Constantin aus Rumänien:
„Wir behalten Duisburg in Erinnerung als fremdenfeindliche Stadt“


Samstag, 6. Oktober 2012. Es geht um Rumänen, die Duisburg wieder verlassen. Die Ereignisse des heutigen Morgens:

Auf dem Parkplatz der Ideenwerkstatt treffen wir Alex und Constantin mit ihren Familien. Sie verlassen Duisburg und ziehen nach Saarbrücken zum Bruder von Constantin.

Der Vermieter, der Ihnen die neue Wohnung besorgt hatte, um sie schnell aus dem Haus zu bekommen, habe laut Aussage von Constantin bei dem neuen Vermieter angerufen, dass er sich getäuscht habe. Die von ihm vermittelten Mieter seien nicht so gut, wie er geschildert habe. Der neue Vermieter habe sie dann vor die Tür gesetzt. Nun ziehen sie weg aus Duisburg - enttäuscht von unserer Stadt. Wir geben hier unkommentiert wieder, was Constantin in dem inzwischen ziemlich guten Deutsch, das er im letzten Jahr hier gelernt hat, zum Abschied sagte:

„Wir behalten Duisburg in Erinnerung als fremdenfeindliche Stadt. Wir haben hier die Chance für ein besseres Leben gesucht. Niemand, außer Wenigen, hat uns die Hand gereicht. Unsere Kinder konnten nicht zur Schule gehen, weil die Anmeldung so lange dauerte. Sie wurden auf der Straße bespuckt, beschimpft und verprügelt. Dasselbe geschah mit unseren Frauen. Man hat uns gemieden. Nur wenige haben mit uns gesprochen und sich für uns eingesetzt. Das war die Ideenwerkstatt und der Runde Tisch. Freundlich waren auch die beiden Männer der kleinen Brüder Jesu. Sehr gefreut haben wir uns über den Besuch der SPD aus Marxloh, die sogar mit dem Ratsherrn (freie Übersetzung von „Patron von Marxloh“) Manfred Slykers zu uns nach Hause gekommen ist. Es gibt viele schlechte Menschen in dieser Stadt, die unser Geld genommen haben. Für schlechte Wohnungen haben wir viel Bargeld bezahlt. Wenn man uns zum Arbeiten rief, haben wir gezittert, dass wir abends ein wenig Geld dafür bekamen.

Wir sind nach Duisburg gekommen, damit unsere Kinder zur Schule gehen können und Deutsch lernen. Wir dachten, wir könnten uns hier eine Zukunft aufbauen. Was wir in Duisburg gefunden haben, war vor allem Hass auf uns, aber meist nicht von deutschen Leuten. Die Deutschen haben nur geschimpft, Andere haben uns geschlagen.

Mein Bruder hat uns jetzt nach Saarbrücken geholt. Da ist es anders: Unsere Kinder können sofort zur Schule gehen. Wir haben auch schon eine Wohnung gefunden, die mein Bruder besorgt hat - ganz ohne Probleme. Unsere Kinder können dort sicher auf der Straße spielen.

Ich weiß, dass es auch gute Menschen in Duisburg gibt. Aber viele Menschen sind schlecht und hassen uns Ausländer, vor allem die, die selber Ausländer sind. Wir haben das erst nicht glauben können, aber wir haben es erlebt. Wir verlassen nun diese Stadt, in der wir eigentlich lange leben wollten.“

Soweit die Zitate von Constantin, die wir wörtlich ohne Kommentierung, nur mit kleinen Korrekturen in der Satzstellung, wiedergegeben haben.

Wir denken, es gibt einiges für uns nachzudenken.

Gastbeitrag, 06.10.2012