Freistaaten Bayern 
und Sachsen (vereint)


Von der Ukraine lernen, heißt Siegen lernen

Modell Ukraine



Sonntag, 11. Mai 2014. Freiheit und Demokratie – Ideen, die die Welt erobern. Niemand hält das auf! Freiheit, das heißt auch und gerade: persönliche Freiheit, individuelle Freiheit, wirtschaftliche Freiheit. Demokratie, das heißt auch und gerade: direkte Demokratie, Volksdemokratie, Plebiszite. Alle vier oder fünf Jahre mal ein Kreuzchen machen, also: die eigene Stimme 
abgeben, das kann es doch nicht sein! Irgendwelche Politiker und Bürokraten fernab der Heimat bestimmen dann über unser Schicksal, und wir haben die Schnauze zu halten. Bis zur nächsten Wahl – Bundestagswahl oder, wie jetzt in zwei Wochen, Europawahl. Martin Schulz oder Jean-Claude Juncker – ehrlich, Leute! Ich kann damit überhaupt nichts mehr anfangen. Ich fühle mich durch dieses Theater überhaupt nicht (mehr) vertreten, berücksichtigt, ernst genommen. Wenn diese hohen Herrschaften uns doch mal fragen würden, wie es laufen müsste! Dann, ja dann...  


Okay, ich sehe es ein: sowas lässt sich natürlich international nicht organisieren. Logisch. Zum Beispiel die Europäische Union. 28 Mitgliedsstaaten, mehr als 500 Millionen Einwohner. Stellen Sie sich das doch bloß einmal vor! Demokratie würde ja bedeuten, dass alle etwas zu sagen haben. Bei mehr als einer halben Milliarde Menschen! Wie soll so etwas gehen?! Unmöglich. In der EU kann so etwas gar nicht gehen. Das ist klar. Aber jetzt nehmen Sie mal Deutschland! Glauben Sie im Ernst, dass das, wenn wir „nur“ über 80 Millionen Einwohner reden, besser funktionieren könnte?! Oder überhaupt funktionieren würde? Sechzehn Länder, mehr als achtzig Millionen Bürgern – und die sollen alle etwas zu sagen haben? Demokratie, ich bitte Sie! Demokratie – das ist völlig klar – kann nur funktionieren, wenn wir es mit deutlich weniger Leuten zu tun haben, und – das ist ganz wichtig – mit Leuten, die wenigstens halbwegs ähnlich ticken.  


Wenn wir es wirklich ernst mit der Demokratie meinen, müssen wir einsehen: sie kann nur funktionieren mit einer überschaubaren Zahl an Menschen, die von ihrer ganzen Mentalität her auf einer Wellenlänge funken. Kurz und einfach ausgedrückt: Demokratie geht nicht international, Demokratie geht nur regional. So, und was dies betrifft, läuft heute – ja: heute – ein äußerst interessantes Experiment in der Ukraine. Davon haben Sie doch bestimmt gehört. Heute finden im Osten der Ukraine Volksabstimmungen statt. In zwei Oblasten – so heißen bei denen die Provinzen; bei uns: Bundesländer – darf das Volk direkt darüber entscheiden, ob man weiter zur Ukraine gehören möchte, oder ob man in seiner eigenen Volksrepublik leben möchte. Dazu sollten Sie wissen: die Ukraine ist fast doppelt so groß wie Deutschland, flächenmäßig, hat aber nur etwas mehr als die Hälfte der Einwohner der Bundesrepublik. Das sagt ja wohl schon alles!  


Die Leute in diesen Oblasten wohnen alle schon mal mindestens fünfhundert Kilometer weit weg von der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Mindestens! Und Kiew liegt mittendrin; bis nach Lemberg im Westen sind es 1200 Kilometer. Hinzu kommt, die einen sprechen ukrainisch, die anderen russisch. Das kann also sowieso schon mal nicht funktionieren! Kein Wunder, dass die ständig Ärger miteinander haben. Also: die Ukrainer im Westen und die Nicht-mehr-Ukrainer-sein-Wollenden im Osten und im Süden. Nun ja, das muss uns alles nicht interessieren. Jedenfalls hängt, seitdem da diese Revolution in Kiew war, der Haussegen in der Ukraine so richtig schief. Auch egal. Interessant ist, dass die aus dem Osten und dem Süden jetzt aus der Ukraine raus wollen. Nicht alle, aber doch ziemlich viele. Und um genau festzustellen wie viele, lassen die heute abstimmen. Wie gesagt: ob sie in der Ukraine bleiben sollen oder unabhängig werden sollen.  


Scharfe Sache, oder?! Klar, so eine Nummer ist natürlich in jeder Beziehung illegal. Verfassungsbruch und völkerrechtswidrig, keine Frage. Aber Sie müssen auch mal sehen, wie praktisch das ist! Stellen Sie sich doch nur mal vor, bei uns würden der Osten und der Süden auf die Idee kommen, sich von Deutschland abzuspalten. Das wäre doch der Hammer! Ich meine, auf die Idee gekommen sind die bestimmt schon: „Freistaat Sachsen“, „Freistaat Bayern“. Mehr brauche ich ja wohl nicht zu sagen. Letzte Woche hatte auch ein Kamerad von der CSU-Basis vor laufenden Fernsehkameras gesagt, was die meisten überzeugten Bayern sich nicht zu sagen wagen. Aber denken: dass nämlich die Unabhängigkeit des Freistaates das Beste wäre für das bayrische Volk. Zurück zur Frage der Demokratie: lässt sich guten Gewissens von Freiheit und Demokratie sprechen, wenn das Selbstbestimmungsrecht eines Volkes nicht einmal angesprochen werden darf?!  


Das sei nun einmal nicht möglich, erklärte der eloquente Kollege von der CSU resigniert im deutschen Fernsehen. Von der EU gegängelt, in den deutschen Staat gepresst, bleibt ihm nur, meint er, in diesem von ihm als unangenehm empfundenen Rahmen für Bayern und das bayrische Wesen zu kämpfen. Seien wir ehrlich: die Bayern sind ein Volk für sich. Und mit den Sachsen verhält es sich übrigens nicht viel anders. Einmal ganz abgesehen von all den Sorben, die in Sachsen leben. Sorben sind Slawen. Angefangen beim Ministerpräsidenten. Nichts gegen Stanislaw; aber er ist nun einmal kein Deutscher. Jetzt hat er sich mit einer „Generalabrechnung mit Merkels Koalition“ zu Wort gemeldet. Ja Entschuldigung, was soll das denn?! Peter Gauweiler bringt sich als Putinversteher in Stellung. Gut, das macht der Schröder auch; aber bei dem weiß man warum. Eine persönliche dienstliche Sache.  


Das sieht beim Gauweiler aber etwas anders aus; der spricht aus, was die CSU denkt. Ein Wahlprogramm „für Europa“ - gegen alles, was die EU ausmacht. Mit König Horsts Segen. Und „für Bayern“ bedeutet in diesen Kreisen immer „gegen Deutschland“. Das ist ja so weit alles bekannt. Und Sachsen grenzt an Oberschlesien. Alte Weisheit: „Wo Deutschland grenzt an Asien, da liegt Oberschlasien.“ Einmal ganz zu schweigen, von den Unterschieden in der Sprache. Ja sicher, jede Sprache kennt Dialekte und Akzente. Das ist normal. Aber das, was im tiefsten Bayern und im tiefsten Sachsen gesprochen wird... - wollen Sie mir etwa erzählen, dass das normal ist? Oder gar, dass das Deutsch ist?! Wir sollten jetzt aber nicht den Fehler machen und von unserer Seite aus versuchen, all diese Leute loszuwerden. Von der Ukraine lernen, heißt Siegen lernen. Das gilt besonders für uns. Das gilt aber auch für die. Irgendwann kommen die auch allein auf den Trichter.  


Heute diese Referenden im Osten und im Süden der Ukraine. Da müsste es doch eigentlich bei denen klingeln. Ideal wäre es doch, die Sachsen und die Bayern würden ebenfalls Volksabstimmungen durchführen – mit dem Ziel einer Abspaltung von Deutschland. Auch für uns hätte das nur Vorteile: die Bundesliga wäre wieder spannend, die Bundestagswahlen auch, und die Amerikaner würden endlich mal begreifen, dass Deutsche nicht diese Deppen in den Lederhosen sind. Wir könnten denen erklären: diese mit dem Oktoberfest und dem Quatsch, das sind die Bayern. Die Deutschen – das sind wir. So zivilisiert wie die Amis selbst, und obendrein noch mit Kultur. So könnten wir auftreten, wenn wir diese aus dem Osten und aus dem Süden losgeworden sind. Aber da müssen wir erst einmal hinkommen! Deswegen muss ich dringend an Sie appellieren, dass das hier alles unter uns bleibt. Vermasseln Sie die Sache nicht!  


Also, wir können die nicht rausschmeißen. Die müssen von sich aus gehen wollen. Die Ost- und Süddeutschen müssen das genauso machen wie die Ost- und Südukrainer. Volksabstimmungen, Selbstbestimmung und pipapo. Wir sagen dann natürlich – Achtung! Aufgepasst! Das ist ja gerade der ukrainische Trick: „Das dürft Ihr aber gar nicht!“ Verfassung, Völkerrecht und so. Die internationale Krise beginnt. Die Sachsen und die Bayern ziehen „jetzt erst recht“ ihre Separationsreferenden durch. Wir unterstreichen unseren rechtmäßigen Anspruch auf die beiden „Freistaaten“ dadurch, dass wir mit der Bundeswehr dort einmarschieren. Natürlich nicht, um diese beiden in der Tat hübschen, allerdings von Abtrünnigen besiedelten, Länder mit allen Konsequenzen zu besetzen, sondern just for show. Sachsen ist unser! Bayern ist unser! Einfach mal klipp und klar die Positionen markieren. Die Bundeswehr setzt geltendes Recht durch.  


Wette, dass die Muffensausen kriegen! Die werden sich maskieren, wenn die ihre Rathäuser „besetzen“, sowohl die Kämpfer von der Sachsenwehr als auch die von der Bayernmiliz. Überall im Vogtland rennen maskierte grüne Männchen mit Maschinenpistolen durch die Gegend und tun sich ungeheuer wichtig. So Typen von der freiwilligen Feuerwehr, dem örtlichen Rotlichtmilieu und den Schützenvereinen. Wir lassen uns das nicht bieten, rollen mit der Bundeswehr darein, aber, wie gesagt, nichts Ernstes: hier mal zwanzig Tote, da mal fünfzig. Dann ziehen wir uns sofort wieder zurück. Was glauben Sie wohl, was dann los ist?! Der Nato-Generalsekretär am Toben, internationale Krise, OSZE-Verhandlungsdelegationen und das volle Programm. Das Ende vom Lied: wir sind die los. Die freuen sich, „frei“ zu sein. Wir stehen als die Friedlichen, Maßvollen und Kompromissbereiten da. Die als die Schuldigen.  


Deshalb sind wir dann auch nach wie vor die respektierten Mitglieder der internationalen Gemeinschaft, während Sachsen und Bayern zunächst einmal von niemandem anerkannt werden. Das, was wir denen kaputt geschossen haben, werden sie schnell repariert haben. Die Polizei und die Verwaltung wieder aufzubauen, wird schon etwas länger dauern. Und wenn die beiden sich zusammentun wollen, werden sie echt etwas zu tun haben. Wir könnten evtl. unterdessen die Thüringer madig machen. Legen Sie etwa Wert auf Erfurt?! Na egal, zunächst einmal sollten wir genau verfolgen, wie sich die Dinge in der Ukraine entwickeln. Die können wir ja sozusagen als Modell nehmen. Fest steht aber schon jetzt: Demokratie geht nicht international, Demokratie geht nur national. Echte Demokratie, versteht sich. Nur für uns echte Deutsche! Ohne Sachsen und Bayern. Und – natürlich – ohne die EU! Ob mit der oder ohne die Ukraine.  


Werner Jurga, 11.05.2014




Seitenanfang