Jorgo Chatzimarkakis; Foto: chatzi.de

Duisburg / Athen: Chatzi is back

Duisburg / Athen, 16.09.2011. Hurra, hurra, Chatzi ist wieder da! Ja, Chatzi. Kennen Sie nicht? Sollten Sie aber. Chatzi ist nämlich Duisburger.  Jorgo Chatzimarkakis, nennt sich selbst „Chatzi“, oder auch: „Dr. Jorgo Chatzimarkakis“. Das kann er machen; denn „das entscheidende Gutachten der Universität Bonn steht seit vielen Wochen aus.“ * Ziemlich blöde, diese Plagiatsaffäre! Und wegen dieser Gleichzeitigkeit (Juni 2011), und weil beide im Europaparlament sitzen, und dann auch noch beide für die FDP, ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, Chatzi habe seine Doktorarbeit mit ähnlicher Ahnungslosigkeit eingereicht wie Schatzi, der FDP-Spitzenfrau im Europäischen Parlament, der one and only Silvana Koch-Mehrin. Das war nun aber wirklich gemein; denn Chatzi – also unser Jorgo – hatte tatsächlich seine Dissertation selbst angefertigt, Ahnung vom Thema, usw. usf. – nur eben etwas wenig Zeit dafür gehabt, deshalb bei den Fußnoten geschludert, die Quellen irgendwie angegeben, nur eben nicht wissenschaftlich exakt. Völlig klar: ein Verstoß gegen die Promotionsordnung, und weg war er, der schöne Doktortitel. Oder eben auch nicht. Da müsste man nochmal bei Chatzi nachfragen. Wenn´s denn noch interessiert. Die leidige Sache ist jetzt immerhin schon ein Vierteljahr her, das Leben geht weiter, und nun muss aber endlich auch mal gut sein.

Chatzimarkakis macht, was man machen kann: er arbeitet. Hier, gestern zum Beispiel, diese Reuters-Meldung: "We want pricing for consumers to be transparent, and unfortunately there are too many deals in the wings paid for at the end by the consumers with too high energy prices," German liberal lawmaker Jorgo Chatzimarkakis said in a statement. Das scheint mir doch einmal eine sehr vernünftige Gesetzgebungsinitiative zu sein, die der German lawmaker Chatzimarkakis da auf den Weg gebracht hat. Ohne die beiden magischen Buchstaben, liberal, but with a clear Ordnungsrahmen. Prima! Oder, noch besser, hier: gestern in der Welt, und alle Zeitungen berichten darüber. Chatzimarkakis hält Röslers Insolvenzidee für fatal: “Die Debatte über eine Insolvenz Griechenlands muss unverzüglich beendet werden, bevor sie noch weiteren Schaden anrichtet. Man kann als deutscher Wirtschaftsminister nicht über Insolvenz reden, ohne zu wissen, wie sie sich abspielen soll“. Gut gesprochen; schöner hätte ich es auch nicht sagen können.

Chatzi will die FDP nicht verlassen. Warum auch. Weil er Röslers Insolvenz-Gerede als „Wahlkampfmanöver“ bezeichnet hatte? Langsam: das war in Athen *, wo Chatzi diese Woche eine Podiumsdiskussion zur Frage der Rettung Griechenlands geleitet hatte. Am nächsten Morgen dann gleich wieder ein Fernsehinterview. Hier in Hellas will Chatzi seine zweite politische Karriere starten. Schließlich ist er „in Deutschland zwei Monate lang im Striptease durch die Straße getrieben worden“, sagt er. Chatzi weiß also, wie sich die Griechen fühlen müssen, zumal: er ist ja selbst ein halber Grieche. „Ja, ich komme hierher zurück“, sagt er, jetzt auch Mitglied der „Demokratischen Allianz“, eine neue liberale griechische Partei, zu deren Mitbegründern Chatzimarkakis sich zählt. In Umfragen steht sie immerhin schon bei etwa 2,5 %. Die Frage, für welche Partei er bei der Europawahl 2014 kandidieren werde, beantwortet er mit: „Wenn ich hier Ministerpräsident bin, kandidiere ich doch nicht als Europaabgeordneter für Deutschland.“ *

Spätestens an dieser Stelle erinnern wir uns: Chatzimarkakis ist nicht nur halber Grieche - sondern auch, und vor allem auch: ganzer Duisburger. So einen brachialen Spruch ruckzuck aus der Hüfte geschossen: das können die nicht, die Griechen. Die meisten Deutschen auch nicht. So etwas können nur wir. Wir Duisburger! Und als Voll-Duisburger wäre Chatzi genau der richtige Regierungschef für das angeschlagene Hellas. Seien wir ehrlich: so ganz unschuldig sind die Griechen an ihrer Misere nun auch wieder nicht. In Griechenland wird sich einiges ändern müssen. Und zwar – und hier ist die Duisburger Herkunft von unschätzbarem Wert, ein Pfund, gegen das kein Konkurrent wird anstinken können – braucht Griechenland: eine gut funktionierende Verwaltung, absolute persönliche Integrität an der Spitze, Kampf der Korruption und der Pöstchenwirtschaft, ein Ende der Verschwendung von Steuergeldern und vor allem: runter mit der öffentlichen Verschuldung! Bei so einer Herkulesaufgabe muss ein Duisburger ran; ein Anderer könnte das gar nicht schaffen. Der Duisburg-Hellas-Deal geht klar: die kriegen Chatzi, dafür nehmen wir den Sokrates. „I am BackInGreece“ steht auf dem T-Shirt, das Chatzimarkakis selbst entworfen hat. Bin mal gespannt, mit welchem Spruch dieser Sokrates hier antreten wird. Ich persönlich tippe ja auf: „Macht mir kein Getümmel, O Ihr Männer von Athen." Müsste er natürlich in Duisburg ändern.

* zit. nach FTD vom 15.09.2011, Seite 1

 

Werner Jurga, 16.09.2011