Sonntagsfrage 13. August 2013

Kopf-an-Kopf-Rennen mit der einsamen Siegerin


Dienstag, 13. August 2013. Keine sechs Wochen mehr bis zur Bundestagswahl; höchste Zeit also für die Sonntagsfrage. Man mag sich über die ständigen Veröffentlichungen von Umfragewerten ärgern (oder auch nicht) – die echten Politjunkies sehen sich die Zahlen jedenfalls immer an. Mal liegt die Koalition vorn (in den selteneren Fällen), mal die Opposition (häufiger). Regelmäßige Leser dieser Webseite wissen, dass ich alle zur Verfügung stehenden Antworten auf die Sonntagsfrage in einen Topf werfe, durchrühre und dann als Eintopf serviere.  


Für Neuleser in Kurzform: ich bilde das arithmetische Mittel aus den verschiedenen Resultaten der diversen Meinungsforschungsinstitute. Allensbach und GMS habe ich diesmal nicht in die Berechnung miteinbezogen, weil deren letzte Umfragen von Anfang bzw. Mitte Juli sind. In den mathematischen Durchschnitt eingeflossen sind die neuesten Ergebnisse von Emnid, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, Infratest dimap und INSA. Dazu noch die Wahlprognose von election.de berücksichtigt. Dies kam dabei heraus:



Da Sie die einzelnen Umfrageergebnisse aus den Medien bereits kennen, werden Sie diese Durchschnittswerte nicht vom Hocker hauen. Und, nochmal: es sind noch knapp sechs Wochen hin bis zum Wahltermin. Ein relativ langer Zeitraum, wenn man das Verhältnis von Regierung zu Opposition betrachtet. Gegenwärtig steht es 45:46 - Schwarz-Gelb 45%, Rot-Grün-Rot 46%. Eine Momentaufnahme, gewiss. Doch durchaus bemerkenswert, da sich unterschwellig eine Stimmung breitmacht, es sei gleichsam eine ausgemachte Sache, dass die Regierung im Amt bestätigt werde.


Ein relativ kurzer Zeitraum, wenn man sich die Werte der beiden Parteien ansieht, die neu in den Bundestag einziehen wollen oder wollten, wie man inzwischen wohl sagen muss. Mittlerweile ist davon auszugehen, dass der nächste Bundestag genau wie der jetzige ein Fünf-Fraktionen-Parlament sein wird. Die Piratenpartei steht, obwohl seit Wochen der geheimdienstliche Datenmissbrauch der Headliner in allen Medien ist, völlig abgeschlagen da. Um die Anti-Euro-Gruppierung AfD ist es still geworden. Schwer vorstellbar, dass jetzt, wo die „heiße“ Wahlkampfphase beginnt, die „Neuen“ nochmal punkten könnten.


Es liegt nicht allein an der Jahreszeit, dass im Land eine Wahlkampfatmosphäre kaum spürbar ist. Es ist auch kaum anzunehmen, dass sich dies jetzt, wo die Straßen mit den erhellenden Plakaten der Parteien zugekleistert werden, groß ändern werde. Fraglos ein Erfolg für Kanzlerin Merkel und ihrer Strategie der Demobilisierung. Ob es mit der „asymmetrischen Demobilisierung“ hinhaut, wird sich erst noch zeigen. Nicht, dass der Schlafwagenwahlkampf gepaart mit der weit verbreiteten, aber unspezifischen Siegesgewissheit auch dazu führt, dass auch fest gebuchte Unionswähler zu Hause bleiben!


Es soll meine Sorge nicht sein! Merkel hat ihre Erfolge. Erstens, wie gesagt: das Klima der Entpolitisierung. Zweitens: das Fehlen jeglicher Wechselstimmung. Drittens: das „gute“ Gefühl, dass „Mutti“ es schon irgendwie richten wird. Last but not least viertens: dass es überhaupt allen Ernstes zur Debatte steht, dass diese Regierung wiedergewählt werden könnte, ist für Schwarz-Gelb ein Erfolg ohnegleichen. Vor nicht einmal einem Jahr wäre der Gedanke daran allenfalls ein mildes Lächeln wert gewesen. Insofern: Respekt! Andererseits: die Umfragen geben es nicht her.


Es gibt keine schwarz-gelbe Mehrheit. Es wird, so wie es aussieht, ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Und es gibt eine Alternative. Die Alternative zur Wiederwahl heißt Abwahl. Es ist die wahrscheinlichere Variante: für Schwarz-Gelb ist am 22. September Schluss. Mal sehen, was sich im Wahlkampf tut. Ich werde mir so in etwa drei Wochen die Meinungsumfragen nochmal ansehen. Ich glaube aber, dann werden wir auch nicht schlauer sein. Ich nehme an, wir werden bis Sonntag Abend, den 22. September, warten müssen.



Werner Jurga, 13.08.2013




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