„Samstags in Duisburg“, Teil 3:
Revolution, Umbuchung und ein Schwelbrand

Samstag, 10. September 2011. Teil 3 der beliebten Serie „Samstags in Duisburg“. Hier ist was los, kann ich Ihnen sagen! Nicht nur samstags, aber eben auch samstags. Gerade am Samstag. Und gerade in der Zeitung, die ja samstags deutlich mehr gelesen wird als anderntags. Denn samstags hat man Zeit für so etwas. Diesen Samstag: für die Revolution. Jawohl: die Revolution. In Duisburg, natürlich in Duisburg. Wo sonst? Und wo genau in Duisburg? – Na klar: in der CDU. Wo sonst?

Und so lesen wir heute in der Gesamtausgabe der WAZ, sprich: im überregionalen Teil der Regionalzeitung fürs Ruhrgebiet, einen langen Artikel mit der Überschrift: „Revolution in der Union“. Schonungslose Analyse: „Die CDU Duisburg steckt in einer tiefen Krise: Loveparade-Katastrophe, Unterschriften gegen OB Adolf Sauerland, Wirbel um Wahlmanipulationen.“ Aber, Gott sei Dank: „Teile der Basis wollen nun `mehr Demokratie wagen´. Sie träumen von einer anderen, sauberen Union.“

Träumen erlaubt. A dream, but just a dream. „Die Rebellen machen Lärm, aber manche Parteifreunde halten sich lieber die Ohren zu. Ratsmitglied Thomas Susen aus dem Duisburger Süden hält die Revoluzzer für eine `Randgruppe´. Von heute auf morgen könne man Bewährtes nicht einfach abschaffen.“ Kann man nicht, auch nicht Guido Fischer, Bianca Seeger und Ralf Bauerfeld, so die Namen der drei furchtlosen Rebellen, die die Revolution in der Union wagen.

„Revolution“, „Rebellen“, wie furchtbar! Und das in Duisburg. Werden die „Revoluzzer“ nach ihrem Sieg – so nach libyschem Vorbild – Jagd auf den Autokraten machen? Sollte der CDU-Oberbürgermeister am besten schon einmal Ausschau nach einem aufnahmebereiten Asylland halten? Der Artikel „Revolution in der Union“ ist auf derWesten online erschienen unter der Überschrift: „Duisburger CDU sucht Ausweg aus dem Sauerland-Trauma“. Armer Adolf Sauerland! Man lese:

„Adolf Sauerland mag als tragische Figur gelten, für die Duisburger CDU bleibt er ein Held. `Ich stehe voll hinter ihm. Die Hetzkampagne gegen ihn und seine Familie ist doch finsteres Mittelalter´, sagt Guido Fischer vom CDU-Ortsverband Rumeln-Kaldenhausen. Auch Bianca Seeger und Ralf Bauerfeld zollen dem OB Respekt. Sauerland, das sei einer, der mit Herzblut Politik gemacht habe.“ Fischer, Seeger und Bauerfeld – das sind die drei Revolutionäre für Politik mit Herzblut. Namen, die man sich merken sollte. Oder vielleicht auch nicht.

 

Derweil muss sich Adolf Sauerland mit dem nächsten Problem herumschlagen. Kleinkram, Haushaltstechnik, Buchungsfragen – aber lästig. Da hatte sich doch die Duisburger Stadtverwaltung einige Wochen nach der Loveparade-Katastrophe von dieser ominösen Düsseldorfer Anwaltskanzlei gutachterlich bescheinigen lassen, dass sie jedenfalls an dem ganzen Unglück absolut unschuldig ist. So ein Gutachten kostet freilich was, in diesem Fall 420.000 Euro.

Na ja, wie es weitergeht, können Sie sich denken. Die Stadt Duisburg steht unter Haushaltsperre. Ab 300.00 Euro geht eigentlich gar nichts mehr. Und schon hat man den Salat! „Pannen begleiten `Umbuchung´ für umstrittenes Loveparade-Gutachten, schreibt die WAZ, „Kosten für Loveparade-Gutachten nach Panne aufgeflogen“ die NRZ. Und dann diese hämischen Kommentare, die die Herren Redaktionsleiter zur ärgerlichen Geschichte absondern!

Von einer „peinlichen Nummer für OB Sauerland“ spricht Ingo Blazejewski in der NRZ, und Oliver Schmeer meint hier gar „Funken aus dem Schwelbrand“ fliegen zu sehen. Das hat doch mit ausgewogenem Journalismus nichts zu tun! „Nein, nichts ist normal … Und nun die peinliche Buchungsposse … Unwissenheit trotz warnender Hinweise aus der Kämmerei? Oder Absicht, um Kosten zu vernebeln. War´s auch Absicht, den Dringlichkeitsbeschluss in die Ferien zu verlegen?“ (Schmeer).

„Der Gipfel: Das Ganze fliegt natürlich erst in der Sommerpause auf, plötzlich drängt die Zeit, der Rat wird per Dringlichkeitsbeschluss zur notwendigen Zustimmung gezwungen. Auf den Tisch wird der Vorgang erst im nicht-öffentlichen Teil der nächsten regulären Sitzung Mitte Oktober kommen. Man kann erahnen, wie die Mehrzahl der Fraktionen dann hinter verschlossenen Türen reagieren wird“ (Blazejewski).

Schlimm, diese Anti-Haltung der Lokalpresse. Man hätte es doch so machen können, wie die Rheinische Post in Duisburg. Einfach gar nichts berichten. So geht´s doch auch. Und wenn schon, dann hätte ja auch eine kurze Meldung gereicht – mit einem langen Kommentar. Darin hätte man dem OB Respekt zollen und darauf hinweisen können, dass Sauerland einer sei, der mit Herzblut Politik mache. Einen echt revolutionären Kommentar eben. Aber so etwas kriegen die nun einmal nicht hin, die Herren Chefredakteure. Nicht samstags in Duisburg.

 

Bisher erschienen:

Samstags in Duisburg (Teil 2):
Greuliches Fremdschämen

 

Neue Serie (Teil 1):
Samstags in Duisburg