Logo des antideutschen Blogs "Post aus der Provinz"

Post aus der Provinz


Montag, 6. Januar 2014. Da denkt man an nichts Böses, doch dann... - Nun ja: ich sage es mal so: ich hatte auch gestern mal wieder gedacht. Ich hatte mir die Situation an der irakisch-syrischen Grenze durch den Kopf gehen lassen. In der westirakischen Provinz Anbar hat ISIS militärische Erfolge erzielt und damit begonnen, einen Islamischen Staat im Irak und in Syrien zu errichten. ISIS ist durchaus böse, nämlich ein Ableger der Al Qaida. Ich hatte in Erwägung gezogen, darüber mal etwas zu schreiben. Deshalb wollte ich von Google wissen, was ich bislang schon so alles über die Al Qaida geschrieben hatte. Nichts Böses, dachte ich; doch dann bot mir Google neben einigen anderen auch diesen Artikel an: „Über das Verhältnis zu den Duisburger Verhältnissen – Dialoge mit Kastanienbäumen“. Erschienen in einem Blog mit dem hübschen Namen „Post aus der Provinz“.  

Tatsächlich: darin kam ich vor. Besser gesagt: mein Bericht über die Ereignisse am Abend des 24. Augusts in Duisburg-Rheinhausen. Und, wie so oft, fühlte ich mich mal wieder völlig unverstanden. Ärgerlich. Ärgerlich auch, dass der Artikel schon vor Monaten veröffentlicht worden war und ich ihn erst jetzt ganz zufällig entdeckt habe. Er hätte mich doch mal informieren können, oder noch besser: meine freie unabhängige Meinung vor seiner Veröffentlichung mit in seine Urteilsfindung einbeziehen können. Zugegeben: auch ich suche nicht in jedem Fall den Dialog. Mal ja, mal nein; diesmal habe ich dem Autoren sofort nach der Entdeckung des von ihm Verzapften geschrieben.  


Erst nachdem ich die eMail an besagten Autoren abgeschickt hatte, ist mir aufgefallen, dass unter dem Artikel – etwas unauffällig – doch sein Name zu finden ist. Es handelt sich um Justus Wertmüller, laut Wikipedia ein „namhafter Wortführer“ der antideutschen Strömung. Mittlerweile in der Selbstdarstellung nicht mehr „kommunistisch, israelsolidarisch und antideutsch“, sondern nur noch „ideologiekritisch und sonst nichts“. Ideologiekritik – an sich eine schöne Sache. 

Schon deshalb, weil Ideologen dazu neigen, im Falle von Problemen nicht etwa ihre Ideologie an die Realität anzupassen, sondern sich die Wirklichkeit in ihren ideologischen Kram zurecht zu lügen. Wie gesagt: mir war nicht klar, dass Wertmüller der Autor ist. Klar war allerdings, dass es sich um einen verbohrten Ideologen handeln muss (und nicht etwa um einen Ideologiekritiker). Hier unten können Sie lesen, was ich ihm geantwortet habe. Denn schließlich haben Sie vielleicht seinen Text schon gekannt. Klare Sache, ganz unideologisch: wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt! 

Werner Jurga, 06.01.2014



Justus Wertmüller 
(geboren um 1963)




Machen wir es kurz:

Ich habe Recht, und Du irrst!


Lieber Kollege,

es ist reine Spekulation; aber eine innere Stimme - vielleicht Gott (?) - sagt mir, dass Du nicht nur - im weitesten Sinne des Wortes - mein Genosse bist, sondern auch mein Geschlechtsgenosse. Daher habe ich mich für obige Anrede entschieden. Sollte ich mich irren... - schließe ich auch dbzgl. im Grunde leider aus. 

Insofern kein Liebesbrief, dafür habe ich auch weder eine Morddrohung noch einen Tobsuchtsanfall auf Lager. Verzweiflung und Hass sind mir ohnehin fremd - wobei..., aber das geht Dich nichts an.  


Allerdings kann ich Dir eine Kränkung nicht ersparen, und zwar folgende: ich kannte Dein Blog nicht. Erst gerade, als ich nicht unspezifisch mich selbst gegoogelt habe, sondern meinen Namen im Verbund mit dem Vereinsnamen "Al Qaida", hat sich dies geändert, weil die Maschine mich auf Deinen Artikel, veröffentlicht am 5. September 2013, aufmerksam gemacht hat.  

Darin schreibst Du, dass es mein Geheimnis bliebe, weshalb ich für den Vorfall 24. August 2013 "Antideutsche" verantwortlich gemacht habe. Das liegt eigentlich nicht in meiner Absicht; das möchte ich also gern ändern. Ich bitte allerdings um Verständnis dafür, dass ich in meinem Blogeintrag vom 24. August die Antwort auf die Frage nach dem Weshalb offen gelassen hatte. Zumal ich recht sicher bin, dass, hätte ich es anders gehalten, ich auf Deiner Beliebtheitsskala nicht eben nach oben gerutscht wäre. Und deshalb werde ich auch hier nicht mit den ganz harten Fakten kommen. 


Es ist ja richtig, wenn Du schreibst, dass ich "dazu übergegangen (bin), die Gegebenheiten vom heimischen PC aus zu analysieren". Doch als Mann der Tat - sehr gut erkannt! - und zwar nicht allein der deutsch-israelischen - hatte ich mich tatsächlich, wie Du gelesen hattest, am 24. August vor Ort begeben. Und übrigens auch schon tags zuvor zu einer Veranstaltung unseres Pastors und einer Genossin von der Linkspartei, den unsere jungen engagierten - nach eigenen Angaben! - Antideutschen in aggressiver Form majorisiert hatten. Ich hatte es in beiden Fällen - ebenfalls sehr gut erkannt! - wirklich nicht gern gemacht, weil ich es vorziehe, meine PC-Analysen in liegender Form vom heimischen Bettchen aus zu erstellen. 

Das ist einfach viel schöner und kuscheliger. Und was man da auch alles erleben kann! Also: lesen kann. Gerade zum Beispiel habe ich in einem Beitrag gesehen, wie ein linker Intellektueller sich eines anti-intellektuellen Stereotyps bedient. Und zwar nicht notdürftig verklausuliert wie in einem x-beliebigen sozialdemokratischen Ortsverein, sondern frei von der Leber raus nach der knalligen Melodie "Taten statt Worte". Angereichert mit der etwas altbackenen APO-Parole "Traue keinem über 30!"


Aber okay; es stimmt ja, dass die Schläger vom 24. August "ausnahmsweise nicht jenseits des Altersdurchschnittes des eigenen Freundschaftskreises" anzusiedeln sind. Und dass ich "ja sicherlich schon einmal Kontakt zu dem Personenkreis", der sich "antideutsch" nennt, gehabt hatte, spielt in diesem Zusammenhang, auch wenn es über die Jahrzehnte zu weit mehr als einem Kontakt gekommen ist, nicht die geringste Rolle. 

Relevanter ist da schon meine Angewohnheit, die unbestreitbaren Nachteile meines fortgeschrittenen Alters mit einem - dem Jugendwahn geschuldeten - etwas affigen Berufsjugendlichen-Gehabe überspielen zu wollen. Das kommt freilich meistens nicht besonders gut an; und so war es auch bei den hier in Rede stehenden antifaschistischen Jugendfreunden, die sich "Antideutsche" nannten. Manche ließen mich abblitzen, einige pampten mich an, andere schrien mich sogar an. 


Wieder Andere sprachen allerdings auch ganz vernünftig mit mir. Und dann habe ich auch noch Augen im Kopf, wobei jedoch - das stimmt auch wieder – "die politische Situation vor Ort nicht immer durchschaubar erscheint". Ja tatsächlich: dieser Jugendbanden-Konflikt zwischen "Antideutschen" und "roter Antifa" ist, man mag drüber lachen, eine "politische Situation". 

Wie auch immer, machen wir es kurz. Ich habe Recht, und Du irrst. Es waren eben nicht, wie Du schreibst, "u. a. die Rackets der Roten Antifa", sondern, wie ich sofort zutreffend festgestellt hatte, die "Antideutschen". Das war und ist sonnenklar, mag mir da auch aus allen Ecken des linken und "linksautonomen" Spektrums widersprochen werden. Wobei freilich nicht immer, wie von Dir, alternativ die Antiimpis als Täter angeboten werden, sondern gern auch mal die glatteste Variante: die Neonazis. Es stimmt zwar, dass von denen auch zwei oder drei Typen zugegen waren. Doch die waren es natürlich nicht. 


Ich weiß allerdings nicht, was es mit den zwei Herren auf sich hat, nach denen die Polizei öffentlich gefahndet hatte. Wie gesagt: ich hatte den Tathergang selbst ja nicht beobachtet, sondern war erst Minuten später am Ort des Geschehens. Und natürlich den ganzen Abend auf der Veranstaltung.  

Sprich: bei meinem Wissen über die Präsenz und die weitere Mobilisierung während der Veranstaltung, sowie über den "Sammelplatz" und die Bewegungsrichtung der Antideutschen nach der Veranstaltung handelt es sich um gesichertes Wissen. Keine "Unsicherheit", keine altersbedingte Debilität und auch kein der Aufregung geschuldetes Durcheinander im Kopf. Gesichertes Wissen und übrigens auch kein Geheimnis. Ich bin ja nicht der einzige Zeuge dieses Ereignisses in dieser Situation.


Nichts für Ungut

Werner Jurga



P.S.: es versteht sich, da Dein Beitrag mit den unzutreffenden Angaben öffentlich erschienen ist, dass auch ich diese Richtigstellung veröffentlichen muss.


werner@jurga.de, 05.01.2014