Döring und der Undank:
An Hernes Himmelpforte

 

Dienstag, 6. März 2012. Das ist Patrick Döring. Herr Döring ist Generalsekretär der Freien Demokratischen Partei oder auch, wie die politischen Fachleute sagen: der FDP. Noch keine hundert Tage, aber doch schon fast ein Vierteljahr. Rufen wir uns zunächst einmal in Erinnerung, wer Herr Döring ist, und vor allem: wer oder was die FDP ist! Dies ist deshalb so bedeutsam, weil Herr Döring der Bild am Sonntag, kurz: BamS, ein Interview gewährt hat. Und übrigens: falls Sie nicht dazu gekommen sein sollten, sich die BamS an der Tanke oder beim Bäcker zu besorgen: das Interview ist illustriert mit einem wunderhübschen Foto von Herrn Döring. Schauen Sie einfach mal hier!

 

Nun aber zur Sache: der Herr Döring, also der Patrick … - die hatten nämlich auch mal einen Walter. Die, das heißt: die FDP. Und die FDP, das sind die Liberalen. Sagen sie jedenfalls … - Mist! Irgendwie habe ich mich jetzt schon wieder verzettelt. Kein Wunder! Das ist aber auch ein aufregendes Thema. Also, noch einmal neu: Patrick Döring, so lesen wir es bei Wikipedia, wuchs auf in Himmelpforten, einer 5000-Seelen-Gemeinde im Landkreis Stade. Das Atomkraftwerk dort steht zwar noch, ist aber schon gut acht Jahre abgeschaltet. Es war etwa ein Jahr am Netz, als Klein-Patrick das Licht der Welt erblickte und von nun an Himmelpforten unsicher machte. Es folgte eine strahlende Zukunft.

 

Schon als Schüler trat Patrick Döring der FDP bei. FDP, mmhh … wie soll ich das jetzt erklären?! – Ich sagte ja schon: das ist eine Partei. Für die Polit-Freaks unter Ihnen: gegenwärtig in Deutschland (noch) eine Regierungspartei. Die sich übrigens in bestimmten Bevölkerungsgruppen eines enormen Zuspruchs erfreuen darf. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen eindrucksvoll, dass drei (!) Prozent aller (!) Wahlberechtigten für diese Partei stimmen würden. Den Nicht-Polit-Freaks unter Ihnen sei empfohlen, diesem Geheimtipp zukünftig etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken! Zurück nach Himmelpforten. Diese puzzelige Samtgemeinde nennt übrigens auch der Weihnachtsmann sein Zuhause.

 

Jedenfalls hat er dort seine Postadresse, der Weihnachtsmann (An das Christkind; Postfach 10 01 00; 21709 Himmelpforten). Und in der Weihnachtszeit wird Himmelpforten zum Christkinddorf. Wunderbar. Wenn Sie also dergestalt gesegnet sind, dort nicht nur während der Adventszeit mal kurz reinschnuppern zu dürfen, sondern Ihre ganze Kindheit an der Himmelpforte verbringen zu können, dann, ja dann … sind Sie – vorausgesetzt Sie sind beizeiten in die FDP eingetreten, so wie zum Beispiel unser Patrick Döring - ruck zuck stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, Kreisvorsitzender der FDP in Stade, stellvertretender Bezirksvorsitzender der FDP Hannover/Hildesheim und sogar Mitglied des niedersächsischen FDP-Landesvorstands.

 

Da lernen Sie dann bspw. den netten Herrn Rösler kennen. Sie wissen schon: das ist der, der einen Frosch nicht in kochendes Wasser absetzen würde, allein schon deshalb nicht, weil der dann sofort wieder raus hüpft. Und wenn Sie den erst einmal kennengelernt haben, dann steht die Himmelpforte offen, dann können Sie alles werden. Stellvertretender Vorsitzender und verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion und Bundesschatzmeister der FDP. Wenn dann auch noch so ein hoch talentiertes Kerlchen wie der Christian Lindner als Generalsekretär der FDP zurücktritt, werden Sie noch am gleichen Tag als dessen Nachfolger nominiert. Patrick im Glück.

 

Angela im kalten Wasser, in das der nette Herr Rösler sie gesetzt hatte, damit sie da nicht sofort wieder raus hüpft. Philipp macht es ganz langsam heißer, bis es kocht und freut sich dabei einen Ast ab. Philipp Rösler hatte geliefert, immerhin den Gauck. Und wenn Sie jetzt Patrick Döring sind, also dessen Generalsekretär, dann müssen Sie jetzt freilich auch etwas liefern. Allerdings etwas Gescheites; doch was hat Döring gemacht? Als erstes einmal den eigenen Chef in einem Stern-Interview so richtig zur Schnecke. "Rösler ist kein Kämpfer", erklärte der Himmelpfortener sogleich als Dank für seine Ernennung als FDP-Generalsekretär. Vielmehr sei der Parteichef ein "Wegmoderierer" und „dünnhäutig“ noch dazu.

 

Das war natürlich nichts, was der Patrick Döring da geliefert hatte. Zugegeben: durchaus Sprüche, wie sie Generalsekretäre ständig über Parteivorsitzende von sich geben. Allerdings über die Chefs anderer, gegnerischer Parteien! „Kein Kämpfer“, "Wegmoderierer“, „dünnhäutig“ – an und für sich gut gebrüllt, Döring! Bester Generalsekretärssound. Nur halt suboptimal, wenn man den eigenen Obermacker damit meint. Und wenn genau der einen ein paar Tage zuvor ins Amt gehievt hat, könnte es fast schon ein wenig nach Undankbarkeit aussehen. Dabei hatte der Himmelpfortener – so frisch auf dem neuen Posten – da nur etwas durcheinandergebracht. Aller Anfang ist schwer.

 

Doch inzwischen hat er sich warmgelaufen, ist er warm geworden mit seinem neuen Job, der gute Patrick Döring. Das Interview in der Bild am Sonntag - tadellos! Hier zum Beispiel, der neue FDP-Generalsekretär fordert Steuersenkung. Klasse! „Die Regierung könnte die Autofahrer auch direkt entlasten, indem sie die Pendlerpauschale erhöht oder die Mineralölsteuer senkt.“ Könnte sie doch mal machen, die Regierung. Benzinpreispopulismus vom Allerfeinsten! Nur noch zu toppen mit einer Sache, die den kleinen Mann auf der Straße so richtig in Wallung bringt. Nämlich die Untugend der Undankbarkeit. Besonders die des Griechen gegenüber dem Deutschen.

 

O-Ton Döring: „„Es ist nicht zu spät für ein Wort des Dankes und der Anerkennung für die Solidarität der Deutschen.“ Astrein! Aber auch haargenau die Gefühlslage des kleinen Mannes getroffen, wie er bspw. im schönen Herne aufgespürt werden könnte. „Das ist der Dank für bisher geleistete Hilfen“, mault er dort über den Griechen, oder auch: „Als Geldgeber für Rettungspakete und Devisenbringer sind wir gut genug“. Und Herne ist überall! Das Blöde ist nur: man hat es in Herne – fast schon traditionell – irgendwie nicht so mit der FDP. Gewiss: auch dies ein klassischer Fall von Undankbarkeit. Döring wird es wegstecken können. Was ist schon Herne – im Vergleich zu Himmelpforten?!

 

Werner Jurga, 06.03.2012




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