Rheinbrücke Leverkusen (Bild: A.Savin - via Wikipedia)



Der Sand wird knapp (Teil 1)

Jetzt heißt es aber wirklich: Sparen!

 

Freitag, 28. Juni 2013. Gestern im Deutschen Bundestag. Endlich geht’s los, d.h.: endlich geht er los: der Wahlkampf. Das wurde aber auch Zeit! Aber wenn der erst einmal loslegt, der Steinbrück! Ja Junge, er kann es also doch, der Peer. Warum nicht gleich so?! „Wenn Sie die Wüste regieren, wird der Sand knapp.“ Prasselnder Applaus der SPD-Fraktion. Peer Steinbrück freut sich und setzt sofort nach: „Ja, so ist das.“ Da kriegt sich auch Renate Künast vor lauter Begeisterung kaum noch ein und klatscht sich die Hände wund. Und wie die Merkel da geguckt hat! Echt, ganz großes Kino. Das war wirklich klasse, Peer! So macht Wahlkampf richtig Spaß. 

Das Wichtigste ist natürlich, dass man das auch mal versteht, was die da oben sagen. Und das mit dem „Sand knapp“ habe ich sofort verstanden! Ist doch logisch: wenn die Merkel – nur mal so als Beispiel – die Wüste regiert, dann – ich könnte mich kaputtlachen – wird der Sand knapp. Verstehen Sie?! In der Wüste – da gibt es doch Sand wie Sand am Meer! Das heißt doch wohl: wenn die Merkel das hinbekommt, selbst dort den Sand irgendwie wegzubekommen, dann... - Dann bringt die es eben nicht. Ganz einfach erklärt. Das war spitze! Das erinnert an die großen Zeiten von Strauß und Wehner und so, wo Politik noch so richtig Spaß gemacht hatte.  

Was das jetzt so ganz genau mit dieser Sandknappheit auf sich hatte, nun gut, das war schon ein wenig komplizierter. Der Steinbrück ist ja Finanzexperte, genau wie der Strauß – damals. Bis ich erst einmal dahintergekommen bin... - egal: jetzt habe ich´s. Die machen viel zu viele Schulden, wollte er sagen, der Steinbrück. Mir ist das spätestens dann klar geworden, als der Jürgen Trittin von den Grünen etwas später gesprochen hat. „Schulden, Schulden, Schulden“ - das wäre das Einzige, was die Regierung hinbekäme. Hat er gesagt, der Trittin. Und das, wo doch die Wirtschaft so gut läuft! Noch mehr Schulden, die armen Kinder. Knallharte Oppositionspolitik. 


Vorgestern im Vereinsheim des VfL Rheinhausen. Die SPD hatte den NRW-Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr eingeladen. Das wurde aber auch Zeit! Und wenn der erst einmal loslegt, der Michael Groschek. Dann gibt es nicht nur prasselnden Applaus, dann ist der Sand knapp. Moment, mal eben neu sortieren! Also, es war so: der Mike Groschek hat Beifall dafür bekommen, dass er mal so ganz genau erzählt hatte, wie knapp der Sand ist, und was dagegen getan werden müsste. Sand ist nämlich, wie die Fachleute unter uns wissen, ein Baustoff. Und die eine oder andere Schippe Sand müsste dringend mal gebaut oder einfach nur verbaut werden. 

Na klar, der Mike ist der zuständige Minister und hat deshalb schon längst damit angefangen. Erinnern Sie sich an die Rheinbrücke in Leverkusen. Nein, die wurde nicht neu gebaut, die wurde einfach nur repariert. Im Januar und Februar, als keine LKW drüber durften. Jetzt wird sie freilich immer noch repariert, und zwar mindestens bis 2020. So lange gilt auf der Brücke Tempo 60 – geht ja auch mal. Ich meine: das Ding ist von 1965. Da kann so ein Bauwerk auch schon mal ein bisschen porös werden oder bröckelig. Da muss man sich kümmern. Vielleicht baut man am besten doch gleich eine neue. Oder noch besser: einen Tunnel. Ist natürlich nicht ganz billig. 

Aber das geht uns ja nichts an. Irgendwie werden die Leute schon von Leverkusen-Wiesdorf nach Köln-Merkenich kommen. Auch, dass die die Ruhrtalbrücke zwischen Mintard und Kettwig jetzt für ein Vierteljahr lang zumachen, sollte uns eigentlich nicht interessieren. Die Empfehlung, statt der A52 jetzt über das Kreuz Kaiserberg zu fahren, finde ich freilich nicht ganz so gelungen. Aber es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Als im letzten Sommer in Essen die A40 ein Vierteljahr lang gesperrt war, hat doch auch alles prima geklappt. Wir schaffen das schon! Allein: die ganzen Kosten – die bereiten mir doch irgendwie Kopfzerbrechen. 


Mike Groschek hat erzählt, dass bislang 120 Brücken untersucht wurden. Davon müssen 80 ganz dringend instandgesetzt werden. Nicht zu vergessen: die übrigen rund 700 Brücken in NRW, die auch noch zu überprüfen wären. Damit wären schon einmal gut vier Milliarden Euro weg. Unsere Trompeter Brücke ist da jedoch genauso wenig mit drin wie alle anderen innerstädtischen Brücken, an denen mal etwas gemacht werden müsste. Zu einem echten Posten könnten sich aber all die Eisenbahnbrücken entwickeln. Die sind nämlich so um die 100 Jahre alt. 

Der Sand wird knapp. Aber an der Reparatur der Eisenbahnbrücken führt kein Weg vorbei. Es wird nicht mehr allzu lang dauern, bis die erste von einem Tag auf den anderen aus Sicherheitsgründen geschlossen wird. Das wird dann ein echter Event. Es wird keine große Rolle spielen, ob die zu 100% im Bundesbesitz befindliche Bahn AG oder der qua Verfassung schuldengebremste Staat für die Kosten herangezogen wird. Nichts geht mehr: der Sand ist knapp, aber der Staat hat keinen Kies. Die Bahn erst recht nicht. Alles Schwarzmalerei? Oder merken wir gar nicht mehr, dass die Bremswirkung der Schuldenbremse längst eingesetzt hat.


Werner Jurga, 28.06.2013




Der Sand wird knapp (Teil 3)
Die große Illusion




Seitenanfang