Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche


UNO-Ausschuss beschuldigt Vatikan


Donnerstag, 6. Februar 2014. Ach ja! Mensch, das hatte ich fast schon wieder vergessen. Dabei ist das wirklich ein starkes Stück! Doch irgendwie... - ich meine: der Neue ist aber auch wirklich gut. Der hat damit auch nichts zu tun, ganz bestimmt nicht. Dieser Franziskus, der hat uns doch alle überrascht! Vor allem seine Bescheidenheit, diese Schlichtheit. Nicht mehr dieser affige Pomp. Schade natürlich, dass der Deutsche es nicht mehr ist! „Wir sind Papst!“, das war doch was! Aber der Deutsche... – ich habe ganz vergessen, wie der heißt - ...der war irgendwie so stoffelig. So ein Kopfmensch. Sehr belesen, aber kein Typ fürs Gemüt. Zurückgetreten ist er; das muss man sich mal vorstellen! Der Papst tritt zurück. Eigentlich geht so etwas gar nicht. Nun ja, heute kann man nur sagen: Gott sei Dank! Der neue ist besser, viel besser. Der alte lebt ja noch. Na egal, jetzt habe ich den Faden verloren. Was wollte ich eigentlich sagen? 


Ach ja! Das haben Sie doch auch mitbekommen. Die katholische Kirche und diese ganze Kinderschänderei. Eine Sauerei ist das! Ehrlich, dass da nicht einmal... Wenn ich zu sagen hätte! Ich würde denen aber... Immerhin hat die UNO denen jetzt einmal ordentlich den Marsch geblasen. Hier steht: „Das UN-Komitee für die Einhaltung der Kinderschutzkommission ging am Mittwoch hart mit dem Vatikan ins Gericht.“ So, das haben die jetzt davon! Knallhart, der UN-Ausschuss schreibt wörtlich: "Wir sind zutiefst besorgt. Weltweit waren Kleriker in zehntausende Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch verwickelt. Doch der Heilige Stuhl hat das Ausmaß der Verbrechen nicht anerkannt; er hat die nötigen Maßnahmen zu Schutz und Vorbeugung nicht getroffen. Und er hat Verfahrensweisen angenommen, die zur Fortsetzung des Missbrauchs und zur Straffreiheit der Täter führten."


Konkret: der Vatikan habe die notwendigen Zahlen zu den weltweiten Missbrauchsfällen verweigert. Stattdessen habe die Kirche, so steht es im Bericht, eine Politik und Praktiken verfolgt, die dazu führten, dass die Missbrauchsfälle andauerten und die Täter straflos ausgingen. Dies habe vielen Priestern ermöglicht, weiter in Kontakt mit Kindern zu bleiben und sie sexuell zu missbrauchen. Auf diese Weise würden Verbrechen vertuscht. Der Heilige Stuhl – da hat er aber geguckt. „Der Vatikan zeigte sich überrascht von der Härte des Dokuments.“ Ja, das glaube ich! Sechzehn Seiten lang voll die Handkante, das kennen die ja gar nicht, diese klerikalen Decker und Abdecker. "Dringend" fordern die UN-Experten den Vatikan auf, "alle schuldigen und verdächtigen Kinderschänder sofort aus ihren Ämtern zu entfernen". Der Vatikan wiederum interpretiert dies als einen Versuch, sich "in die Ausübung der Religionsfreiheit einzumischen".


Wie auch immer: „Die Forderungen des Kinderrechtsausschusses sind rechtlich nicht bindend, der Ausschuss hat keine Sanktionsmöglichkeiten gegen Staaten. Im Jahr 2017 muss der Heilige Stuhl über die Umsetzung der Empfehlungen berichten.“ Nun gut, bis 2017 ist es noch etwas hin, und außerdem: „keine Sanktionsmöglichkeiten“- was soll dann die ganze Aufregung?! Als wenn der Vatikan unter diesen Umständen sündhafte Priester an die weltlichen Behörden verpfeifen würde! Das machen der Heilige Vater und seine Berater sowieso nicht; die Frage ist eher: machen die Brüder einfach so weiter wie bisher? „Die katholische Kirche habe das wahre Ausmaß der Missbrauchsfälle bewusst vertuscht“, fasst die Deutsche Welle zusammen, “und allen Geistlichen ein Schweigegelübde auferlegt: `Der Heilige Stuhl hat bei der Aufarbeitung die Reputation der Kirche und den Schutz der Täter über die Interessen der Kinder gestellt`.“


Das haben Sie doch auch mitbekommen, oder?! Gestern in den Nachrichten oder heute in der Zeitung. Dieses Papier der UNO und die kämpferische Reaktion des Vatikan. Und selbstverständlich hatten Sie das auch vor drei Jahren mitbekommen, als der massenweise sexuelle Missbrauch von Jungen durch katholische Priester auch in Deutschland eine Zeitlang die Medien dominierte. Möglicherweise hatten Sie auch – schon damals – registriert, dass der Vatikan über sämtliche Fälle Akten führt und dass selbst das damalige Kirchenoberhaupt, nämlich der deutsche Papst, im Laufe seiner Karriere mit einem pädophilen Geistlichen konfrontiert war... und pflichtgemäß weggesehen hatte. Mit der zu erwartenden Konsequenz, dass jahrzehntelang etliche weitere Kinder diesem Typen zum Opfer fielen. Insofern ist das, was der UN-Kinderrechtsausschuss jetzt auf den Tisch gelegt hat, wahrlich alles andere als eine Neuigkeit.


Die Päpste – sowohl der Deutsche als auch der neue – haben deutlich erklärt, dass sie diesem Treiben eine Ende zu machen gedenken. In Deutschland wurde Stephan Ackermann, der Bischof von Trier, im Jahr 2010 zum Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz ernannt. In dieser Funktion hatte er „eine `Null-Toleranz-Linie´ gegenüber Sexualstraftätern gefordert. Nach Spiegel-Informationen verfährt er in der Praxis jedoch anders und beschäftigt Pädophile weiterhin als Seelsorger. In seinem Bistum sind mindestens sieben als pädophil aufgefallene Pfarrer im Einsatz“. Das war 2012. Seither ist in regelmäßigen Abständen von „neuen“ Fällen sowie von neuen Kommissionen zu hören, die ebendiesen „Fällen“ ein Ende bereiten sollen. Gleichzeitig verweist die katholische Kirche ebenso regelmäßig darauf, dass sie keineswegs ein Monopol auf den Kindesmissbrauch unterhalte.


Womit sie zweifelsohne Recht hat. Sexueller Missbrauch von Kindern ereignet sich überall: etwa auch in der evangelischen Kirche, an Reformschulen, in Sportvereinen und vor allem natürlich im familiären Umfeld. Und was überall vorkommt... - wie soll man sagen? - ...lässt sich wahrscheinlich überhaupt nicht vermeiden. Solcherlei belangloses Geschwätz soll verdecken, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder wesensmäßig zur katholischen Kirche gehört. Ich wiederhole, was ich vor drei Jahren schrieb:

Aber die katholische Kirche ist nicht irgendein Pädophilen-Ring. Es ist m.E. auch müßig darüber zu debattieren, ob es sich beim Sex mit Kindern um den `eigentlichen´ Vereinszweck handelt oder nicht. Pädophilie gehört wesensmäßig zur katholischen Kirche – wie die Promiskuität zum Eros-Center. Ob nun Zweck oder nicht: es ist einfach so. Und die Zölibat genannte, allen mit Organisationsmacht ausgestatteten Funktionären zwingend verordnete Ehelosigkeit sorgt dafür, dass diese Struktureigentümlichkeit manifestiert bleibt. Der Zölibat wirkt auf pädophile Männer wie ein Magnet.“


Werner Jurga, 06.02.2014








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