Bungle in the Jungle (Teil 1):

Heimlich Vater?


Sonntag, 19. Januar 2014. Seit Freitag konzentriert sich die mediale Aufmerksamkeit hierzulande nicht mehr so sehr auf politische Themen. Denn seit vorgestern – Sie haben dies gewiss mitbekommen, auch wenn Sie allein schon aus Gewissensgründen diese Form der Fernsehunterhaltung strikt ablehnen – präsentieren sich abermals elf deutsche Stars im RTL-Dschungelcamp. Ihnen ist dies auch deshalb nicht verborgen geblieben, weil – vielleicht abgesehen von den öffentlichen Fernsehanstalten – mittlerweile sämtliche deutsche Leitmedien ihre anfängliche Scheu vor dieser Art „Trash-TV“ abgelegt haben und ausführlich über dieses Medienereignis berichten. Im zehnten Jahr ihres Bestehens, mit der achten Staffel ist diese Fernsehshow endgültig im deutschen Feuilleton angekommen. Ihnen steht freilich anheim, darüber die Nase zu rümpfen. Wir leben schließlich in einem freien Land und dürfen zum Beispiel auch über die Bundesregierung die Nase rümpfen. 


Aus dem australischen Dschungel berichtet RTL täglich, so dass auch die schreibende Zunft täglich etwas zu schreiben hat. Ich empfehle die Kolumne auf Spiegel Online; Anja Rützel bewältigt, wie ich finde, diese Herausforderung am besten. Herausforderungen Bewältigen – das ist es, worum es in dieser Sendung geht. Offiziell. Inoffiziell geht es um, sagen wir mal: Menschliches und allzu Menschliches. Unser jährlicher kleiner Crash-Kurs in Sachen Mikrosoziologie. Da werden elf Menschen (angeblich „Stars“), die sich zumeist zuvor nie gesehen hatten, auf engem Raum zusammengesperrt – ohne Bad und WC, ohne gescheites Essen und Trinken, mit einer rationierten Anzahl Zigaretten (damit die Sache nicht völlig aus dem Ruder läuft) und mit einer hohen Anzahl Kameras, damit unsereins auch wirklich ganz genau mitbekommt, was und wie Menschen unter diesen Umständen so alles anstellen. Menschen – das muss erwähnt werden, die sich letztlich freiwillig in diese Situation begeben haben.  


Die Bildzeitung hatte – im Gegensatz zu den anderen Blättern – dieses Treiben im Dschungel von Anfang an positiv (und intensiv) begleitet. Ebenso wie Millionen Fernsehzuschauer, die sich – ebenfalls im Gegensatz zur Mehrheit der Zeitungen – in ihrer Mehrheit allerdings noch nicht offen bekennen. Doch Bild kämpft für uns... - und für unsere Helden. Und einer unserer Helden ist, übrigens der einzige halbwegs Prominente im Dschungelcamp, der Wendler. Ja, der Wendler, Schlagerstar aus Dinslaken, Vorname: Michael – den jedoch eigentlich nur seine Hardcore-Fans benutzen. Für den Rest reicht der Nachname, ein Künstlername – in Kombination mit dem bestimmten Artikel: der Wendler. Aber, wie das so ist! Wenn es einer wirklich einmal schafft, sind die Neider nicht weit. Was ist alles an Gerüchten in die Welt gesetzt worden?! Über den Wendler. Sogar in unserer Lokalpresse! Und das Schlimmste: es hört nicht auf! Nicht einmal jetzt, wo der Wendler im Dschungelcamp ist, sich also nicht wehren kann.  


Doch Bild kämpft. „Bild kämpft für Sie“ heißt das Versprechen der größten deutschen Zeitung. Bild kämpft für alle Verdammten dieser Erde, also auch für den Wendler. Zum Beispiel in der heutigen Ausgabe der Bild am Sonntag. Und so geht’s schon los: „Positive Überraschung zum Auftakt: Michael Wendler (41)“. Ganz genau! Nach dem ganzen Kesseltreiben in den Medien musste man ja meinen, der Wendler sei ein... - sagen wir mal: nicht ganz so sympathischer Zeitgenosse. Doch jeder Zuschauer konnte sich von der bescheidenen und liebreizenden Art des Wendlers überzeugen. Bis dann diese Porno-Schlampe aus der Zone neues Öl ins Feuer der Gerüchteküche gegossen hat. Es war, ich selbst habe es gesehen, wie es die BamS zutreffend geschildert hat: „Dann schaltete sich Erotikdarstellerin Melanie Müller (25) ein: „Der lässt sich nach seinem Auftritt die Mädels kommen und lacht seiner Frau noch ins Gesicht.“ Eine Unverschämtheit! Was bildet sich diese unkeusche Person eigentlich ein?!  


Weiter im Text der Bild am Sonntag: „Wendler ein Fremdgeher? Melanie setzte noch einen drauf: `In Dresden hat er ja ein uneheliches Kind!´“ Das grenzt an Rufmord! Auch dieses joviale „ja“ - so, als wisse dies doch jeder. Das muss man sich nur mal vorstellen! Ein uneheliches Kind... – was so etwas kosten kann! „Gut, dass der Schlagersänger von diesen Vorwürfen nichts mitbekam“, schreibt die BamS. „Daheim in Deutschland machte sich derweil sein Manager für ihn stark!“ Logisch, dafür hat man einen Manager. Der Wendler hat den Markus Krampe. Nomen est omen. „Markus Krampe war zu Gast in der BILD-Dschungel-Show. Er erklärte zu Wendlers heimlicher Vaterschaft“ - so, jetzt einmal aufgepasst! Achtung! Dem Wendler sein Manager, wörtlich: „Also ich sage ganz klar Nein!“ So weit, so gut. Wenn da nicht... - weiter wörtlich und ungekürzt: „Würde mich wundern, wenn es so wäre.“ Krampe! Ganz klar: würde mich wundern. Denn, Finale Krampe: „In meiner Zeit ist da mit Sicherheit nix entstanden in dieser Form." Nix in dieser Form:


Werner Jurga, 19.01.2014         

   

                         



Bungle in the Jungle (Teil 2): Men-schen-ver-ach-tend (26.01.2014)


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