Im Fernsehen, nicht im Dschungel:
Nicht ganz fair, aber ziemlich hart

 

Mittwoch, 16. Januar 2013. Juhu! Am Montag war es endlich so weit. Endlich war ich auch einmal im Fernsehen. Selbstverständlich „nur“ als Zuschauer, aber immerhin. Es ging um „Blitzer, Steuern, City-Maut“, knallhart nachgefragt: „Freie Fahrt nur für reiche Bürger?“ Nun ja, ganz so knallhart nun auch wieder nicht, sondern - gemäß dem Titel dieser beliebten Sendereihe – „hart aber fair“. Sie wissen Bescheid: das ist eine der fünf ARD-Polit-Talkshows, nämlich die, die der Frank Plasberg moderiert. Ja genau: die Polit-Talkshow, die der WDR produziert. Und deswegen wird die Sendung auch wo aufgezeichnet?

Das heißt: die Sendung wird überhaupt nicht aufgezeichnet, sondern live ausgestrahlt. Wie gesagt, am Montagabend um 21:00 Uhr war es so weit: Frank Plasberg begrüßte seine Gäste zu „hart aber fair“. Im Fernsehstudio, klar – wie sich das der Joey so vorstellt. Aber dem armen Kerl ist ja nach zwei, drei Tagen aufgefallen, dass er sich gar nicht in einem Fernsehstudio befindet, sondern tatsächlich in einem echten Dschungel. Dumm gelaufen für ihn; aber Joey ist halt kein echter Star, auch wenn die Sendung, in der er mitmachen darf so heißt. „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" Danach kann man nun einmal nicht immer gehen. Nach dem Titel der Sendestaffel.

So heißt ja auch, nur mal so als Beispiel, Frank Plasbergs Reihe „hart aber fair“, obwohl es dort auf jeden Fall schon einmal nicht hart zuging. Jedenfalls vorgestern nicht, jedenfalls dann nicht, wenn man „hart“ traditionell definiert. Im Sinne von analytisch scharfsinnig, scharfes Aufeinandertreffen von Argument und Gegenargument, schonungsloses Entlarven jeglichen dummen Geschwätzes. Hart eben, hart wie im Western. Nein, in diesem Sinne war es am Montagabend nicht hart. Sie dürfen mir ruhig glauben, ich war ja dabei. Sie glauben mir nicht? Gut, dann dürfen Sie sich den ganzen Schmarrn in der ARD-Videothek ansehen. Besser ist, Sie glauben mir.

Denn in diesem Sinne war es schon hart – neumodisch definiert: hart im Sinne von: da fasst Du Dir an den Kopf. Aber nett geplaudert haben Sie, der Peter Ramsauer und der Boris Palmer, der Manuel Andrack und der Kai Ebel sowie die Heidi Hetzer. Vielleicht kennen Sie die gar nicht. Die gute Heidi ist mittlerweile 75, war mehr als 40 Jahre Inhaberin eines Opel-Autohauses, gelernte Kfz-Mechanikerin und ehemalige Rallyefahrerin, hat Benzin im Blut, stocht gern von Berlin nach Hamburg mit Tempo 240, leidet aber darunter, dass „wir Autofahrer mit Blitzern und Knöllchen abgezockt (werden), wo es nur geht“. Hier zeigt sie gerade unserem sichtlich beeindruckten Bundesverkehrsminister ihr rechtes Bein.


ARD-Screenshot "Hart aber fair", 14.01.2013

Ja, wir hatten viel Spaß in der Sendung. Es wurde viel gelacht. Insofern war die Talkshow zwar nicht hart – im klassischen Wortsinne, aber doch verdammt hart im neumodischen Sinne des Wortes. Die Heidi präsentiert dem Peter übrigens ihr Bein nicht etwa deshalb, um auf ihre erotischen Reize aufmerksam zu machen. So hart war die Show dann auch wieder nicht. Nein, die autoverrückte große, alte Dame hat dem Verkehrsminister mit vollem Körpereinsatz demonstriert, warum es eigentlich viel sicherer sei, dass Frauen mit High Heels autofahren. Sie kämmen dann viel besser ans Gaspedal usw. usf. Und sie plauderte freimütig aus, was sie sonst noch so alles am Steuer anzustellen pflegt, was Gott verboten hat.

An dieser Stelle führe ich den Allmächtigen an, weil der von Amts wegen zuständige Minister… - Sie sehen es ja selbst. Der Dr. Ramsauer ist nun einmal ein old fashioned Gentleman. Wie hätte er einer solchen Powerfrau auch böse sein können?! Ich sagte ja bereits: es wurde viel gelacht in der Sendung. Und ich mittendrin. Wie Sie sehen, bin ich auf dem Screenshot nicht ganz so vorteilhaft getroffen. Kein Wunder: ich lache ja auch nicht. Das ist schon blöd mit meiner Humorlosigkeit! Speziell für mich war das alles wirklich nicht schön: Sagen durfte ich nichts, Lachen konnte ich nicht, Verstanden habe ich manche Dinge auch nicht so richtig.

ARD-Screenshot "Hart aber fair", 14.01.2013

Ich hätte sowieso lieber das Dschungelcamp geguckt. Aber dabei darf man ja nicht zusehen, also: nicht in echt, nur auf dem Bildschirm. Außerdem: bis Australien ist es ein bisschen weit. Da kann man wirklich besser mal eben bei „hart aber fair“ reinspringen. Haben Sie inzwischen überlegt, wo die vom WDR produzierte Polit-Talkshow – wie soll ich sagen? – gedreht wird? In Köln? Denkste: in Berlin. Auch so eine Art Dschungel. Und der Autoverkehr, ich kann Ihnen sagen! Ja, ich bin mit dem Auto hier. Hier in Berlin – ich bin doch nicht so gut zu Fuß. Da muss man natürlich ein bisschen fahren können – also nicht da, sondern hier, hier in Berlin. Hart, aber fair – sonst geht man unter.

Das Gesetz des Dschungels, in diesem Fall: des Großstadtdschungels. Da kannst Du nicht schreien: „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ Gut, kannst Du natürlich; aber dann hast Du wie im echten – hi hi – Dschungel verloren. Zähne zusammenbeißen und durch! Wer bremst, ist feige. Na klar, es gibt Regeln. Normal, Regeln gibt es schließlich überall, sogar im Dschungel. Jedenfalls im RTL-Dschungel. Und selbst der Joey ist drauf und dran, so einige von ihnen zu kapieren. „Joey ist nämlich nicht doof“, hatte uns Dschungelcamp-Moderatorin Sonja Zietlow wissen lassen: „Der hat bloß Pech beim Denken.“ Das gibt´s. Bundesverkehrsminister Ramsauer kennt die Verkehrsschilder nicht. Auch das soll vorkommen.


Keine Ahnung, keinen Grips, keine guten Aussichten: Dr. Peter Ramsauer, Bundesminister
für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung - ARD-Screenshot "Hart aber fair", 14.01.2013

Das ist doch klar: Jahrzehnte nach der theoretischen Fahrprüfung, da ist man nicht mehr bei jedem Verkehrsschild absolut bibelfest. Ich möchte da, was mich selbst betrifft, wirklich keine Wette eingehen. Im Gegenteil: ich weiß ganz genau, dass ich mit einigen Exoten unter den Verkehrsschildern nicht das Geringste anfangen kann. Plasberg hatte in der Talkshow Ramsauer – und das war wirklich hart, und total unfair – mit Schildern konfrontiert, deren Sinn sich allein durch Zuhilfenahme formaler Logik ohne weiteres erschlossen haben. Unseren Sitznachbarn, meiner Tochter und selbst mir war stets schnell klar, was uns die vom Moderator abgeprüften Verkehrsschilder sagen wollen.

Dr. Peter Ramsauer dagegen lieferte einen eindrucksvollen Beleg für die Validität eines Forschungsergebnisses, das vor knapp einem Jahr für etwas Aufsehen gesorgt hatte, aber mit Rücksicht auf eine in gewisser Hinsicht benachteiligte Bevölkerungsgruppe nicht allzu breit getreten wurde. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „IQ und politische Einstellung: Konservative sind weniger intelligent.“ Spiegel Online: „Intelligenz und Evolution: Konservative haben geringeren IQ.“ Und so geschah es, dass dieser Abend ganz allgemein, diese Talkshow im besonderen und ganz besonders unser Bundesverkehrsminister doch noch etwas bewirkt haben. Ein Forschungsergebnis wurde bestätigt, erstens. Und zweitens: ich hatte schließlich doch noch etwas zu lachen.

Werner Jurga, 16.01.2013


P.S.:  Anmerkung zu Dr. Peter Ramsauer aus Sicht einer Künstlerin




Der definitive Videobeweis: mein Köpfchen unter der "1", dem ARD-Logo
Endlich im Fernsehen (ARD-Screenshot "Hart aber fair", 14.01.2013)


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