Jahreschart der Entwicklung des Goldpreises in US-Dollar

Geld oder Gold oder so

29. September. Geld, Geld, Geld. Ständig dreht sich Alles nur ums liebe Geld. Ums vermeintlich liebe Geld, müsste man sagen. Geld – jetzt einmal im Ernst: was bitteschön soll daran denn so lieb sein?! Geld … - ein Fetisch ist es, hat auch schon der olle Marx gesagt! Das Kapital, Band 1, Kapitel 2.2 (MEW 23, 102-160), hier: der Fetischcharakter des Geldes. Dort erklärte der Altmeister genau, woher sie kommt, diese „Magie des Geldes“.

Nein, nein. Wir brauchen wieder Werte! Das hat jetzt allerdings nicht Karl Marx gesagt. Das sage ich, und zwar schon seit mindestens dreieinhalb Jahren. „Wir brauchen wieder Werte“ hatte ich schon damals messerscharf erkannt; „denn Geld ist nicht alles.“ Und klipp und klar hatte ich Sie wissen lassen, an welche Werte ich dabei gedacht hatte: „Wir brauchen außerdem: Aktien, Festverzinsliche, Immobilien, Gold, Schmuck ... und alle möglichen Fonds. Am besten eine seriöse Vermögensverwaltung.“

Geld, ich bitte Sie! An welches Geld hatten Sie denn da jetzt zum Beispiel gedacht?! Etwa an den Euro? Sie merken selbst, dass Sie gerade dabei sind, sich lächerlich zu machen. Oder an den Dollar? Dürfte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass die Amerikaner noch weitaus verschuldeter sind als die Europäer. Mit Japan muss ich wohl erst gar nicht kommen. Der Yen, eigentlich gar kein schlechtes Geld. Allerdings mehr zum Nichthaben als zum Haben. Wenn Sie Schulden machen wollen, okay, dann machen Sie die in Yen.

Aber immer nur Schulden – wem sage ich das?! – auf die Dauer ist das ja auch nicht das Richtige. Was also tun, wenn Sie ein bisschen Was sparen wollen? In Geld Anlegen scheidet also schon einmal aus. Logisch ist das; jeder muss das einsehen! Aktien? Na, wenn Sie da nicht selbst wissen, dass das ein Risiko ist! Lesen Sie mal, was heute in der führenden deutschen Finanzzeitung stand:

„Im Handelsverlauf der vergangenen 30 Börsentage ist der DAX zunächst um neun Prozent gefallen, dann um acht Prozent gestiegen, dann um sechs Prozent zurückgegangen, dann um neun Prozent geklettert, dann um zwölf Prozent geplumpst, dann um sechs Prozent hochgegangen, dann um neun Prozent gepurzelt, dann um 14 Prozent gesprungen, dann um fünf Prozent abgerutscht, dann um vier Prozent emporgeklommen, dann um elf Prozent gesackt, dann um 14 Prozent nach oben geschossen.“

Wenn Sie der Typ für so etwas sind, meinetwegen. Dann fahren Sie mal schön Achterbahn. Alte Börsenweisheit: Aktienbesitzer können gut essen, Rentenbesitzer können gut schlafen. Ja, „Renten“ – Sie wissen schon: Staatsanleihen. „Sichere Häfen“ – ja, so wurden sie einst genannt, die Staatsanleihen.

Schön wäre, Sie kaufen zuerst einmal griechische. Sonst sind Sie einer der Spekulanten, die auf die Pleite Griechenlands wetten. Das wollen Sie doch nicht, oder? Dann noch ein paar portugiesische und spanische, italienische und irische. Am besten Sie kaufen gleich einen ganzen Rentenfonds, erhältlich bei allen Banken und Sparkassen.

Oder doch lieber Immobilien? Ach Du lieber Himmel! Erstens handeln Sie sich einen ganzen Haufen Ärger mit den Mietern ein, und zweitens: womit hat denn die ganze Malaise angefangen? Richtig: mit einer Immobilienblase. Zwar in Amerika; aber Sie wissen ja: so etwas schwappt auf die Dauer alles zu uns herüber. Also: die Finger davon lassen!

Alles irgendwie Mist. Die Leute haben schon Recht. Wissen Sie, was wirklich nachhaltig ist? Wertbeständig zu allen Zeiten? Genau: Gold. Gold – diese Faszination der Ewigkeit. Ein Geschenk Gottes, wie man seit Neuestem weiß. Denn eigentlich dürfte es Gold oder Platin auf der Erde gar nicht geben. Doch seit Anfang dieses Monats ist auch dieses himmlische Mysterium entschlüsselt: „Die Edelmetalle kamen aus dem All“.

„Britische Forscher haben Hinweise dafür gefunden, dass ein Schwall von Meteoriten vor knapp vier Milliarden Jahren auf die Erde niederging und diese Metalle mitbrachte“ (FTD). „Geochemiker Matthias Willbold (Bristol) und seine Kollegen haben jetzt Gesteinsproben aus Grönland untersucht, die noch aus einer Zeit vor dem mutmaßlichen Bombardement stammen“ (Focus).

Faszinierend! Und was sagt Herr Willbold, der Forschungsleiter, dazu? "Unsere Arbeit zeigt, dass die meisten Edelmetalle, auf denen unsere Wirtschaft basiert, durch einen glücklichen Umstand auf den Planeten kamen", sagt Willbold. "Nämlich dadurch, dass die Erde von rund 20 Trillionen Tonnen Sternenmaterial getroffen wurde" (Süddeutsche). Gott ist groß, Gold fast noch größer.

„Diese Dinge, Gold und Silber, wie sie aus den Eingeweiden der Erde herauskommen, sind zugleich die unmittelbare Inkarnation aller menschlichen Arbeit. Daher die Magie des Geldes.“ Das also ist nicht nur unappetitlich, sondern auch falsch. Gold ist eben nicht „aus den Eingeweiden der Erde herausgekommen“, sondern Meteoriten ließen Edelmetalle auf die Erde regnen, ein früher Goldregen aus dem All. Hier irrte Marx. Nun ja, der hatte ja auch nicht an Gott geglaubt. Das kommt davon.

Also: Gold. Ich würde sagen, damit können Sie nichts falsch machen. Lassen Sie sich nicht davon nervös machen, dass der Preis des Goldes innerhalb von vier Tagen um rund 15 Prozent gefallen ist! Denken Sie nachhaltig, an das wirklich Ewige! Schauen Sie, Jim O'Neill, der Chef der Kapitalanlage bei Goldman Sachs, sagt: "Ich war noch nie wirklich von dem Gedanken überzeugt, dass es einen ewig gültigen sicheren Hafen gibt.“

Goldman Sachs! Mehr muss ich ja wohl nicht sagen. Nee, wirkliche Sicherheit bietet nur Gold. Ehe einem diese Investmentbanker oder Griechen alles klauen.

Werner Jurga, 29.12.2011