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John Wolfskind:

Zu Hause draußen


Sonntag, 10. Juli 2011. „An jedem Spruch ist etwas Wahres dran“, meint andreas48. Da wäre ich nie drauf gekommen. Das ist das Gute am Internet: man bekommt so manches mit, was einem ansonsten auf ewig verborgen geblieben wäre. „An jedem Spruch ist etwas Wahres dran“, was dann vermutlich auch für diesen Spruch gelten dürfte. andreas48 ist ihn auf der Online-Plattform gutefrage.net losgeworden, und zwar schon vor einiger Zeit, als es nämlich um die Frage ging: "Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Was denkt ihr dazu?“  
Echt. Eine verdammt gute Frage. Die Sunshinejani hat sie gestellt, und damit ist sie bei gutefrage.net an sich auch total richtig. Nur: Frage ist nicht gleich Frage. Mal geht es um Wissensfragen, mal um Meinungen. Sie müssen sich das so vorstellen wie z.B. den Unterschied zwischen Natur- und Sozialwissenschaften. Jedenfalls: die Sunshinejani hatte ihre gute Frage falsch einsortiert. Prompt bekam sie Elektropost von Paula vom gutefrage.net-Support: Liebe Sunshinejani, gutefrage.net ist eine Ratgeberplattform. Mit deiner Frage suchst du keinen Rat, sondern die Diskussion mit der Community und die gehört bitte ins Forum … Schöne Grüße – Paula“.  

Na und?! Muss man denn so eng sehen?! Egal, Sunshinejani hat trotzdem vierzehn Antworten erhalten, und wir Internet-User haben alle etwas davon. Die erste kam von heialex: „Stimmt genau“, also dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gebe. Auch Zwergenmama meint: „Ist total richtig! Mit der passenden Kleidung kann man immer raus!“esmeralda111: „bin ganz deiner Meinung“. Gabelchen: „Genauso sieht´s aus ...“, usw. usf. Einzig rockbenni20 deutet ganz zart ein wenig Dissidenz an, wenn er anmerkt: „Es gibt keine schlechten Fragen, nur schlechte Antworten ...“
Soweit aus der Diskussion der Gute-Frage-Netcommunity. Das Meinungsbild ist ziemlich eindeutig; aber es scheinen mir doch Laien zu sein, die hier ihre Position zu dieser zwar guten, aber doch komplizierten Frage zum Besten geben. Sicher ist sicher. Besser lieber noch einmal gucken, was richtige Profis zu diesem Problem sagen. Das Safariteam stellt fest: „Dieser Spruch …“ – nämlich: es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung – „hat besonders bei Jagdreisen oder heimischen Jagden bei Mistwetter seine Berechtigung.“ Hatte ich es mir doch gedacht! Damit ist der Fall klar.

Jetzt müssen wir nur noch wissen, welche Kleidung … - müsste eigentlich aufs Wetter ankommen. Ach nein, das kann ja nicht; schließlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern … - klar! Das Safariteam empfiehlt: „Am Körper Netzunterwäsche aus Meraklonfaser“. Okay, eigentlich logisch. Meraklonfaser. Wie bitte? Die kennen Sie nicht?! Nun ja, vermutlich sind Sie kein Biker. Die brauchen nämlich Meraklon. Guckst Du: „DRY Funktionsunterwäsche besteht aus Meraklon. Eine Faser, welche in der Lage ist, das Körperklima zu halten. Es hält Sie im Winter warm und im Sommer ist es in der Lage, durch die Schweißverdunstung zu kühlen.“ (Alle Kommata nachträglich von mir hinzugefügt, W.J.)
Das ist doch wohl echt klasse, nicht wahr?! Ich frage mich nur, wie die das fertig bringt, diese Faser. Weiter im Text: „Das Netzgewebe hat die Eigenschaft, den Schweiß vom Körper zügig aufzunehmen und an die darüber liegende Schicht abzugeben. Durch diese Funktion bleibt Ihr Körper immer trocken.“ (Orthographie von mir gründlich überarbeitet, W.J.). Ja, wie geil ist das denn?! Der Schweiß vom Körper wird zügig aufgenommen, und diese Schweißverdunstung bringt voll die Kühlung. Netzunterwäsche aus Meraklonfaser – für mich gibt es nichts Anders mehr!

Sie müssen nämlich wissen: ich habe etwas Last mit der Hitze. Das liegt daran, dass ich eine Geschichte mit den Nerven habe. Gucken Sie hier! Da stehe ich draußen, für das Novemberheft, die Fotos wurden also schon im Oktober gemacht. Oktober geht; der ist im Herbst, ähnlich gut wie der Frühling. Nur eben diese Übergangszeit! Diese Wetterwechsel bekommen mir gar nicht. Okay, nicht so schlimm wie der Winter. Gegen diese Kälte komme ich partout nicht an. Aber das Schlimmste, wie gesagt: der Sommer. Im Hochsommer muss ich wirklich aufpassen. Andererseits: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung.
Das habe ich jetzt gelernt. Wie gut, dass es das Internet gibt. Jetzt hänge ich immer mit meiner neuen Netzunterwäsche bei uns auf der Terrasse rum. Herrlich! Zu Hause draußen. Das ist sowieso mein Motto. Was könnte schöner sein als zu Hause draußen. Okay, dieses Motto ist nicht von mir. Ich weiß: es ist von diesem Klamottenhersteller aus England (oder Amerika?). In Ordnung, d.h.: gut so! Denn manchmal, auch wenn es ziemlich warm ist, komme ich mit der Netzunterwäsche nicht hin.

Und dann ist das Problem da. Die Nachbarn (und Nachbarinnen!) schauen ganz anerkennend auf meine Netzunterwäsche aus Meraklonfaser. Aber ich friere. Ziehe ich mir dann jedoch meine normalen Plörren an, öle ich aus allen Knopflöchern. Von wegen „den Schweiß vom Körper zügig aufnehmen und an die darüber liegende Schicht abgeben“! Pustekuchen. Auch die beste Meraklonfaser kann nur dann ihren Job erledigen, wenn darüber die Klamotten ebenfalls stimmen. Deshalb: zu Hause draußen – das geht selbstverständlich nicht ohne die Marke mit der Tatze. Menschenskind! Wie heißt die denn noch mal?

Also, Sie merken schon: aus Markenklamotten mache ich mir echt nichts. Affig. Und reine Geldschneiderei. Meistens. Allerdings nicht immer. Leider. Das schöne Geld, aber outdoor komme ich ohne diese Tatzensachen einfach nicht (mehr) zurecht. Wirklich astrein verarbeiteter Zwirn. Der schützt nicht nur vor Wind und Wetter, wie man so sagt, also vor Regen und Sturm, sondern auch vor Hitze. Wenn es so richtig bullenheiß ist, wenn selbst meine neue Netzunterwäsche mit der Kühlung durch Schweißverdunstung nicht mehr zurecht kommt, dann kann echt nur noch einer helfen…
Aber wie heißt der nochmal? Verflixt. Ist doch so bekannt, sein Name. Eine Marke. Wie die sich in den letzten Jahren durchgesetzt hat! Na klar: Qualität setzt sich durch. Mmhh, John Soundso, zu Hause draußen. Und dann immer diese Tatze, diese berühmte Tatze. Von einem Bär oder Wolf oder so … - John … - Ich komme nicht drauf. Verdammt! Dabei habe ich diese Tatze doch als Aufkleber auf meinem SUV.

Ach, na klar: John Wolfskind heißt er. Ist mir der Name doch noch eingefallen. Nun ja, ich mache mir nun einmal nichts aus Markenklamotten. Und Reklame mache ich auch nicht. Ich sage nur: die Sachen bringen es einfach. Gerade im Sommer. John Wolfskind: zu Hause draußen. Und drunter die Netzunterwäsche.

Werner Jurga, 10.07.2011


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