Foto: Thomas Rodenbücher (xtranews)


Vasilka Bettzieche, Stimme der Migranten:

"Ich schenke Dir die Peschen"


Donnerstag, 18. Juli 2013. Ein neuer Stern am Schlagerhimmel? Es hört sich jedenfalls danach an: „Stimme der Migranten“. Und dann ihr Name – bestimmt ein Künstlername. Vasilka,sagen Sie selbst: was für ein Vorname. Der ist doch wunderschön! Und der Nachname, Bettzieche, nicht ganz so schön, dafür aber ein bisschen verrucht. Das macht man heute in der Schlagerszene so. Echt, die Zeiten haben sich geändert. Vasilka Bettzieche präsentiert ihr neues Album „Ich schenke Dir die Peschen“. Die Welt könnte so schön sein! An einem lauen Sommerabend kommt Vasilka Bettzieche auf mich zu und schenkt mir die...

Ja, verflixt noch mal! Was soll das denn sein, die Peschen? Kennen Sie etwa Peschen? Und schon ist das Wunder der Romantik dahin. Die Welt ist nicht so schön, wie sie sein könnte. Mann, Mann, Mann... - Peschen, so ein Scheiß! Was das bloß sein könnte, Peschen? Hinterher will man so etwas nicht einmal geschenkt haben, aber Vasilka ist mit ihrem Singsang reich geworden, und unsereins steht blöd da – mit den... Peschen. Ich schau mal bei Wikipedia nach. Nur dieser eine Eintrag; das muss es also sein. Was haben wir denn da? Ich zitiere, vom Anfang an, live und ungekürzt:


Peschen (obersorbisch Stwěšin)...“ - ja klar: ich guck jetzt doch nicht auch noch „obersorbisch“ nach - „...ist ein Ortsteil von Löbau in Sachsen“. Und den will die mir schenken, diese Bettzieche. Ja, das glaube ich! Stwěšin. Dass es so schlimm ist in Sachsen... , andererseits: „Der Bauernweiler liegt am Südwesthang des 335,8 Meter hohen Pfaffenberges über der Quellmulde des Kuppritzer Wassers.“ Na bitte, geht doch: das sind die Melodien der Volksmusik. Wunderschön!

Nördlich von Peschen verläuft die Bundesstraße 6.“ Das muss nun einmal auch sein. Logisch, weiter im Text, ja sicher: ungekürzt. „Peschen ist wahrscheinlich eine spätslawische Gründung und...“ jetzt reicht es mir aber! Jetzt, wo es gerade so schön geworden ist mit dem Pfaffenberg über der Quellmulde geht das schon wieder los: eine spätslawische Gründung – wahrscheinlich. Im Obersorbischen – ganz bestimmt. Also gut, man kann nicht immer Sieger sein. Ich schaue also doch nach, was das denn wiederum für komische Leute sind. Diese Sorben - bei Wikipedia.


Die Sorben (obersorbisch Serbja, niedersorbisch Serby, v. a. in der Niederlausitz auch Wenden und veraltet auch Lausitzer Serben) sind ein westslawisches Volk“; eigentlich irgendwie logisch: Sorben sind Serben, und Serben sind Westslawen. Alles klar, nur was machen die verdammt noch mal in Deutschland? Okay, in Sachsen und Brandenburg – aber trotzdem! Ich meine: Brandenburg, das ist doch Preußen! Was wollen die hier?! Nicht, dass das hinterher auch noch solche... - Sie wissen schon: dieser Oberbegriff, ich komme gerade nicht drauf.

Also, bei Wikipedia steht auch das: „Die Sorben können auf eine etwa 1400 Jahre lang nachweisbare Geschichte zurückblicken. In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. verließen ihre Vorfahren im Zuge der damaligen Völkerwanderung...“ Nachtigall, ick hör Dir trapsen! Diese Vasilka Bettzieche, die hat nämlich nichts gesungen (hatte ich nur geträumt), dafür aber etwas geschrieben. So eine Broschüre. Wenn Sie unbedingt wollen, können Sie sich die hier als pdf-Datei herunterladen. Sie sollten es aber auch wirklich wollen sollen müssen...


Frau Bettzieche, in Bulgarien „als Rodari aufgewachsen“, schreibt über „Ursprung und Herkunft“ der Roma, was insofern Sinn macht, weil sie selbst eine ist. Nämlich dies: „Bereits vor 1500 Jahren wanderten die ersten Roma aus Indien nach Europa aus.“ Merken Sie etwas? - Okay, ich sage es Ihnen: Wikipedia hat sich verrechnet. Bis inerste Hälfte des 6. Jahrhunderts n. Chr.“ müssen wir nicht etwa nur 1400 Jahre lang zurückblicken, sondern 1500 Jahre. In die Zeit, wie Frau Bettzieche richtig schreibt, die ersten Roma aus Indien nach Europa auswanderten.

Wenn die jetzt – verstehen Sie – die Sorben und die Roma, wenigstens vom Prinzip her... nicht auszudenken! Beruhigen Sie sich: die Sorben kamen nicht aus Indien, sondern nur aus den Karpaten. Und als die Roma dort in Transsylvanien eintrudelten, stießen – vermutlich zufälligerweise - die Sorben in die freiwerdenden germanischen Räume vor. Wow! Freiwerdende germanische Räume in der Lausitz. „Sie arbeiteten als Goldwäscher, waren begabte Handwerker“ - nein, die Sorben nun nicht gerade. Der frei gewordene germanische Raum wurde etwas später das Tal der Ahnungslosen genannt. Warum denn wohl?


Nein, jeder Zweite von der Straße, hier: vom Trampelpfad – aber die Sorben nun wirklich nicht. Es waren die Roma, die als Goldwäscher arbeiteten (Gold, nicht Geld) und begabte Handwerker waren. Schreibt Vasilka Bettzieche, damals, im 6. und 7. Jahrhundert. Es folgten Jahrhunderte der Unterdrückung. Die einen mussten notgedrungen Gauner werden, Andere hatten es geschafft, bei Verschweigen ihrer Herkunft, besonders privilegierte Berufe zu erklimmen. Aus unerklärlichen Gründen sind, wie wir zwei Seiten später von Frau Bettzieche mitgeteilt bekommen, ausnahmslos alle strunzdoof.

Abgesehen von der einen Ausnahme, versteht sich: alle doof, außer ich. Aber sonst – die ganze Mentalität und Denkweise der Roma. Wie gesagt: blöd wie Brot, aber musikalisch. Kennen wir im Grunde schon vom Neger, klar: der wurde auch so lange versklavt. Und das macht etwas mit den Gehirnhälften. Frau Bettzieche hat nämlich, obwohl sie ihren Stamm ohnehin schon bestens kennt, auch noch „psychologische Bücher gelesen“ und die „Hirnforschung zu Rate gezogen“. Nichts zu machen, klare Diagnose: emotional, kreativ, musikalisch und so alles im grünen Bereich. Aber dumm wie Bohnenstroh.


Das ist die schärfste Geschichte. Wie es die Roma-Frauen mit dem Kochen einer Bohnensuppe halten. Einer serbischen Bohnensuppe, nehme ich an. Oder essen sowas nur die Sorben? Kleiner Scherz, spielt überhaupt keine Rolle. Also Folgendes: die Bettzieche unterrichtet so eine Gruppe von Roma-Frauen und... - Nein, ich muss anders anfangen. Und zwar mit diesem Bettzieche-Zitat: Durch meine eigene Lebensentwicklung bin ich für viele von ihnen ein Vorbild. Sie achten und respektieren mich. Ich bin eine von ihnen. Zum ersten Mal wählen die Roma eine Frau als Leiterin – so etwas gab es noch nie bei den Roman.“

Ja, die ist schon einmalig, die Bettzieche. Sie ist „eine von ihnen“, aber natürlich auch Respektsperson. Sonst funktioniert das ja nicht, so ganz ohne Vorbild. Nun zur Bohnensuppe: Sie fragt diese Gruppe von Roma-Frauen: „Sagt mir! Wie kocht man eine gute Bohnensuppe?“ Was dann kommt, können Sie ja selbst nachlesen. Urkomisch jedenfalls: da zählt diese doofe kleine Zigeunerin alles auf, was rein muss („eine der klügeren von ihnen“) und – ich könnte mich kaputtlachen – vergisst das Wasser. Bettzieche fragte: „Und was ist mit dem Wasser“. „Ach ja, das Wasser.“ Zum Brüllen komisch, sagt aber schon alles.


Man darf sich freilich nichts vormachen! Bettzieche klärt auf: Roma sind zwar dumm, aber gerissen. Es folgen Originalzitate, alles Originalzitate aus der Broschüre „Stimme der Migranten“: Ihr Anliegen sei es, schreibt sie, “die Finanzierung von notwendigen Behandlungen der Roma sicherzustellen, indem ich dafür sorge, dass nicht das deutsche Gesundheitssystem damit belastet wird, sondern die Zahlungen über das jeweilige Heimatland erfolgen.“ Ja, richtig verstanden. Der „Stimme der Migranten“ liegt besonders am Herzen, dass die medizinische Versorgung derer, von denen sie eine ist, nicht zu Lasten des ohnehin schon klammen deutschen Gesundheitssystems erfolgt.

Sondern dass sie aus den prallvollen öffentlichen Haushalten Rumäniens oder Bulgariens bestritten wird. Doch: „Seit 2007 hat sich in Rumänien und Bulgarien herumgesprochen, dass man in Deutschland nur mit der Meldebescheinigung Kindergeld und Erziehungsgeld bekommt. Es gibt nicht wenige, die in Rumänien und Bulgarien leben und sich regelmäßig Geld von ihrem deutschen Konto abheben“. Na, die muss es ja wissen, die Bettzieche. Die plündern uns aus auf ganzer Linie, diese geistig minderbemittelten Roma. „Es ist Zeit, dass man mit den Regierungen dieser Länder ein ernstes Wort spricht“, fordert Bettzieche, und der Bundesinnenminister macht es.


Friedrich spricht ein richtig ernstes Wörtchen, was kaum weniger lächerlich ist, als das Gelaber unserer Gipsy-Queen, aber wunderbar den Futterneid des Klientel bedient. Hans-Peter ist zuständig für die breite Masse der Zukurzgekommenen, die irgendwie so ein bisschen das Gefühl haben, dass der Staat pleite ist, weil ein paar Habenichtse vom Balkan hier angebettelt kommen. Vasilka hat denen etwas zu bieten, deren Paranoia sich von jeher schon auf Menschen konzentriert, deren Hautfarbe ein bisschen zu dunkel ist, geschweige denn, ein bisschen viel dunkel ist. Pro-NRW, Pro-Deutschland und ähnliche Jeckenvereine.

Vasilka komm, lass gehen: „Wenn den Ländern durch die EU-Öffnung das ganze Volk wegläuft und Schäden in ganz Europa anrichtet. Ist das die EU? Ist es das, was sich die Länder der EU gewünscht haben?“ Nein, das ist nicht die AfD; nein, das ist die Bettzieche. „Deutschland ist ein attraktives Land durch die einfache Art, wie man das Geld erhält. Das ist der Grund für die Zuwanderung.“ Nein, das ist nicht die Deutsche Stimme; ja, das ist die Stimme der Migranten. „Solche Sachen möchten wir stoppen... Wir möchten aber auch Kriminalität und Illegalität verhindern.“


Schon klar: Frau Bettzieche befiehlt nicht. Wir folgen nicht. Sie möchte halt nur, die Vasilka Bettzieche. Sehr sympathisch eigentlich. Im letzten Zitat, hinter „stoppen“, dort, wo ich die drei Pünktchen hingesetzt habe, schreibt Bettzieche: Wir vertreten das Deutsche Gesetz und wir möchten die Menschen schützen, die hier leben.“ Das Deutsche Gesetz, „Deutsch“ groß – das ist zwar orthographisch falsch. Macht aber nichts; wir verstehen: es ist ernst. Aber, meine liebe Vasilka Bettzieche, noch etwas ist falsch: Ihr vertretet es schon mal nicht, das deutsche Gesetz. Haben wir uns verstanden?! Wir stoppen das nämlich!

Ist das klar, Bettzieche?! So, und jetzt Klappe halten und abtreten. Und zwar sofort! Gestern am späten Abend wurde in der Facebook-Gruppe „Stadtpolitik Duisburg“ diese Mitteilung gepostet: „`Ich schenk Dir die Peschen`- mit diesen Worten verabschiedete sich die Präsidentin der angeblichen Romavertreter aus ihrem Engagement in den Peschen. Stimme der Migranten, als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet!“ Mitgeteilt hat Rolf Karling, der Vorsitzende des Vereins „Bürger für Bürger“. Karling ist in die Kritik geraten, weil er punktuell mit Bettzieche kooperierte. Der Blick zurück ist müßig. Bettzieche ist weg. Jetzt lohnt ein erster kleiner Blick nach vorn.


Werner Jurga, 18.07.2013



Dieser Text ist bereits auf xtranews erschienen.



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