Sonntagsfrage März 2012

CDU/CSU

SPD

Grüne

Linke

Piraten

FDP

Sonstige

36 %

28,5 %

14,5 %

  7,5 %

  6 %

  3,5 %

  4 %

- 1

+ 1

+/- 0

+/- 0

- 1

+ 0,5

+ 0,5

Arithmetisches Mittel der neuesten Resultate von sechs Instituten
Die angegebenen Veränderungen beziehen sich auf die Werte vom Februar 2012.

 

Sonntag, 25. März 2012. Nach bewegtem Auf und Ab im Kalenderjahr 2012 hat sich in diesem Jahr (noch?) nicht allzu viel bewegt im Kräfteverhältnis der politischen Parteien – jedenfalls den Umfragen der Meinungsforschungsinstitute zufolge. Hier mal ein Pünktchen mehr, da mal ein Pünktchen weniger, doch im Grunde bewegt sich nicht viel. Die Veränderungen sind so marginal, dass ich im Februar ganz auf eine Kommentierung der Resultate (siehe unten) verzichtet habe. Stillstand seit etwa einem halben Jahr; einzig der kontinuierliche Zuwachs des Stimmenanteils für CDU und CSU fällt ins Auge: von Oktober 2011 bis Februar 2012 immerhin eine Steigerung um fünf Prozentpunkte. Doch auch dieser Trend scheint gestoppt; im März haben alle Institute etwas weniger für die Union gemessen.

 

Wie auch immer: von einer absoluten Mehrheit auf Bundesebene sind die rot-grünen Wunschpartner mit einem Umfragewert von jetzt 43 % deutlich entfernt. Im zweiten Quartal 2011 – also den Monaten „nach Fukushima“ - sah dies bekanntlich anders aus. Nicht die SPD war vor (knapp) einem Jahr stärker als jetzt – eher im Gegenteil -, sondern die Grünen profitierten von der Atomkatastrophe im fernen Japan mit einem „Zwischenhoch“, das sie nicht nur real in Baden-Württemberg, sondern auch in einigen bundesweiten Umfragen in die Nähe oder gar vor die SPD katapultierte. Die Ökopartei war kurz da vor, eine Debatte über die K-Frage, also über den Kanzlerkandidaten, zu eröffnen, als das Blatt sich wieder wendete. Merkel verkündete die Energiewende, die Erinnerung an Fukushima verblasste, und mit den Piraten war plötzlich unerwartete Konkurrenz für die Grünen da.

 

Die Umfragewerte für Bündnis 90 / Die Grünen schmolzen wieder auf Normalmaß, das jedoch immerhin – noch etwas klarer als bei der SPD – gut ein Drittel über ihrem Wahlergebnis bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 liegt. Damals erzielte Rot-Grün in der Summe 33,7 %; die jetzt gemessenen 43 % wären also knapp ein Drittel mehr. Das ist nicht wenig; zum Regieren jedoch zu wenig. Auch die Perspektiven erscheinen gegenwärtig diesbezüglich nicht allzu rosig. Der SPD scheint es nicht so recht zu gelingen, ein scharfes Profil zu bekommen und dies glaubwürdig mit dem Führungspersonal zu verbinden. Die grotesk anmutende Konkurrenz um die Spitzenkandidaten bei den Grünen wirkt – besonders auf die eigene „Kundschaft" – unattraktiv und abschreckend. Urabstimmung oder nicht.

 

Die Hoffnung bleibt, dass ein klarer Wahlsieg in NRW für Rot-Grün am 13. Mai neuen Elan bringen könnte. Die Zeichen dafür stehen gut; in allen Umfragen kommen SPD und Grüne auf 50 % (oder mehr), die CDU liegt bei 34 %, die FDP reißt die 5-%-Hürde klar, die Piraten dürften sie so eben schaffen, und die Linkspartei muss bangen. Beim gegenwärtigen Umfragestand hätte Rot-Grün, selbst wenn sowohl die Piratenpartei als auch die Linke in den Landtag einzögen, in NRW eine absolute und komfortable Mehrheit. Umso unerklärlicher ist es daher, warum sich Hannelore Kraft am Donnerstag bei Markus Lanz auf eine Diskussion über den Fall des Falles eingelassen hatte und dabei beinahe begonnen hätte, Norbert Röttgen auf seinem Irrweg zu folgen. Angesichts des haushohen Vorsprungs von Rot-Grün und Röttgens katastrophalen Gegurkes ein zu verkraftender Flüchtigkeitsfehler.

 

Werner Jurga, 25.03.2012





Arithmetisches Mittel der neuesten Resultate von sechs Instituten
Die angegebenen Veränderungen beziehen sich auf die Werte vom Januar 2012.




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