Gegen die Gier:

Schluss mit der Abzockerei!



Donnerstag, 7. März 2013. „Wir wollen mehr Demokratie wagen“. Es war der 28. Oktober 1969. Willy Brandt, der Vorsitzende der SPD, gab seine erste Regierungserklärung als deutscher Bundeskanzler ab. „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ - es roch nach Neuanfang, nach Aufbruch, nach einem neuen Zeitalter. Lang, lang ist´s her. Jahrzehnte später – Vieles ist erreicht, manche Hoffnung aber auch enttäuscht worden: Willy Brandts Versprechen endlich in die Tat umzusetzen, das ist der Auftrag, der sich einem Vorsitzenden einer linken Partei heutzutage in Deutschland stellt. Und so geschah es. Es war der 4. März 2013. Bernd Riexinger, der Co-Vorsitzende der Partei „Die Linke“, allerdings (noch?) nicht deutscher Bundeskanzler, trat vor die Presse und forderte in einem beeindruckenden Auftritt: „Mehr Schweiz wagen!“ Dazu präsentierte er das entsprechende Plakat seiner Partei.


Bernd Riexinger (rechts); Foto: die Linke

Ach ja, die Schweiz. Demokratisch bis zum Gehtnichtmehr. Sowohl die konkrete Entscheidung als auch die Nutzung des Instruments "Volksentscheid" sollten für Deutschland Vorbildcharakter haben, sagt der Bernd. Die Eidgenossen – allein schon dieser Begriff, Musik in den Ohren eines jeden Sozialisten! - haben nämlich am letzten Sonntag in einem Volksentscheid...- nein, nein, das mit dem Minarettverbot, das war doch schon vor einem Jahr. Die sind jetzt verboten in der Schweiz, die Minarette. Manche waren da überrascht – vor einem Jahr. Weil doch die Schweizer... - okay, ich kann Ihnen auch nicht sagen, was die Überraschten nun so ganz genau von unseren Eidgenossen gedacht hatten. Ich kann Ihnen nur sagen, dass die Leute heute wieder überrascht sind. Weil die Schweizer doch so super-kapitalistisch seien. Und jetzt haben sie in einer Volksabstimmung „gegen die Abzockerei“ für ein „Gesetz gegen Gier“ gestimmt.


Wenn Sie mich fragen: ich halte dieses ganze Überraschtsein für nichts Anderes als ein klares Anzeichen von Ausländerfeindlichkeit. Als wenn die Schweizer, nur weil sie in den Bergen wohnen, ansonsten keine ganz normalen Menschen wären! Eigentlich Menschen wie Du und ich. Okay, die Sprache ist etwas komisch; es sind halt Ausländer. So welche sprechen nun einmal anders. Aber davon abgesehen: sie sind gegen Minarette, sie sind gegen die Gier - ganz normale Menschen also, wenn Sie mich fragen. Mit ganz vernünftigen Ansichten, wie der Genosse Riexinger in Windeseile erkannt hatte. So eine "Volksinitiative gegen die Abzockerei" brauchen wir hier nämlich auch. Von der Schweiz lernen heißt Siegen lernen. Oder eben, schöner als Bernd Riexinger kann man es einfach nicht sagen: „Mehr Schweiz wagen“. Super Idee! Den anderen Parteien blieb nur, ganz schnell nachzuziehen.

Es ist auch wirklich allerhöchste Zeit, dass etwas gegen diese Abzockerei unternommen wird. Was die da oben sich da so an Gehältern einstecken, das ist dem einfachen Arbeiter doch überhaupt nicht mehr zu vermitteln. Und auch vielen Angestellten nicht! Das ist doch schamlos! Das hat doch keinen Anstand. Wo bleibt denn da die Ethik?! Das sind doch alles Abzocker. Zum Beispiel unsere ach so sympathischen Showmaster im Fernsehen. Was die sich so einstecken! Gier pur. Oder „unsere Jungs“, die Fußballspieler. Der Phillip Lahm soll, wie man liest, 10 Millionen Euro bekommen. Okay, nicht pro Monat, sondern nur pro Jahr – aber trotzdem! Und dazu noch 600 Tausend als Siegprämien und 3,6 Millionen „andere Einnahmen“. Bastian Schweinsteiger soll das gleiche Jahresgehalt erhalten und gleich viele Prämien – logisch: die spielen ja auch beim selben Verein. Nur bei den „andere Einnahmen“ will es nicht so.


Kein Wunder! Das mit dem 72-Stunden-Deo war einfach nicht so eine gute Idee vom Schweini. Aber trotzdem! Mir ist das einfach zu viel, was diese Fußball“stars“ so verdienen. Sogar auf Schalke räumt so ein Käskopp ein Grundgehalt von 4,8 Millionen Euro ab – ohne Prämien und „andere Einnahmen“. Da krieg ich einen dicken Hals! Solche Gehälter sind mir nicht mehr zu vermitteln. Das hat jetzt überhaupt nichts mit Neid zu tun. Es ist die berechtigte Sorge, wo so etwas hinführen soll. Schauen Sie sich zum Beispiel einfach mal Spanien an! Überschuldet, fast schon unterm Rettungsschirm, hohe Jugendarbeitslosigkeit – und der Messi räumt 33 Millionen Euro ab. Der Ronaldo sogar 34 Millionen. Das hat doch mit Sport nichts mehr zu tun! Das ist doch alles nur noch Geschäft. Abzockerei eben. Da fehlt der Anstand. Dass die überhaupt Geld annehmen! Die sollten für die Ehre spielen. Für Deutschland zum Beispiel. Wenigstens die Deutschen.


Werner Jurga, 07.03.2013




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