Oberbürgermeister Sören Link
(Foto: R. Levc via duisburg.de)


Sören Link ein Jahr im Amt

Duisburgs Schicksal


Sonntag, 30. Juni 2013. Warum?!? Wie oft habe ich mir diese Frage gestellt! Warum nur, warum? Warum bloß haben die letztes Jahr den Sören Link genommen und nicht, sagen wir mal, mich? Als Oberbürgermeister. Natürlich! Was haben Sie denn gedacht?! Witzig. Na jedenfalls: die hätten doch auch, nur mal so als ein Beispiel, genauso gut mich nehmen können. Oder mich wenigstens einmal fragen können. Haben sie aber nicht. Wenn das nicht komisch ist, was ist es dann?! 

Ich habe mir diese Kuriosität ja bislang insgeheim damit erklärt... - richtig: nur „insgeheim“. Ich habe das nicht an die große Glocke gehängt, ich konnte das schließlich nicht zweifelsfrei belegen. Ich wollte da einfach keine große Sache draus machen. Ich selbst war mir allerdings sicher. Sagen wir mal: ziemlich sicher. Es musste an diesen 15 Zentimetern gelegen haben, dachte ich. Wie anders hätte ich mir denn diese stillose Herabsetzung meiner Person sonst erklären sollen?! 

Als mit diesen beschissenen 15 Zentimetern. Wie bitte? Die sagen Ihnen jetzt nichts, diese 15 cm? Ach so. Also: diese 15 Zentimeter beschreiben nichts an Sören Link und erst recht nichts an mir. Sie sind einfach nur das, was uns beide unterscheidet. Der kleine Unterschied und seine großen Folgen, wenn Sie so wollen. Ja, es ist wahr: ich bin nun einmal nicht so ein ganz Großer. Er ist einfach... - verstehen Sie?! „ist“ nicht „hat“! Er ist einfach der Längere. Dachte ich bislang.  


Wobei: das ist auch so. Sören ist 194 cm lang, und ich nur 179 cm. Na und?! Ist das etwa ein Grund...? Nein, ist es nicht, und war es auch nicht. Ich hatte es gedacht. Falsch gedacht. Kann passieren. Fertig. Der wahre Grund (in Fachkreisen: „die eigentliche Ursache") liegt irgendwo ganz anders. Und das hätte ich wirklich nicht gedacht. Da wäre ich echt niemals drauf gekommen. Ist aber so. Oder, diesmal will ich etwas vorsichtiger sein: es könnte so sein...  

Und so etwas erfährt man erst, wenn der Mann schon ein Jahr im Amt ist! Nun ja, egal: Sören Link ist jetzt ein Jahr Oberbürgermeister, und Geburtstag hat er auch noch gehabt. Da hat die Duisburger WAZ ein ganz großes Interview mit ihm gemacht. Gut, so weit nichts Besonderes. Aber was muss ich da lesen?! Passen Sie auf! Ich zitiere, und zwar wörtlich: „Ich stehe jeden Morgen motiviert auf.“ Gong! Das sitzt. Da kann ich natürlich nicht mithalten. Da konnte ich nicht mithalten. Das war´s. 

So sieht es aus. Man kann nicht immer Sieger sein. „Ich stehe jeden Morgen motiviert auf.“ Erstens stehe ich nicht jeden Tag auf, zweitens wenn, dann eigentlich fast nie morgens, und drittens: „motiviert“ - ja, warum das denn?! Das heißt: falsch. „Wozu“ muss es heißen. „Motiviert wozu“. „Motiviert zu großen Taten“, könnte man bspw. sagen. „Motiviert warum“ ginge evtl. auch: „Ich bin motiviert, weil ich...“ ließe sich bspw. formulieren. Allerdings: das will eigentlich kein Mensch wissen. 


Wenn Du kein Ziel hast, dann hast Du keinen Grund, warum Du morgens aufstehen solltest“, erklärte mir dereinst ein Kollege im Erwerbsleben. Ja, auch so etwas ist schon vorgekommen. Ich habe viel im meinem Leben erlebt, und der Kollege hatte Recht. Wahrscheinlich. Der Philosoph fragt jetzt natürlich: Welches Ziel denn? Oder: ist vielleicht der Weg das Ziel. Oder das Ziel der Weg? Und überhaupt: hat das alles überhaupt einen Sinn? Weg und Ziel – ohne Sinn erscheint alles so sinnlos! 

Und was hat dieser ganze Quatsch jetzt eigentlich mit Duisburg zu tun? Oder mit Sören Link? Ist Duisburg das Ziel und Sören der Weg? Oder umgekehrt? Wir wissen: Sören ist motiviert. Wir wissen auch: Duisburg an sich ist sinnlos. So sinnlos wie das Leben an sich. Man kommt nicht darum herum, ihm einen Sinn zu geben. Am besten dann, wenn man zufälligerweise gerade dazu motiviert ist. Günstig wäre, der Lebenssinn passte irgendwie zu einem selbst. Vielleicht bin ich auch deshalb nicht OB geworden. 

Aber das muss Sie ja nicht interessieren. Damit kann ich nur selbst irgendwie fertig werden. Oder auch nicht, mal sehen. Doch bleiben wir doch jetzt einmal bei Duisburg! So wie Sie Ihrem Leben einen Sinn geben sollten - oder es versäumen oder, wie ich z.B., sich auf einen nicht recht passenden Sinn versteifen – so sollte sich auch Duisburg irgendwie einen Sinn geben. Während des Wahlkampfes um das Amt des OB ist im Rahmen der „Kulturdiskussion“, etwa der Debatte über die Kosten der Oper, hin und wieder geäußert worden, einen solchen Sinn Duisburgs diskutieren zu wollen.  


Irgendwie, irgendwo, irgendwann. Auf jeden Fall: nach der Wahl. In aller Ruhe. Was dabei dummerweise jedoch übersehen worden war: wer bitteschön sollte nach einer Wahl motiviert sein, so etwas diskutieren zu wollen. Selbst Menschen, oder besser: gerade Menschen, die jeden Morgen aufstehen, weil sie motiviert sind... - warum oder wozu auch immer sie motiviert sein mögen. Jedenfalls ist bislang noch niemand angetroffen worden, der es am frühen Morgen aus seinen Federn raus geschafft hätte, weil er/sie es nicht abwarten konnte, den Sinn oder Unsinn Duisburgs zu erörtern.  

Jesus ist der Weg“, heißt es auf einem Autoaufkleber. Das mag hinkommen, obwohl sich der Sinn dieses Satzes mir nicht so richtig erschließen will. Aber gut: Jesus, von mir aus. Aber Duisburg? „Duisburg ist der Weg“? Jetzt mal im Ernst: Duisburg, der Weg – das ist Unfug. Duisburg, das Ziel – hier kommen wir der Sache schon etwas näher. Allerdings: mit der Parole „Auf nach Duisburg!“ ist auch noch nicht das Rührei des Kolumbus gefunden. Hallo Stadtmarketing! „Auf nach Duisburg!“? - Finger davon lassen!  

Duisburg, meine lieben Mitbewohner, ist nicht das Ziel. Duisburg ist auch nicht der Weg. Duisburg ist – aufgepasst! - die Drehscheibe. Jawohl: die Logistik-Drehscheibe. Logport, ein Ziel auf dem Weg, ein Weg zum Ziel. Logistik, das macht Sinn. Auch wenn Duisburgs Sinn als Weg-Ziel-Drehscheibe einzig dem „Zufall der Lagegunst“ (Willi Mohrs in der WAZ) geschuldet ist: Zechen kommen und gehen, Stahlwerke kommen und gehen, sogar Oberbürgermeister. Einmal gegangen, kommt nichts davon wieder. Die Rhein-Ruhr-Lage bleibt. Sie ist Duisburgs Seinsgrund, Sinn und... Schicksal.


Werner Jurga, 30.06.2013




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