Wir werden alle überwacht

Datenklau in ungeahnten Ausmaßen



Sonntag, 23. Juni 2013. So, jetzt schlägt´s aber 13. Jetzt reicht es aber echt! Sind denn meine Daten vor nichts und niemandem mehr sicher?! Das nimmt allmählich wirklich überhand. Das mit dem Datenklau. Schlimm ist das! So, als ob es keine Privatsphäre mehr gäbe. Von Intimsphäre will ich erst gar nicht sprechen. Das juckt die alle überhaupt nicht; jawohl: alle nicht! Die klauen alle wie die Raben; jawohl: alle! Glauben Sie mir: was da abgeht... - äh: hier abgeht... - also: überall abgeht... - Dagegen war George Orwells 1984 Ponyhof! „Big Brother is watching you“? Wenn es nur der wäre! Und wenn es nur Watching wäre! Die glotzen nicht nur, die hören auch zu, die kopieren alles Mögliche; kurz: die machen, was sie wollen. 


Wer die sind, diese „Die“? Ja, Himmelherrgott! Das habe ich doch schon gesagt. Alle. Damit auch Sie das endlich checken, kann ich es auch gern buchstabieren: A, L, L, E. So, haben wir es jetzt?! Hier, die WAZ vom letzten Dienstag, 18. Juni 2013, der Aufmacher auf der Seite 1: „Jede zweite Firma in NRW wird ausspioniert“. Jede zweite... - überlegen Sie sich das nur einmal! Und dann, unter der fetten Schlagzeile die Überschrift: „Zahl der Attacken aus China, Russland und dem Iran nimmt zu“. Und die meisten Attacken – das ist das Schlimmste! - werden nicht einmal bemerkt. Aber Attacke bleibt Attacke. Wenn wir es, wie in unserem Fall, mit ganz, ganz vielen Attacken zu tun haben, sprechen wir von „Krieg“. Für die Fachleute: „Cyber-Krieg“. 


Nehmen Sie das mal nicht auf die leichte Schulter! So ein Cyber-Krieg ist nämlich nicht ohne. Ganz im Gegenteil: heimtückisch ist er. Viel heimtückischer natürlich als ein richtiger – oder sagen wir besser: konventioneller Krieg. Logisch: wenn die Panzer rollen und ballern, wenn Kampfflugzeuge ihre Bomben abwerfen oder wenn in der Nachbarschaft Raketen einschlagen, das kriegen Sie ja sofort mit. Aber so ein Cyber-Krieg. Den können Sie nicht spüren, nicht hören, nicht riechen, nicht schmecken, gar nix... Absolut heimtückisch. Der Cyber-Krieg ist in vollem Gange, und Sie merken nicht einmal etwas davon. Grauenhaft! So ähnlich wie Radioaktivität. Sie spüren, hören, riechen und schmecken nicht die Bohne; und doch ist alles zu spät.  



Bild: #obamainberlin (Twitter)



Sie sind hoffnungslos verloren, infiziert bis zum Gehtnichtmehr, Überlebenschance gleich Null – in diesem Fall für Ihr Privatleben. Der Russe weiß alles, der Chinese auch (ach Du Scheiße: der Chinese!) und sogar die Ayatollahs. Das ist mir eigentlich am unangenehmsten, ausgerechnet diese Vollbartopas in ihren langen schwarzen Kleidern. Dass gerade die nun haargenau wissen, dass ich... - echt, zum Kotzen! Aber gut: Russen, Chinesen, Iraner – das sind immerhin die Feinde. Da hätte man sich ja, wenn man nachgedacht hätte, fast schon so etwas denken können. Aber was diese Woche über die Amis herausgekommen ist. Der Hammer! Sie können sich überhaupt nicht vorstellen, wie enttäuscht ich von Obama bin!!!  


Friedensnobelpreisträger – führt aber Cyber-Krieg. Bürgerrechtspräsident – will aber wissen, wie oft ich meine Unterhose wechsele. Und was habe ich auf diesen Obama gesetzt! Aber jetzt hat Edward Snowden ausgepackt. Ja, Edward Snowden, der tollste "Whistleblower" aller Zeiten! Der hat nämlich das größte Überwachungsprogramm aller Zeiten „gewhistleblowt“ (ja, wie sollte man es sonst nennen? „Verraten“ klingt irgendwie so belastend). Der US-Geheimdienst NSA hat nämlich mit dem Computerprogramm PRISM... - na, wie sagt man das? - „dutzende Anschläge verhindert“. Ja schon, das auch, das bestreitet auch kein Mensch; aber – Ätsch! - genau das meinte ich überhaupt nicht. Terroranschläge verhindern – da hat doch niemand etwas dagegen.  


Aber dieser NSA hat noch viel mehr gemacht. Genau: private Telefongespräche abgehört und privaten Datenverkehr abgegriffen. Okay, Terroristen geben sich auch mitunter als Privatleute aus. Von mir aus sollen die Amis die Terroristen ruhig überwachen. Aber nur die! Uns doch nicht. Darüber hinaus betreibt der NSA auch noch Wirtschaftsspionage. Und, was sonst noch so alles in seinem gesetzlichen Auftrag liegt. Stellen Sie sich das doch bloß einmal vor! Die Amerikaner schreiben Wirtschaftsspionage in ein Gesetz. Nicht nur deren Abwehr, sondern auch, dass man selbst mal guckt, was tapfere deutsche Maschinenbauingenieure so zustande bringen. So sind die Amis! Schöne Freunde, kann ich da nur sagen. Absolut stillos, so ein Legalismus.  


Die Chinesen zum Beispiel, das muss man ihnen lassen, die würden so etwas niemals tun. Wirtschaftsspionage... - in ein Gesetz schreiben. Die wissen, was sich gehört. Die machen es einfach. Aber jetzt kommt das Tollste. Die Engländer! Die übertreffen alles und Alle. Das hat auch Mr. Snowden erzählt. Am Anfang hatte Snowden zwar selbst dieses Ami-Programm PRISM als das größte aller Zeiten bezeichnet, egal: jetzt hat er sich korrigiert. Gewinner ist nun der britische Geheimdienst GCHQ, der mit seinem „Tempora“ im Internet so ziemlich alles mitliest. Die Engländer, kannste mal sehen! Die sind wirklich sehr aufmerksam. Wir kennen das ja noch von früher: „Psst! Feind hört mit.“ Bei den Engländern kann man gar nicht vorsichtig genug sein. Selbst Enigma hatten sie entschlüsselt.  


Doch jetzt, finde ich, gehen sie zu weit, die Engländer. Der GCHQ ist hingegangen und hat das transatlantische Unterwasser-Glasfaserkabel angezapft und den ganzen Kram durch „Tempora“ gejagt. Das ist wirklich ziemlich ärgerlich. Da beschränkt man schon seinen gesamten Verkehr auf „unter Wasser“, weil man denkt: jetzt kann echt keiner mehr gucken. Und eines Tages kommt doch heraus, wie der Tommy schon wieder alles mitbekommt. Mann, Mann, Mann! Einige Politiker von FDP, Grünen und Linken haben Asyl für Edward Snowden gefordert. Ich will nur hoffen, dass die auch jetzt, wo die Briten mit drin hängen, stark bleiben! - Obwohl: die Partei „Die Linke“... - jetzt halten sie sich fest!  


Wissen Sie, was die jetzt behauptet hat, die Linkspartei?! Unsere – was weiß ich: bestimmt BND, vielleicht auch MAD, BKA, VS und alle – also Unsere würden das ganz genauso machen. Das haben die wirklich öffentlich behauptet, diese alten Stasinows! Unsere deutschen Geheimdienste würden im Internet genau wie Engländer und Amerikaner, Russen und Chinesen, Iraner und ganz bestimmt auch Israelis alles abgreifen, was sie kriegen können. Unsere! Haben sie gesagt! Die Linken! Das ist doch Landesverrat. Hochverrat. Und alles. Die sind doch noch kein Stück in der Demokratie angekommen. Die würde ich überwachen – und zwar bis in den letzten Winkel. Nicht nur einige. Nein: alle, und zwar restlos! Ich will über jeden Furz, den einer von denen lässt, einen Bericht.


Werner Jurga, 23.06.2013




Datenklau in ungeahnten Ausmaßen (Teil 2)

Menschenrechtliche Mentalitätsunterschiede




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