Merkel-Interview in der WAZ:

"Alles in allem gut gemeistert“


Samstag, 14. September 2013. Gestern erschien in meiner Tageszeitung... - also: es ist nicht direkt meine Zeitung. Sie gehört mir nicht; trotzdem sage ich es so, weil mich die Westdeutsche Allgemeine seit meiner Kindheit von Tag zu Tag begleitet. Egal, jedenfalls brachte die WAZ gestern – sowohl online als auch in der Printausgabe – ein Interview mit unserer Frau Bundeskanzlerin. Nun ist es so: ich darf hier nicht wiedergeben, was sie darin so alles gesagt hat. Jedenfalls nicht Alles. Kein Problem, Sie können sich das Merkel-Interview ja auch auf der Westen ansehen. Es ist dort in zwei Teilen erschienen. Der erste Teil unter der Überschrift „Angela Merkels Vier-Jahres-Plan“, der zweite Teil heißt „Warum Bundeskanzlerin Angela Merkel an den Euro glaubt“. Dafür kann sie nichts, deshalb will ich dies auch nicht kommentieren. Die Überschriften stammen nämlich von der WAZ-Redaktion. Ganz anders verhält es sich mit den Antworten: sie stammen von der Regierungschefin höchstselbst.  


Wie gesagt, ich darf hier nicht das ganze Interview zitieren. Doch leider kann ich Ihnen nicht ersparen, die Antwort auf die erste Frage in voller Länge wiederzugeben. Sie lautet: „Frau Merkel, Ihre Kritiker werfen Ihnen vor, Sie wollten Deutschland einlullen. Was halten Sie denen entgegen?“ Tolle Frage, genau das hätte ich nämlich auch mal gern gewusst. Genau dieses Einlullen hätte ich ihr auch gern vorgehalten. Und das ist sie! Die Antwort: „Die letzten vier Jahre brachten große Herausforderungen für Deutschland – wir kamen aus der schweren Wirtschaftskrise fast nahtlos in die Eurokrise, nach Fukushima mussten wir die Rolle der Kernenergie neu bewerten. Unser Land hat diese Herausforderungen alles in allem gut gemeistert, vielen Menschen geht es heute besser als vor vier Jahren. Und das gilt auch für Europa: Beim letzten G-20-Gipfel war die Euro-Krise erstmals nicht mehr das Topthema. Sie ist nicht vorbei, das sieht jeder, aber es ist doch wieder Vertrauen entstanden.“  


Meine Frage an Sie, liebe Leserinnen und Leser, lautet nun: Können Sie sich noch an die Frage erinnern. An die Frage, die die WAZ der deutschen Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland gestellt hatte? Wissen Sie noch, wie die Frage lautete, auf die sie geantwortet hat, dass „es heute besser als vor vier Jahren“ geht, jedenfalls „vielen Menschen“? Was genau wurde „alles in allem gut gemeistert“? Von ihr? Von uns? Nein: von „unserem Land“! Aufwachen! Hergott nochmal, das kann doch nicht so schwer sein! Die Frage. So lange ist das doch noch nicht her. Na gut, von mir aus: ich verrate sie Ihnen. Die Kanzlerin wurde gefragt: „Frau Merkel, Ihre Kritiker werfen Ihnen vor, Sie wollten Deutschland einlullen. Was halten Sie denen entgegen?“ Sie wissen Bescheid: „Die letzten vier Jahre brachten große Herausforderungen...“ usw. usf... Den WAZ-Redakteuren ist jedoch nicht entgangen, dass mit der Kanzlerin Antwort der Kern ihrer Frage nicht so ganz genau getroffen wurde.  


Deshalb haben sie sich nicht gescheut nachzufragen. Wie es sich für kritische Journalisten gehört. Knallhart nachgefragt. Und zwar so: „Ihre Botschaft ist: Deutschland geht es gut, Sie kennen mich. Fordern Sie Reformen nur noch bei anderen?“ Und was antwortet Frau Merkel jetzt? Wirklich wahr, echt passiert, kein Witz: „Wir müssen zum Beispiel das Erneuerbare-Energien-Gesetz grundlegend reformieren, damit Strom bezahlbar bleibt und die Energiewende vorankommt...“ Und soll ich Ihnen etwas verraten?! In diesem Fall weist der Kanzlerin Antwort tatsächlich eine gewisse Kongruenz zur Frage auf. Die Frage war „Fordern Sie Reformen nur noch bei anderen?“ Merkel antwortete mit der Notwendigkeit einer EEG-Reform. Passt! Zwar nicht inhaltlich, aber immerhin formal. Das ist – im Vergleich zur ersten Antwort auf die erste Frage – eine ganze Menge! Eine Steigerung um unendlich viel Prozent. Ich hatte bereits erwähnt, dass ich hier nicht das ganze Interview zitieren darf. Wie schade!  


Aber es ist, wie es ist. Deshalb komme ich sogleich zu den beiden letzten Fragen. Okay, nicht die letzten Fragen der WAZ an Merkel, aber doch Antworten, nach denen ich keine Fragen mehr hätte. Denn (!): Auf die Frage „Gibt es den Punkt, an dem Sie sagen würden: `Mission erfüllt´?“ sagt die deutsche Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland - wirklich wahr, echt passiert, kein Witz: Nein“. Luft holen, cool bleiben! Nur noch eine einzige klitzekleine Frage. Und zwar eine, die ich mir auch schon gestellt hatte. Etwa letzten Montag. „Wahlkampfarena“ der ARD. Ganz normale Menschen aus dem ganz normalen Volk durften eine Frage stellen. Und fast alle sprachen unsere Langzeitregierungschefin ganz schnöde an mit „Frau Merkel“. Respektlos! Da hatte ich mich gefragt, welche Anrede ich wohl gewählt hätte. „Frau Doktor Merkel“? „Frau Bundeskanzlerin? Die WAZ hat sie jetzt gefragt: „Stört es Sie, wenn man Sie `Mutti´ nennt?“ Merkel antwortet „Nein“. Punkt. Kein Wort mehr. Reicht auch. Ich weiß jetzt Bescheid.  


Werner Jurga, 14.09.2013






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