Zum Kommunalwahlergebnis in Duisburg

Meine lieben christdemokratischen Freunde


Montag, 26. Mai 2014. Ich weiß, ich weiß. Schön ist es nicht. Wenn man sich noch nicht so richtig von einer krachenden Wahlniederlage erholt hat, und es sich der politische Gegner nicht nehmen lässt, von ganz oben, von Wolke Sieben herab seine Krokodilstränen auf die eigenen Wunden und die der Freunde zu lassen. Wie oft hatte ich in den 1980er und 90er Jahren Helmut Kohl im Fernsehen erleben dürfen, wie er – rhetorisch unbegabt, wie immer, aber sichtlich und hörbar schwerstens betroffen – das katastrophale Abschneiden der Sozialdemokraten beklagte und die unverzichtbare Bedeutung einer starken Opposition in der Demokratie im allgemeinen und die der SPD im besonderen herausstellte. Wie gesagt: schön war es nicht.  


Solltet Ihr, meine lieben christdemokratischen Freunde, also annehmen, ich wolle für dieses längst verjährte Kohl-Gesäusel jetzt Rache nehmen, darf ich Euch sagen, dass Ihr damit gewiss falsch läget. Die Sache ist nämlich die: wir brauchen Euch echt! Mit „wir“ meine ich dabei weniger die SPD als Duisburg insgesamt. Und wir brauchen Euch schon gar nicht für eine „Große Koalition“ im Stadtrat. Um Himmels Willen! Ihr, meine lieben Schwarzen, seid nämlich die eindeutigen Wahlverlierer. Deshalb gehört Ihr in die Opposition, und genau da brauchen wir Euch. Euch dürfte ja nicht entgangen sein, dass im neuen Stadtrat 8 (in Worten: acht) Leute sitzen werden, die auf jeden Fall Opposition bzw. das, was sie dafür halten, machen werden.  


Acht Rechte, das muss man sich nur mal vorstellen! Ein mehr oder weniger offen bekennender Nazi von der NPD, vier Rechtsextremisten von pro NRW, und was die drei „Rechtspopulisten“ von der AfD betrifft: zwei von denen hatte ich in einem Facebook-Forum „kennenlernen“ dürfen. Gruselig. Grundstudium, Einführungs-vorlesung: „Grundzüge faschistischer Ideologie, Teil 1“. Auf Facebook hatte ich mich gefragt, ob denen eigentlich selbst überhaupt klar ist, was sie da so von sich geben. Heute lese ich in der Lokalpresse, dass sie auf jeden Fall mit pro NRW und NPD reden wollen. Keine Fragen mehr. Sechs lange Jahre wird das jetzt so gehen, dass diese acht Typen im Stadtrat dabei sind.  


Sechs Jahre, also bis 2020. Bis dahin kann eine Menge passieren. Was meint Ihr? Ob im Jahr 2020 Eure Mutti, unser aller Merkels Angela, noch am Start ist? Eher nicht. Doch wenn es so weit ist und sie geht, dann wird es doch in Eurem Laden krachen, bis die Schwarte kracht. Glaube ich, muss aber nicht. Und sicher, bis zur nächsten Kommunalwahl kommt erst noch eine Landtagswahl und eine Bundestagswahl. Ich schätze mal, dass es da ein Ideechen besser für Euch aussehen dürfte. Nur: da könnt Ihr Euch, wenn ich das mal so salopp formulieren darf, nichts für kaufen. Gut, der Mahlberg, der schon. Das wurde aber auch wirklich einmal Zeit, dass der endlich versorgt ist. Von dem abgesehen, seid Ihr aber alle weg vom Fenster.  


Nun kann ich Euch, meine lieben schwarzen Freunde, den Vorwurf nicht ersparen, dass Ihr selbst an dem verheerenden Kommunalwahlergebnis nicht ganz unschuldig seid. Dieses Wahlplakat mit dem Müllberg vor den Häusern in den Peschen! „Missstände beseitigen“ - echt Leute! Erstens widerlich, zweitens ein Schuss ins eigene Knie. Eure Kameraden von der CSU in Bayern waren genauso... - sagen wir mal: unklug. Das hätte ich Euch gleich sagen können, dass so etwas nicht gut gehen kann. Nun ja, dass es für Euch so dicke kommt, hatte auch ich nicht geahnt. Fast schon entschuldigend schrieb ich: „Es ist keine Missgunst, wenn ich für die Kommunalwahl mal auf 27 % tippe.“ Nun sind es nochmal zwei Punkte weniger geworden.  


Das ist für uns eine Katastrophe, mit so einem Einbruch hat keiner gerechnet“, sagt ausgerechnet der Mahlberg. Er weiß zwar auch nicht so genau, woran es liegt; aber, so berichtet die WAZ, “Zweifel an den CDU-Themen im Wahlkampf, wie etwa die Zuwanderung, hat Mahlberg nicht: Darüber werde schließlich von den Menschen gesprochen.“ An mir kann es ja nicht liegen. So denkt auch Euer Fraktionsvorsitzender, der das Wahlergebnis freilich auch „mehr als enttäuschend“ findet. Doch Enzweiler hat immerhin eine Erklärung, woran es gelegen habe: „Man habe vor Ort unter der Zusammenlegung von Europa- und Kommunalwahl zu leiden gehabt.“ Na klar, logisch: das wird es wohl gewesen sein.  


Komisch nur, dass die CDU in Duisburg bei der Europawahl, wenn auch nur ein Fitzelchen, besser abgeschnitten hat als bei der Kommunalwahl. Na klar, man kann sich unter dem frischen Eindruck einer krachenden Wahlniederlage irren. Dass man sich jedoch dergestalt irrt, dass man die Verantwortung nicht selbst übernimmt, sondern stattdessen „höheren Mächten“ zuschanzt... - ja, das ist bei uns auch schon vorgekommen. Liebe Leute, lasst Euch sagen! Das hatte nichts gebracht. Jedenfalls nichts der Partei. Über kurz oder lang muss das alles sowieso aufgearbeitet, also nachgeholt werden. Ihr müsst es tun – um Eurer selbst willen. Wir brauchen Euch, nicht pulverisiert, sondern halbwegs gesund – um der Demokratie Willen.   


Und jetzt, meine lieben christdemokratischen Freunde? Was werdet Ihr jetzt mit Eurem Homberger Ortsvorsitzenden machen? Der hat gestern Abend gesagt: „Das ist eine richtige Klatsche. Da brauchen wir gar nicht drumherum zu reden.“ Na gut, das sagen Alle. Hinzugefügt hat er: „Die CDU hat in Gesamt-Duisburg verloren.“ Die Homberger Variante des „An mir kann es nicht liegen“? Egal, kann er auch machen. Aber dann! Dann sagt dieser Smejkal: „Die Kreispartei sollte sich personell und inhaltlich neu aufstellen. Wir erreichen den Bürger nicht mehr.“ Damit hat er offensichtlich Recht. Leute, glaubt mir: ich kenne diesen Mann nicht. Ich heuchle mir auch keinen Kohl zusammen. Ich will nur, dass Ihr oppositionsfähig werdet. Ihr wisst schon: wegen dieser Rechtsradikalen.  


Werner Jurga, 26.05.2014





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