OB Link, die Bildzeitung und ein beknacktes Foto

Auf dem Schulhof


Mittwoch, 20. Februar 2013. Haben Sie das mitgekriegt? Nicht? Die Bildzeitung aber. Die hat jetzt mitgekriegt, dass im Duisburger OB-Wahlkampf… - ja, der ist schon ein bisschen was her. Das weiß ich auch, spielt aber keine Rolle. Solche Dinge verjähren nun einmal nicht. Schon gar nicht, wenn die Bildzeitung Wind davon bekommen hat. Also, passen Sie auf: Sören Link, der heutige Oberbürgermeister, hatte sich im Wahlkampf mit Schülern fotografieren lassen. Auf einem Schulhof. Und dann dieses Foto in der ganzen Stadt groß aufgehängt oder besser: aufhängen lassen. So, und jetzt ist er dran! Denn die Bildzeitung - ich sagte es ja schon - hat das jetzt auch mitgekriegt. Das Tollste an der Geschichte ist nämlich: der durfte das gar nicht, der Sören Link. Ätsch!

Doch, doch, dieses beknackte Foto in der ganzen Stadt aufhängen lassen… - das durfte er schon. Er durfte sich halt nur nicht mit den Schülern knipsen lassen. Das heißt: das hätte er eigentlich auch gedurft. Allerdings: nicht auf dem Schulhof! Wo kämen wir denn da hin, wenn sich jeder… Ich meine, das ist doch klar: auf Schulhöfen darf man keine Parteireklame machen. Wenn das jeder machen würde! Die armen Kinder. So, und jetzt ist - dank der Bildzeitung - herausgekommen, dass das Foto tatsächlich auf einem Schulhof gemacht worden ist. Ich hatte mir so etwas ja schon fast gedacht. Weil man eine Schule im Hintergrund sieht. Allein: die lieben Kids hätten ja vielleicht auch einen, oder sagen wir mal: einen halben Meter vor der Schulhofgrenze stehen können. Hätten sie mal, haben sie aber nicht…

So, und deswegen ist er jetzt dran, der Herr Link. Und auch der Direx. Jawohl, das hat der Thomas Mahlberg selbst gesagt: “Dann kann sich auch der Schulleiter auf Ärger gefasst machen." Sie wissen schon: CDU-Boss Thomas Mahlberg, von Hause aus so eine Art Sonderbeauftragter für die Einhaltung demokratischer Spielregeln. Der, der sich darum kümmern will, dass die Duisburger CDU explodiert. "Wir werden uns jetzt erst einmal intern beraten. Aber es kann gut sein, dass wir das Thema im Stadtrat und im Landtag anschneiden werden.” Hat er auch gesagt, der Thomas Mahlberg. Holla, die Waldfee! Der berät sich jetzt erst einmal, und dann kann es sein, kann aber auch nicht sein… - So Einen wie den Mahlberg möchte man echt nicht zum Feind haben.

Der ist bestimmt fast so gefährlich wie die Bildzeitung. Die hat er jetzt nun einmal gegen sich, also der Sören Link. Und jetzt kommt´s: ich habe nicht die Spur einer Ahnung warum. Sicher, die Kameraden von der Bildzeitung sind von Hause aus nicht so sehr für die SPD. Aber das allein? Um so einen blöden Scheiß hochzuziehen? Wie gesagt: ich weiß es nicht, ich habe keine Ahnung. Aber ich bin Politikwissenschaftler. Und die vornehmste Aufgabe eines Politikwissenschaftlers besteht darin, eine konkrete Prognose abzugeben, obwohl oder gerade weil man keine Ahnung hat. Und hier ist sie: der Sören wird das durchstehen! Basta! Vielleicht mit ein paar blauen Flecken oder gar Beulen; denn erstens ist die Bild nicht irgendwer, und zweitens meinen die es verdammt ernst.

“Benutzte Duisburgs OB Schulkinder...?" Was sind das bloß für Drecksäcke?! Wie gesagt: ich weiß nicht, wie ernst es diesen Brüdern ist. Vielleicht wollen die sich bei der Bild nur etwas nach oben pöbeln, der Christoph und der Fajsz. Egal, als Politikwissenschaftler sage ich Ihnen: letztendlich kein großes Problem für Sören Link. Ich will es mal so formulieren: "Ein Spitzenpolitiker muss Schrammen haben, muss durch Stahlgewitter gegangen sein. Das erdet ihn, das macht ihn menschlicher." Nun gut, das sind nicht, wie Sie vielleicht schon gemerkt haben, meine Worte, sondern die des geschätzten Kollegen Prof. Dr. Gerd Langguth. Und er hat sie jetzt auch nicht in Bezug auf OB Link gesprochen, sondern vor auf den Tag genau zwei Jahren in Bezug auf den damaligen Verteidigungsminister Guttenberg.

Zwei Wochen, nachdem sich Langguth “überzeugt (zeigte), dass Guttenberg durch die Affäre am Ende politisch gestärkt wird”, war er dann aber weg vom Fenster. Der Guttenberg, nicht der Langguth. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und Chef der Konrad-Adenauer-Stiftung steht auch im Rentenalter der Bildzeitung jederzeit zur Verfügung, wenn es heißt, gegen einen Sozi zu hetzen: „Die Schüler sind praktisch von der Schulleitung genötigt worden." Sagt der Politikwissenschaftler Langguth. So etwas weiß der, das spürt der praktisch. “Wer nicht für den Link vor der Kamera rumhampelt, bleibt sitzen”, könnte der Direx praktisch gesagt haben. Dass der Herr Professor seinen schlimmen Verdacht mit dem wissenschaftlichen Fachadverb “praktisch” versehen muss, zeigt, dass er keinen Beleg dafür hat.

Andere mutmaßen, dass die Kids für ihren engagierten Wahlkampf Geld erhalten haben könnten, weil in den “Model-Verträgen” von einem Honorar die Rede war. Nötigung oder “Bestechung” - was macht das schon für einen Unterschied?! Mal sehen, was die Dreckschleudern von Springer und der CDU noch so auf Lager haben. Die Rheinische Post (RP) hat schon einmal signalisiert, sich dieser Kampagne gegebenenfalls anzuschließen. Im ersten Artikel zum Thema ließ sich das Problem, besagtes Link-Plakat nicht schon im Wahlkampf gesehen haben zu wollen oder so, noch umschiffen. Aber kann sich eine ganze Lokalredaktion auf Dauer so tumb präsentieren wie Mahlberg und seine CDU? Okay, die RP kann, wie man weiß. Gut, dass ich nicht weiß, wie teuer dieses beknackte Foto gewesen sein mag, das jetzt diesen ganzen Ärger bereitet!


Werner Jurga, 20.02.2013




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