ARD-Tagesthemen Kommentar von Esther Schapira, HR, zum

Coming-out von Thomas Hitzlsperger



Mittwoch, 8. Januar 2014. Thomas Hitzlsperger sagt, dass er Männer liebt. Es ist beschämend, dass Mut dazu gehört, uns mitzuteilen, was uns eigentlich nichts angeht. Die einhellige Begeisterung der Prominenz und Politik ist verlogen, solange sie verschweigt, worüber dringend geredet werden muss:


Es gibt die kleinen Widerlichkeiten und Anzüglichkeiten, es gibt Beleidigungen und Stammtischparolen und Gewalt. Nicht nur, aber eben auch im Stadion und in der Kabine.


Es gibt keine offizielle Gewaltstatistik, aber die Zahlen der Selbsthilfegruppen: Danach haben 2012 allein in Berlin 136 Menschen brutal am eigenen Leib erlebt, was es heißt in diesem Land ein „bisschen anders“ zu sein.


Schätzungsweise 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung sind homosexuell, also auch der Fußballer und der Fans. Die wenigsten von ihnen sind prominent, weshalb Ihnen das öffentliche Bekenntnis hilft. Vor allem dann, wenn Politiker ihrem Lob von Hitzlsperger Taten für alle folgen lassen. Und zum Beispiel Klartext zu Katar reden würden.


Wenn die schwulen Fans nämlich zur WM nach Katar reisen, dann müssen sie sich auf massive Diskriminierungen und Verfolgung gefasst machen. Die Golfstaaten planen einen Schwulen-Test für Ausländer, um sie an der Einreise zu hindern. In Katar droht Homosexuellen eine 5-jährige Haftstrafe, weshalb Fifa-Präsident Sepp Blatter die schwulen Fans vorsorglich aufforderte, aus Respekt vor dem Gastgeberland auf Sex während der WM zu verzichten. Aber natürlich wollte er niemanden diskriminieren – und hat es doch getan.


Was wir brauchen sind mehr mutige Männer und Frauen, die dafür sorgen, dass kein Mut mehr dazu gehört, man selbst zu sein.



ARD-Tagesthemen, Kommentar von Esther Schapira (hr) am 08.01.2013. Zu sehen auch hier im Video





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