Roma-Zuwanderung


Samstag, 20. Juli 2013. Innerhalb der Facebook-Gruppe „Stadtpolitik Duisburg" hat Benjamin Albrecht heute einen Kommentar gepostet, den ich Ihnen nicht vorenthalten mochte. Ich präsentiere Ihnen diesen Text allein schon deshalb gern, weil er insofern bemerkenswert ist, als dass der Kern seiner Aussage bemerkenswert unbemerkenswert ist. Benjamin Albrecht artikuliert auf den Punkt gebracht, also in zugespitzter Form, Ängste, die tatsächlich von nicht wenigen Rheinhausern geteilt werden. Und auch nicht, wie ich finde, so ohne weiteres von der Hand zu weisen sind.  

Unter Bezug auf Aussagen eines In den Peschen lebenden Roma und eines Gesprächs mit dem Rheinhauser Bezirkspolitiker Karsten Vüllings kommt Albrecht zu dem Schluss, dass im Zuge des nächsten Jahreswechsels, ab dem die EU den Rumänen und Bulgaren die volle Freizügigkeit garantiert, “nicht Tausende, sondern ganze Dörfer und Städte nach Deutschland“ kommen werden. Ihm gehe es „nicht um Panikmache“, schreibt er; vielmehr wolle er daran mitwirken, dass sich „alle Instanzen auf den `schlimmsten´ Fall vorbereiten. Ich habe ihm geantwortet. Und auch mit dieser Antwort möchte ich Sie vertraut machen.


Werner Jurga, 20.07.2013



Tafel Bremerhaven (Foto: Radio Bremen)


Wann kommt die Flut?


Benjamin Albrecht an Werner Jurga:


Ich zitiere mal einen Roma, mit dem ich mich heute nachmittag über eine neue Wohnung und den Auszug der Familie aus dem Haus In den Peschen unterhalten habe: "2014 kommen nicht Tausende, sondern ganze Dörfer und Städte nach Deutschland. Angela "Jesus" Merkel und das deutsche Sozialsystem sorgen dafür, dass meine Landsleute heute schon in den Autos sitzen - Finger am Zündschlüssel.

Wie gesagt, das ist die Aussage eines integrationswilligen Roma, der weiß was in diesen Kreisen abgeht... 


Es ist die verdammte Wahrheit... Das weiß jeder, der mit dieser Situation befasst ist... Aber keiner wagt es offen anzusprechen; die denken immer noch, das erledigt sich von allein. Wird es aber nicht... Man denke nur mal an die Lawine, die auf Grund der Bezugsrechte zu ergänzenden Transferleistungen über die Stadt und die Jobcenter hereinbricht... Gerade in Rumänien stellen heute schon "Geldleiher" ganze Züge und Busse zusammen, um sich eine goldene Nase an unserem Sozialsystem zu verdienen. Merkel hat in Roma-Kreisen nicht umsonst den Beinamen "Jesus"... 


Quelle ist Herr Karsten Vüllings, den ich darum gebeten habe, diese Einschätzungen auch hier posten zu dürfen. Meine Meinung dazu ist: man sollte sich in allen Instanzen auf den "schlimmsten" Fall vorbereiten, Konzepte entwickeln und Aufklärung betreiben die allen zur Bewältigung solch einer Situation helfen. Dabei geht es um eine realistische Einschätzung samt Maßnahmenergreifung und nicht um Panikmache!!! Sollte der "schlimmste" Fall nicht eintreffen, umso besser.


Benjamin Albrecht, 20.07.2013




Werner Jurga an Benjamin Albrecht:


Lieber Benjamin, 


ehrlich gesagt finde ich es wirklich unverantwortlich, in diesem Ton solch eine Panik zu machen. Das ist ja ein Sound, als stünde der Weltuntergang bevor. Aber was Du wie eine Naturkatastrophe darstellst, ausgelöst von einer weltfremden Dame namens „Jesus Merkel“, sind arme Menschen, keine Steinklumpen, Orkane, Wassermassen oder so etwas. Du magst mich für moralisierend halten, Benjamin. Ich finde einfach: so zu reden oder zu schreiben, gehört sich nicht.  


Niemand weiß, wie viele Roma kommen werden. Ich selbst habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich davon ausgehe, dass sehr viele kommen werde, dass ich mithin das von Dir skizzierte Szenario für realistisch halte. „Lawine“, „schlimmster“ Fall – sag mal, Benjamin! Geht es noch?! Kennst Du unsere lieben deutschen Landsleute denn überhaupt nicht. Wenn wir anfangen, Menschen als „Lawinen“ oder auch nur „schlimme“ Fälle zu bezeichnen, zündeln wir. Dann machen wir die Brandstifter ganz fickerig, ungünstigstenfalls geben wir den Mördern den letzten Kick. Deshalb meine dringende Bitte: sei doch so gut und lass das!  


Es ist überhaupt nicht abzustreiten, dass ein solcher Einwanderungsschub eine Fülle ganz erheblicher Probleme bereiten würde. Die Erinnerungen an 1991/92 drängen sich auf. Wir kennen das: die betroffenen Städte wären über die Maßen in Mitleidenschaft gezogen. Die einheimische Bevölkerung in den betroffenen Stadtteilen – in der Regel auch nicht gerade vom Schicksal verwöhnte Leute – müssten einen echten Streifen durchmachen, und alles, was dranhängt.  


Gleichzeitig ist bzw. wäre es aber auch so, dass selbst bei großzügigsten Schätzungen die Gesamtbelastungen für die öffentlichen Finanzen in Deutschland nicht einmal in die Nähe dessen kämen, was schon seit Jahren in der Tagesschau wöchentlich locker hin- und hergeht und in Anbetracht des allmählich ins Bewusstsein geratenden Bedarfs an Reparatur- und Ersatzinvestitionen in die öffentliche Infrastruktur schlicht und einfach nicht der Rede wert wäre.  


Konkret: der jährlichen Kosten der „Armutseinwanderung“ dürften anfangs insgesamt (!) irgendwo zwischen 100 Mio. € und ½ Mrd € liegen. Mach Dich einfach mal schlau in Sachen Autobahn- oder Eisenbahnbrücken, in Sachen Kitaausbau oder Eurokrise! Dann wirst Du schnell erkennen, dass es vor allem um Verteilungsfragen geht und nicht um kaum darzustellende Volumina. Klar: diese Millionen müssen schon irgendwie dorthin fließen, wo sie gebraucht werden. Und das klappt in unserem deutschen Föderalismus häufig nicht ganz so gut. Sowieso schon nicht wegen dieser Interessendivergenzen. Plus Trennung zwischen staatlichen Kassen und Töpfen der Sozialversicherungen. Plus all dem Parteienstreit.  


Unser politisches System ist flexibler als in gar manch anderen Ländern, auf solche Ereignisse aber ist es wirklich nicht eben gerade zugeschnitten. Ich will die aus solchem (möglichen) Versagen resultierenden Folgen wirklich nicht kleinreden. Wenn wir unsere Schwäche aber verschweigen und so tun, als renne da ein im Grunde unlösbares Problem auf uns zu, lügen wir uns etwas in die Tasche, reden uns heraus, und – schlimmer noch – zeigen mit dem Finger auf Andere, stöhnen: „schlimm“ und fantasieren eine „Lawine“ herbei. Manche drehen unter dieser Hysterie durch und beginnen mit Mord und Totschlag. Denk bitte daran, Benjamin!  


Werner Jurga, 20.07.2013  



Benjamin Albrecht an Werner Jurga:


Von unlösbar hat niemand geredet. Auch nicht von einer Panikmache. Sondern von einer realistischen Einschätzung die auch Maßnahmen vorsieht, wenn viele Menschen kommen werden, was ich in hier als "schlimmsten Fall" benannt habe in Hinblick auf die ausschöpfung der Kapazitäten. Dass gerade Du, Werner, jetzt wieder an dieser einen Formulierung rumdoktorst und mir Panikmache vorwirfst, war mir fast schon klar, da das eine deiner Lieblingsbeschäftigungen ist. Wenn Du nicht siehst, dass wir im Grunde, bis auf die Ausformulierung, genau dieselbe Meinung haben, dann lies noch mal genau nach, was ich geschrieben habe. Zusammengefasst: Keine Panik + Maßnahmen auch für viele Zuwanderer vorsehen.





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