Großplakat mit Josef Krings und Sören Link


Gefahren ohne Führerschein

Solidarität mit Josef Krings!



Mittwoch, 14. Mai 2014. Alt-Oberbürgermeister Krings ist in Schwierigkeiten. Wie gestern Abend bekannt wurde, ist er im ersten Quartal dieses Jahres zweimal der Polizei beim Fahren ohne Führerschein aufgefallen. Der mittlerweile 87-jährige 
Josef Krings war 22 Jahre lang, nämlich von 1975 bis 1997, Oberbürgermeister der Stadt Duisburg. In diese Zeit fiel bspw. auch die mehrjährige Auseinandersetzung um die Schließung des Krupp-Stahlwerkes in Duisburg-Rheinhausen. Josef Krings hatte sich schnell und vorbehaltlos hinter die Stahlarbeiter und die Rheinhauser Bevölkerung gestellt und spätestens hiermit größtes Ansehen in der Stadt Duisburg und weit darüber hinaus erworben. Menschen, die nicht in Duisburg, oder sagen wir mal: nicht im Ruhrgebiet leben, dürfte die Wertschätzung für Krings und der Stellenwert, den Krings für diese Stadt hat, vermutlich nur schwerlich zu vermitteln sein. Oliver Schmeer, der Redaktionsleiter der Duisburger WAZ, beschreibt ihn als „über die SPD-Parteigrenzen geschätzt, der sich gerade in den letzten Jahren als Mahner und moralische Instanz geäußert hatte“.  


Es wäre etwas zu viel gesagt, dass ich Josef Krings persönlich kenne. Aber klar, man kennt sich. Und Josef Krings kenne ich schon sehr, sehr lange. Deshalb erlaube ich mir das Urteil, dass Krings völlig zu Recht dieser überaus hohe Respekt entgegengebracht wird. Ich habe nur wenige, ganz wenige Menschen kennengelernt, die ein solches Maß an moralischer Integrität verkörpern wie er. Die Aura, die ihn umgibt – oder muss man jetzt sagen: „umgab“? -, resultiert aus der allgemeinen Anerkennung für seine Person und seines – niemals überheblichen, sondern von Verantwortung bestimmten – Wissens darum. Sie ist Ausdruck des Verhältnisses zwischen den Menschen und ihm. In gewisser Weise konnte Josef die Sehnsucht der Menschen nach „Heiligem“ bedienen. Doch es gibt natürlich keine Heiligen. Auch Josef Krings nicht. Wer dies bis gestern Abend verdrängt hatte, weil er es verdrängen wollte, ist eines Besseren belehrt worden. Josef Krings hat Mist gebaut. Punkt. Der Startschuss zum öffentlichen Scherbengericht ist gefallen. Jede und jeder wird in den nächsten Tagen seinen Senf dazu geben.  


Das kann gar nicht anders sein. Auch diese meine Bemerkungen sind schließlich nichts anderes als das Bemühen, nicht in Sprachlosigkeit zu verfallen angesichts einer Nachricht, die... - ja, was hat es eigentlich mit ihr auf sich? Warum hat sie dieses Potenzial zu schocken? Weil es so gefährlich ist, wenn ein 87-Jähriger ein Auto steuert? Nein, das kann eigentlich nicht sein. Erstens weil viele betagte Menschen noch Auto fahren, und zweitens hat Krings den Führerschein im Grunde freiwillig zurückgegeben. Nachdem er im Juni 2013 eine Straßenlaterne gerammt hatte. Wer weiß, ob es in Wahlkampfzeiten so weit gehen wird, dass man ihm gleichsam eine betrügerische Absicht bei der Rückgabe der Fahrerlaubnis unterstellen wird? Nach dem Motto: was ich nicht mehr habe, kann mir nicht weggenommen werden. Da sich Krings an prominenter Stelle dem SPD-Wahlkampf zur Verfügung gestellt hat (siehe das Artikelbild), muss mit allem gerechnet werden. Dieser Vorwurf wäre gewiss ungerechtfertigt und ungerecht. Warum jedoch Josef Krings tatsächlich ohne Führerschein gefahren ist, kann auch ich Ihnen nicht sagen.  


Jedenfalls scheint Josef selbst gesetzten Ansprüchen nicht gerecht geworden zu sein. Er selbst und/oder auch Andere werden dies als „eine Dummheit“ bezeichnen, schätze ich. Na sicher, die Taxifahrten zu Wahlkampfveranstaltungen hätte die Partei bezahlen können, und die privaten Touren... - oder man bittet mal einen Genossen. So geht das: ist man erst einmal ein „Denkmal“, ist es bis zum Bittsteller nicht mehr weit. Als „Denkmal“ bezeichnet die Bildzeitung Josef Krings. Nicht ganz zu Unrecht, hätte sie nicht diesen Bild-typischen, denunziatorischen Unterton. Um genau zu sein: „SPD-Denkmal“ schreibt die Bild. Mit dieser Einschränkung hat das Blatt aber ganz gewiss Unrecht; denn Krings´ Ruf war, wie gesagt, über alle Parteigrenzen hinweg unangefochten. Ob sich dies jetzt ändern wird? Wer weiß? Aber klar: Josefs weiße Weste hat Flecken abbekommen. Am „Denkmal“ werden Kratzer zurückbleiben. Dass die ganze Sache anderthalb Wochen vor dem Kommunalwahltermin publik wird, ist nun einmal so. Keine böse Absicht, allerdings angesichts Krings´ Verhalten auch kein Zufall.  


Sollte sich herausstellen, dass die Vorwürfe berechtigt sind“, hat Partei-Geschäftsführer Jörg Lorenz der Bildzeitung erklärt, „wäre das für unsere Kampagne nicht schön, aber...“, würde ich jetzt hinzufügen, auch kein Drama. Man wird auch nach der Wahl nicht feststellen können, ob und wenn ja wie viele Prozentpunkte dies die SPD gekostet hat. Ich gehe davon aus, dass die SPD die Kommunalwahl gewinnen wird. Jedenfalls: die großen Plakattafeln mit Sören Link und Josef Krings bleiben stehen. Lorenz´ Erklärungen dafür unterscheiden sich allerdings in den beiden Zeitungsartikeln. Der Bild habe er gesagt, dies sei „in der kurzen Zeit bis zur Wahl nicht mehr zu ändern“. Die WAZ zitiert den Parteimanager mit: „Das spielt für uns keine Rolle. Wir lassen die Plakattafeln mit Krings stehen. Er ist eine anerkannte Persönlichkeit.“ Ganz gewiss stimmt beides. Wichtiger ist aber das von der WAZ Zitierte. Josef Krings ist und bleibt eine „anerkannte Persönlichkeit“. Es wäre doch auch geradezu grotesk, die Plakate abzuhängen oder zu überkleben. Das wäre mir peinlich!  


Mir wäre es peinlich, jemanden hängen zu lassen, weil er sich etwas hat zu Schulden kommen lassen. Sozialdemokraten sind solidarisch, zumal mit Josef Krings, zumal angesichts der Verdienste, die er sich erworben hat. Außerdem: Solidarität muss man sich nicht erst „verdienen“; Solidarität ist ein Grundwert dieser Partei. Sie gilt grundsätzlich – jedenfalls so lange es sich nicht um eine „Einbahnstraße“ handelt. Davon kann bei Josef Krings nun wirklich keine Rede sein. Mir ist bewusst, dass beim Thema Solidarität mit Partei-“Prominenten“ der Verdacht der Kumpanei nicht fern liegt. Namen wie Sauerland oder Hoeneß mögen in den Sinn kommen. Nun, einmal ganz abgesehen von der prinzipiellen Andersartigkeit dieser Fälle und den völlig unterschiedlichen Dimensionen: ich plädiere eben nicht dafür zu leugnen, zu verbiegen, zu tabuisieren, zu verharmlosen und was einem sonst noch alles an Abwehrmechanismen begegnet ist. Ich plädiere einfach nur für Solidarität mit Josef Krings.  


Dieses Plädoyer richtet sich im übrigen nicht nur an meine sozialdemokratischen Genossen, sondern an alle Duisburger, die sich in den letzten Jahren anerkennend über Josef Krings geäußert haben. Und was die Kommunalwahl betrifft: es mag sein, dass es einige gibt, die fest vorhatten, SPD zu wählen, davon jetzt aber Abstand nehmen. Aus Enttäuschung oder in der Absicht abzustrafen. Beides wäre unpolitisch; für die erste Reaktion hätte ich dennoch Verständnis, für die zweite nicht. Es ist nämlich unumstritten, dass niemand ohne Führerschein Auto fahren darf. Josef Krings wäre der Letzte, der sich selbst gleichsam über der Rechts-ordnung stehend gesehen hätte. Er hat Mist gebaut. Oliver Schmeer schreibt, dass Krings „am Dienstag nicht zu erreichen war“. Ich weiß natürlich nicht, ob Josef nur für die Presse oder für Alle nicht zu sprechen war. Ich hoffe, dass er nicht allein war. Ich weiß, dass er in jedem Fall ziemlich allein war. Er dürfte sich Vorwürfe gemacht haben, und wenn er mit Freunden sprechen konnte und wollte, dürften die ihm Vorwürfe gemacht haben. Zu Recht. Solidarität mit Josef Krings!  


Werner Jurga, 14.05.2014



Stellungnahme von Josef Krings: "Ich habe einen Fehler gemacht"



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