auch noch kümmern will... - sollte es mir eigentlich recht sein. Uneigentlich aber wiederum nicht, denn er fährt gegenüber Frau Piepiora fort mit der Präzisierung, wie er sich dieses Kümmern so vorstellt. Wörtlich: „Ich habe da keine Ressentiments, auch nicht gegenüber der AfD.“ Und das ist, selbst für einen Biologen, schon eine gewisse Leistung. Die AfD ist nämlich, wie der SPD-Vorsitzende Gabriel kürzlich noch in aller Ausführlichkeit dargelegt hatte, „ideologisch verblendet und gerade das macht sie so gefährlich“. Gut, das weiß im Grunde jeder. Aber darauf dann so abgehärtet reagieren zu können, dass man sich nicht einmal diese – wie beschrieben – nicht ganz ungefährlichen Ressentiments zuzieht – alle Achtung! Biologe müsste man sein!  


Werner Jurga, 02.06.2014







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