Heiko Blumenthal


Studentenverbindung Elbmark zu Duisburg:

Genosse Blumenthal wird philistriert


Montag, 12. November 2012. Die KDStV Elbmark zu Duisburg feiert am kommenden Wochenende ihr 90-jähriges Gründungsfest in Duisburg. Am Freitagabend, den 23. November 2012, geht es in der Krypta von St. Joseph am Dellplatz um 18.30 Uhr los mit einer Heiligen Messe inklusive Totengedenken. Anschließend gibt es beim Böhmischen Abend im Kommerssaal des Elbmarkhauses, Goldstr. 20, „Pilsner Urquell" vom Fass. Lecker! Am nächsten Mittag um 12.00 Uhr – bis dahin könnte man wieder nüchtern sein - dann an gleicher Stelle der große Moment: der Festakt zum 90-jährigen Bestehen mit „Philistrierung unserer Bundesbrüder“ Heiko Blumenthal und noch Einen. Bis Sonntagmittag geht das nette Programm weiter; sehen Sie mal!

Für diejenigen unter Ihnen, die sich in der Szene der Korporierten nicht so richtig auskennen: unter Philistrierung versteht man den Initiationsritus oder sagen wir mal: den Transmissionsritus vom Burschen zum Alten Herrn. Und die Abkürzung KDStV bedeutet Katholische Deutsche Studentenverbindung. Die Elbmark wiederum ist ein Landstrich in Nordböhmen, in dem einstmals der schöne Landkreis Tetschen-Bodenbach gelegen ward, der aber nach dem Krieg an die Tschechen verloren ging und deshalb wieder offiziell so heißt wie vor dem Münchner Abkommen: Děčín. Und der Heiko Blumenthal ist Stadtrat in Duisburg, Fraktionsgeschäftsführer in Oberhausen und, wenn übermorgen alles klappt, Bundestagskandidat der SPD für den Duisburger Norden.

Jedenfalls ist der Noch-Bursche bzw. der Alte Herr in spe Favorit im innerparteilichen Kandidatenrennen um die Nachfolge des bisherigen MdB Hans Pflug. Und klar ist auch: wenn Blumenthal übermorgen von den Sozialdemokraten nominiert wird, dann wird er auch Bundestagsabgeordneter. Denn dieser Wahlkreis ist für die SPD eine sichere Bank. Da darf man sich nicht wundern, dass jetzt – kurz vor der Wahlkreiskonferenz – Missgunst und Neid Platz greifen und die Konkurrenz versucht, Heikos Mitgliedschaft in der KDStV Elbmark Tetschen-Liebwerd zu Duisburg im CV ins Feld zu führen. Die Atmosphäre im Duisburger Unterbezirk ist dergestalt, dass davon auszugehen ist, dass allein der Umstand der Bekanntmachung dieser Mitgliedschaft mir zum Vorwurf gemacht werden dürfte.

Das wäre freilich aberwitzig; denn selbstverständlich sind alle Kandidaten für die Vorstellungsrunden in den Stadtbezirken gebeten worden, ihre Mitgliedschaften in Vereinen und Organisationen auf einem Formular einzutragen. Heiko Blumenthal muss vergessen haben, seine Elbmark-Mitgliedschaft anzugeben. Insofern trage ich hiermit meinen Teil dazu bei, diese Tatsache bekannt zu machen. Solle niemand sagen, er habe es nicht wissen können! Ich bin auch absolut sicher, damit von den Blumenthal-Gegnern nicht in irgendeiner Weise instrumentalisiert worden zu sein. Ich bin darin sicher, ganz unabhängig davon, ob es derlei Versuche gegeben hat oder nicht. Denn meine Haltung zu diesen Verbindungen ist klar und unverrückbar und allen bekannt, die sich dafür interessieren.


Bildquelle: elbmark.de

Ich hatte mich im Sommer 2011 aus Anlass des Burschentages“ in Eisenach, der für einen Skandal sorgte, wo ein schließlich doch nicht gestellter Antrag vorlag, der einen „Ariernachweis“ als Aufnahmevoraussetzung forderte, näher mit diesem unappetitlichen Themengebiet befasst und meine Position dazu auf meiner Website und auf Vorwärts Online dargelegt. Ich will dies Alles hier nicht wiederholen; man kann dies nachlesen, ich stehe dazu. Und ich stehe zu dem Beschluss, den der Karlsruher SPD-Bundesparteitag 2005 gefasst hatte. Dass nämlich die Mitgliedschaft in einer studentischen Burschenschaft oder in einem Corps grundsätzlich unvereinbar sein sollte mit der Mitgliedschaft in der SPD“ (Spiegel Online). Allerdings: dieser Unvereinbarkeitsbeschluss wurde nie umgesetzt.

Er „scheiterte jedoch am Parteivorstand. Im Januar 2006 entschieden die Parteispitzen mit 18 zu 14 Stimmen gegen eine generelle Unvereinbarkeit“. Abgesehen von den Bünden der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, die ihre Verfassungs- und Menschenfeindlichkeit recht ungeschminkt vertreten. Ansonsten hatte (und hat) der Vorstand den Parteitagsbeschluss so interpretiert, dass nur in Einzelfällen Verfahren gegen einzelne Mitglieder von schlagenden Verbindungen zulässig seien. Insofern blieb, wie ich schon im Vorwärts schrieb, „nichts anderes, als diesen äußerst unerfreulichen Umstand hinzunehmen“. In Blumenthals Fall, also im Fall des KDStV Elbmark Tetschen-Liebwerd zu Duisburg kommt hinzu, dass er „im CV“ organisiert ist.

Der CV, also der „Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen“, ist ein Verband nichtschlagender, farbentragender Studentenverbindungen. Beim Eintritt verpflichtet man sich u.a., seinem „Glauben“ ein Leben lang die Treue zu halten. Das ist freilich widersinnig, ein Treueschwur auf den eigenen Glauben; gemeint ist vielmehr das Versprechen lebenslanger Unterordnung unter die Katholische Kirche, die zwar auch keine demokratische Organisation i.e.S. ist, aber freilich nicht pauschal als rechtsextrem klassifiziert werden kann. Bei Elbmark und CV haben wir es also nicht mit rechtsextremen Burschenschaftern zu tun. Es ist nicht einmal völlig klar, ob sie selbst sich als Burschenschafter bezeichnen. In ihren eigenen Texten geht dies mal so und mal so.

Jedenfalls sehen die Jüngelchen auf ihren Fotos so aus wie Burschenschafter, und für diejenigen, die ihr Bild nicht öffentlich dort gesehen wissen wollen, wird hilfsweise eine schwarze Silhouette abgebildet. Sie zeigt einen Burschenschafter mit langem Degen in vollem Wichs. Dass Frauen nicht Mitglied der Elbmark werden können, versteht sich wohl von selbst; damit ist aber nicht gesagt, dass diese Verbindung unbedingt frauenfeindlich sein müsste. Man weiß es nicht; klar ist dagegen, dass diese Korporation ausschließlich Katholiken offensteht. Logisch, denn wir reden ja über eine katholische Studentenverbindung. Evangelen müssen draußen bleiben, Muslime sowieso, und dass Heiko trotz seines Familiennamens dort mitmachen darf… Blumenthal - das haben die bestimmt überprüft.

Aber die Roma zum Beispiel. Die Roma sind doch meistens katholisch. Ob es wohl auch Angehörige dieses Volkes gibt, die Mitglieder der Duisburger Studentenverbindung Elbmark sind? Vielleicht ist keiner von denen an der Uni – ob dies dann wohl an den Genen liegen könnte? Ach was, unsere Elbmark-Korporateure sind doch gar keine Rassisten; dann wird das Fehlen der Roma wohl an den sozialen Bedingungen liegen. Hier greift dann in der Verbindung das Prinzip der Religio, das da lautet: „Jeder Bundesbruder bekennt sich zur und engagiert sich in der Katholischen Kirche. Christliche Grundsätze verpflichten uns, mitmenschliche Solidarität zu üben und der Forderung nach Frieden, Gerechtigkeit, sozialem Ausgleich und Toleranz…“ – Wie schön!

Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich bei denen auch mitgemacht. Lebenslang, versteht sich. Das ging aber nicht; denn ich war schon 1983 mit meinem Studium fertig. Doch erst „am 17. Juni 1984 konnte die KDStV Elbmark ihre Wiederbegründungskneipe feiern“ – steht hier. Am nächsten Wochenende feiert sie wieder, diesmal ihr - Achtung! - 90-jähriges Bestehen. Okay, um das verstehen zu können, müssen Sie sich etwas intensiver in die Materie einlesen. 1922 in Tetschen gegründet, dann der Krieg, Tetschen an die Tschechen gefallen, dann erstmal nix, bis dann mit Hilfe von Bundesbrüdern aus Heidelberg… - ja, so geht das. Am Samstagmittag ist es dann so weit: der Festakt zum 90-jährigen Bestehen; Bundesbruder Heiko Blumenthal wird philistriert. Oberbürgermeister Sören Link hat seine Teilnahme zugesagt.  


Werner Jurga, 12.11.2012





Nachtrag:

Am Dienstag, den 13. November 2012, konnte sich Heiko Blumenthal bei der SPD-Kandidatenaufstellung nicht durchsetzen. In einer Kampfabstimmung unterlag er äußerst knapp, nämlich mit 49% zu 51%.




Seitenanfang