"In deiner kleinen Welt ist dann wieder alles heile, Werner..."

Zoff in der Facebook-Gruppe


Donnerstag, 4. Juli 2013. Also gestern morgen ist mir etwas passiert. Nur eine kleine Geschichte am Rande, aber ich muss Sie Ihnen unbedingt erzählen. Die Vorgeschichte: ich checkte noch aus meinem schönen, warmen Bettchen heraus meine eMails. Einige informierten mich darüber, dass mich Rheinhauser Mitbürger in Ihren Kommentaren auf Facebook erwähnt hatten. Politisch interessierte und aktive Mitbürger. Und da es sich nicht schickt, Namen zu nennen, befleißige ich mich folgenden Tricks. Die Rede ist von der Diskussion zu diesem Posting in der Facebook Gruppe „Stadtpolitik Duisburg“. Hier unten auf dieser Seite erwähne ich die Namen nur mit dem Anfangsbuchstaben des abgekürzten Familiennamens. Keine perfekte Anonymisierung, zugegeben.

Doch Ortsfremden dürfte die Re-Anonymisierung Probleme bereiten, und der NSA beißt sich bestimmt die Zähne daran aus. Das unten Dokumentierte stellt nur einen klitzekleinen Bruchteil einer ellenlangen Diskussion dar. Im Grunde möchte ich zwei meiner längeren Beiträge nur auch hier auf meiner Homepage festhalten. Die drumherum gruppierten kleinen Zitatschnipsel sollen die Debattenatmosphäre ein wenig vermitteln und verdeutlichen, dass (auch) meine Kommentare bzw. meine Person entschiedene Kritik erfahren mussten. Logisch: auch wer nicht Mitglied dieser Gruppe ist, kann dies alles lesen. Voraussetzung ist allerdings, bei Facebook angemeldet zu sein.  


Worum ging´s? Robert L., ein gebürtiger Duisburger, der nach dem Abitur den Absprung geschafft hatte und der heute in Hamburg wohnt, postete ein Video mit einem Beitrag des WDR Duisburg, das Metalldiebstähle und Vandalismus an zwei Kirchen im Duisburger Norden zum Thema hat. Als Täter werden in dem kurzen Filmbeitrag – auch aus meiner Sicht vermutlich zutreffenderweise – jugendliche Muslime verdächtigt. Das Video wurde daraufhin aufgepeppt und verbreitet von zwei (kath/ev) christlich-fundamentalistischen Vereinigungen und mit dem Titel „Christenverfolgung in Duisburg“ versehen. 

Robert L. aus H. hat es dann in die Facebook-Gruppe „Stadtpolitik DU“ reingestellt und folgendermaßen anmoderiert: „Frage aus der norddeutschen Diaspora nach Duisburg: Passiert das wirklich in meiner Geburtsstadt oder sind das alles wieder nur Einzelfälle?“ Und zwar schon am Montag Nachmittag. Am Dienstag wurde die Debatte engagierter und am Mittwoch richtig scharf und - wie unerfreulich! - von persönlichen Angriffen überlagert. Mittlerweile – in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag – sind 140 Kommentare zusammengekommen. Mein Versuch am frühen Mittwochabend, die Debatte zu beenden, ist kläglich gescheitert. Einem zweiten Versuch am späteren Abend schien ein besseres Schicksal zu widerfahren. Einige Stunden Ruhe, bis mitten in der Nacht Rolf K. dazwischen gedonnert hat.  


Verdammt! Das sollte doch alles nur „die Vorgeschichte“ werden. Eigentlich wollte ich doch etwas ganz Anderes erzählen. Getreu nach Mario Barth: wirklich wahr, echt passiert! Konkret, ich schwör: als ich gerade so richtig auf 180 war, angeregt durch unsere offene und freimütige Diskussion, aber vor allem durch das genauere Studium der Internetauftritte der beiden widerwärtigen christlichen Extremistengruppen, hatte es gestern morgen an meiner Tür geklingelt. Wirklich wahr! Ein Bruder und eine Schwester der Wachturmgesellschaft äußerten das Begehr, mit mir über Gott sprechen zu wollen.  

Ja, das ist jetzt aber eine andere Geschichte; die passt hier jetzt wirklich nicht mehr so gut rein. Ich erzähle sie vielleicht ein anderes Mal.


Werner Jurga, 04.07.2013


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Melanie M. hatte ihren ersten Beitrag mit dem Hinweis eingeleitet, sich auch schon „mit jungen Türken abgegeben“ zu haben und daraus so einige Rückschlüsse gezogen. Darauf bin ich eingegangen.


Werner Jurga an Melanie M.:

Auch wenn Sie sich mal „z.B. mit jungen Türken abgegeben“ haben, bezweifle ich, dass Sie zu Ergebnissen gelangen konnten, die repräsentativ sind. Denn der Türke – wie soll ich es erklären? Sagen wir so: es gibt von ihm, selbst wenn er noch jung ist, mehrere. Männlein und Weiblein, Waschechte Türken und Kurden, Nationalisten und Islamisten, manchmal sogar auch Linke, am meisten aber ganz normale Jugendliche, die mit Politik und Religion kaum etwas am Hut haben, sondern einfach hier etwas werden wollen.

Doch von dieser kleinen methodischen Schwäche Ihrer Analyse einmal ganz abgesehen. Sie beschreiben doch nur (wenngleich ziemlich unzutreffend). Sie schreiben, Extremismus sei für die türkischstämmigen Jugendlichen "eine bessere Identifizierungsplattform als das künstlich herbeigeredete Multikulti-Wunschdenken“. Wobei ich zu Ihren Gunsten annehme, dass Sie, Frau M., Extremismus freilich weder gut noch besser finden, sondern nur ganz nebenbei andeuten möchten, dass die Multikulti-Schwätzer die armen Türken in den Extremismus getrieben haben.

Und selbst wenn dem so wäre (nochmal: ich halte dies für keine Analyse, sondern für willkürliche Pickerei). Doch selbst wenn Sie mit alledem Recht hätten, Frau M.: was machen wir denn jetzt?!


Karsten V. an Werner Jurga (Auszug):

Werner, bei allem Verständnis, Du kannst über Deine kleine, heile Welt hinaus nicht über den Tellerrand schauen. Ich attestiere Dir gerne eine beachtenswerte Eloquenz, aber alle gegensätzlichen Meinungen mit wortgewaltigem Geschwafel ersticken zu wollen bringt uns hier nicht weiter.


Frau M., die ihren Beitrag mittlerweile gelöscht hat, konzedierte immerhin (Gedächtnisprotokoll), dass es um die Frage gehe, was denn jetzt zu machen sei, und sie gerade durch diese Frage motiviert sei, sich zum Thema zu äußern.


Werner Jurga an Melanie M.:

Mit Freude habe ich gelesen – und das sage ich ohne Häme, dass auch Sie sich so äußern, dass Sie Probleme auf den Tisch legen, getrieben von der Frage, was wir denn jetzt machen sollen. Ich hatte deswegen ein wenig konsequenter argumentiert (lt. Karsten V. „wortgewaltiges Geschwafel“), weil ich – vielleicht eine Folge der Roma-Diskussionen – befürchtete, Sie wollten sich mit der Darstellung begnügen „Der (junge) Türke ist schlecht.“ Karsten kann Recht haben, dass ich dazu neige, solcherlei „gegensätzliche Meinung“ ersticken zu wollen.

Denn da bin ich – selbst unterstellt, ich wäre in meinem ganzen Leben in meinem Schloss noch nie einem Türken begegnet – auch so absolut sicher: derlei feindseliges Abwenden provoziert die genaue Gegenreaktion auf der anderen Seite. Beide Gruppen (wenn wir das mal rein theoretisch so sehen wollen) ziehen sich auf sich zurück und bestätigen sich darin, dass die Anderen „die Bösen“ sind. Die Situation schaukelt sich hoch, und auf beiden Seiten äußern die besonders „Mutigen“ den „Gedanken“, dass man sich dies alles nicht länger bieten lassen dürfe.

Sie haben Recht, Frau M.: auch ich habe nicht das Patentrezept. Ich könnte jetzt wortgewaltig darüber schwafeln, was es so alles gibt und was ich so alles weiß. Das brächte die Diskussion nur weiter, wenn darin ein neuer kluger Gedanke steckte. Sonst bliebe es nur der schlappe Versuch der Angeberei. Ich beschränke mich auf zwei Dinge: 1. Nochmal: beide Seiten müssen die Scharfmacher in ihren Reihen stoppen. Immer und überall; das ist eine Frage von (etwas) Zivilcourage. 2. Dann, wenn es tatsächlich so nicht weitergeht, rufe man die Polizei. Klar.

Entscheidend ist aber ein anderer Punkt, der etwas mehr Zivilcourage erfordert. Ich kann ja nicht, wenn so Schnösel mit Migrationshintergrund vor meinem schönen Haus auf den Bordstein rotzen, die Polizei alarmieren. Ich könnte es ignorieren. Ich bin nicht dafür gemacht. Ich schätze ganz opportunistisch die Kräfteverhältnisse ein. Anders sieht es aus, wenn in provozierender Absicht Pizzaschachteln oder Chipstüten durch die Gegend geballert werden. Das kann ich nur als Anfrage werten. Und wer fragt, hat das Recht auf eine Antwort.

Sie mögen dies alles für die Grummelei des in seinem kleinen Teller gefangenen Spießers halten. Ja vielleicht. Aber wie sieht es aus, wenn wir es mit Nötigung zu tun haben. Wenn ältere benachteiligte Jugendliche (mit Migrationshintergrund) etwas jüngere, vermeintlich Bessergestellte (urdeutsch) abziehen. Ich werde bei passender Gelegenheit dem Karsten mal erzählen, wie oft wie viele Erwachsene mir meine Bitte um Hilfe bei der Intervention abschlägig beschieden hatten. Und nicht selten hatte ich nach Bereinigung der Situation den in ihrer Kleingruppe versammelten Feiglingen bei ihrem reaktionären Geschwätz zuhören dürfen. Dass mal so langsam etwas gegen die Türken unternommen werden müsste usw.

Genug der beachtenswerten Eloquenz...


Dirk H. an Werner Jurga:

Werner, wenn du sagst, "Karsten kann Recht haben, dass ich dazu neige, solcherlei „gegensätzliche Meinung“ ersticken zu wollen", hast du doch leider noch nicht erkannt, dass genau diese Art und Weise das Gegenteil bewirkt. In deiner kleinen Welt ist dann wieder alles heile, aber der Welt da draußen ist nicht geholfen. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten: du treibst die Leute in die genau entgegengesetzte Richtung.

Für dich ist alles ok, aber der Anwohner macht dann seinen Briefkasten auf und bekommt "Hilfe" angeboten. Da liegt dann ein kleiner Autoaufkleber "Heimreise statt Einreise". Du quatscht hier alles gut und rund, nichts ändert sich für den Anwohner und dann denkt dieser: hmmm "Heimreise statt Einreise", das ist die Lösung.


Unverkennbar ist die Debatte – hier waren wir am frühen Mittwochabend – etwas härter geworden. Weder Dirk H. noch ich können allerdings maßgeblich dafür verantwortlich gemacht werden, dass sie ein wenig später, wie ich im einleitenden Beitrag bereits erwähnt hatte, völlig aus dem Ruder lief. (Werner Jurga)







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