Collage: Jurga (So sieht sie auch aus)

Hoeneß und Klitschko:

Einfach kein Vergleich!


Mittwoch, 12. März 2014. Also, dieser Uli Hoeneß! Kerl inne Kiste, was für ein Typ! Das ist schon ein echter Teufelskerl, der Hoeneß. Was der anpackt, das wird auch was. Und das wird nicht nur irgendwas, das wird eine richtige Sensation. Aber so kennen wir ihn ja, den Hoeneß. Die, die ihn mögen, nennen ihn „den Uli“ oder „unseren Uli“. Viele mögen ihn nicht so sehr, manche hassen ihn sogar richtiggehend... - aber selbst die müssen zugeben, dass der echt Format hat. Der Hoeneß. Oder der Uli. Wie Sie mögen.  


Sie müssen doch auch zugeben: wie der das hingekriegt hat! Oder ich frage mal so: wer, glauben Sie, hätte denn so etwas sonst hinkriegen sollen?! Mal ehrlich: Sie oder ich sowieso nicht. Klar. Aber würde Ihnen denn irgendjemand von denen da oben einfallen, der das geschafft hätte? Ja, denken Sie mal scharf nach! Lassen Sie sich ruhig Zeit! Und lassen Sie sich nicht dadurch stören, dass ich solange weitermache. Und zwar zunächst einmal mit dem Geständnis, dass mir partout niemand einfällt, der das fertig gebracht hätte.  


Nein, das kann wirklich nur so ein Typ wie der Hoeneß. Und ich habe wirklich lange gegrübelt, bin alle möglichen Promis durchgegangen – aus Sport, aus Politik, aus dem Showbusiness und auch sonst so. Fehlanzeige. So eine Power hat nur der Uli. Also der Hoeneß. Ich will nun gerade nicht behaupten, dass ich ihn mag. Aber ich bin sportlich fair und erkenne an: das macht ihm so schnell keiner nach. Der Klitschko, also der Vitali, das ist der Ältere – keine Frage: der ist auch gar nicht schlecht. Ein echter Kerl!  


Der hat auch etwas vorzuweisen, der Klitschko. Im Sport: Weltmeister. Wie der Hoeneß. Politisch sehr aktiv. Wie gesagt. Engsten Kontakt zu den... - tja, bei denen heißen die: „Oligarchen“. Wie nennt man die bei uns? Amigos? Egal, jedenfalls tut sich da nicht viel. Aber trotzdem: der Klitschko kommt doch an den Hoeneß nicht heran. Ich weiß, dass der Klitschko eine Generation jünger ist, und dass auch ein Uli Hoeneß nicht als Uli Hoeneß auf die Welt gekommen ist. Wenn Sie verstehen, was ich meine.  


Die Lebensleistung. Die muss man sehen, die muss man berücksichtigen. Und da kann natürlich so ein Jungspund wie der Vitali nicht so viel auf die Waage bringen wie so ein alter Hase wie der Uli. Ein paar Weltmeistertitel mehr, den Doktortitel, dafür aber keine Wurstfabrik und vor allem: der Uli hat den FC Bayern zu dem gemacht, was er ist. Und ob man nun Bayernfan ist oder Bayernhasser: das ist nun mal eine Lebensleistung, die sich sehen lassen kann! So, Klitschko, nun kommst Du...  


Lebensleistung, gut und schön. Die muss man sehen, die muss man berücksichtigen. Doch grau ist alle Theorie, maßgeblich ist auf dem Platz. Auf dem Maidan oder wo auch immer; jedenfalls: im Hier und Heute. Zum Beispiel in der Ukraine. Die Revolution hat gewonnen. Und was macht der Klitschko? Er kündigt an, als Präsident kandidieren zu wollen. Lächerlich. Minister für Irgendetwas oder zumindest stellvertretender Regierungschef? Fehlanzeige. Werbefigur im Fernsehen. In Deutschland. Wie immer.  


Diesmal weder für die Milchschnitte noch für McFit, sondern für die Message „Revolution ja, aber friedlich“. Derweil melden die Medien bei uns: "USA schicken Kampfjets und Soldaten nach Polen" (Welt). "Nato rückt näher an Ukraine" (Tagesspiegel). "Ukraine versetzt Militär in Gefechtsbereitschaft" (Stern). "Ukrainische Armee rückt zu Manövern aus" (Tagesschau). "Ukraine macht alle Truppen gefechtsbereit" (Focus). "NATO entsendet Awacs-Flugzeuge" (Tagesspiegel). Und Klitschko findet das gut.  


Ein Uli Hoeneß dagegen hält sich mit so einem Mist erst gar nicht auf. Ein Uli Hoeneß lässt aus solch martialischen Überschriften erst gar keine Schlagzeilen werden. Knallhartes Pressing. Der spielt sein Spiel; da können die Anderen auch mit noch so albernem Gehabe versuchen, Aufmerksamkeit zu erheischen. Wenn der Uli auftrumpft, interessiert das keinen mehr. Ukraine – könnt Ihr vergessen! Klitschko – ach, der... Krim – was war das nochmal? Gegen den Hoeneß hat niemand eine Chance.  


Prozesseröffnung am Montagmorgen: der Staatsanwalt wirft ihm 3,5 Millionen vor. Steuerhinterziehung, Sie wissen schon. Hoeneß geht sofort ins Pressing und hält mit 18,5 Millionen dagegen. Ein riskantes Manöver, sicher. Aber so ist der Uli. Zweite Halbzeit am Dienstag. 22 Millionen, 26 Millionen, 27,2 Millionen. Im „best case“, also: mindestens. Der Staatsanwalt: abgemeldet. Klitschko - geschätztes Privatvermögen: 30 Millionen Euro. Lächerlich. Mehr noch: uninteressant. Gegen den Hoeneß kommt einfach niemand an.  


Werner Jurga, 12.03.2014








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