Rolf Kleine


Steinbrück benennt neuen Sprecher

Griff ins Klo


Mittwoch, 12. Juni 2013. Peer Steinbrück hat seinen bisherigen Sprecher gefeuert und einen neuen benannt. Der SPD-Kanzlerkandidat entschied sich für Rolf Kleine. Damit hat Steinbrück wieder einmal kein glückliches Händchen bewiesen...


Steinbrück hat sich am Dienstag von seinem bisherigen Sprecher Michael Donnermeyer getrennt. Kein Problem, kann er machen. Zwischen einem Wahlkämpfer und seinem „ersten Mann“ muss ein absolutes Vertrauensverhältnis herrschen; sonst kann man es auch lassen. Donnermeyer wird eine Mitverantwortung dafür zur Last gelegt, dass Steinbrücks Kampagne bislang alles andere als störungsfrei verlaufen ist. Das ist schon allein deshalb plausibel, weil Donnermeyer die führende Position im Steinbrück-Team innehatte. An dessen Kündigung ist also nichts auszusetzen. Der Zeitpunkt – rund hundert Tage vor dem Wahltermin – nun gut...  

Weitaus problematischer stellt sich die neue Personalie dar. Der Journalist Rolf Kleine soll fortan alles rausreißen. Ich weiß nicht, ob Peer Steinbrück zu Herrn Kleine jenes absolute Vertrauensverhältnis hat, von dem soeben die Rede war, oder ob er abermals diesen Gesichtspunkt bei der Personalauswahl zugunsten anderer Qualifikationsmerkmale hintangestellt hat. Ich weiß aber, dass sowohl der eine wie auch der andere Fall äußerst problematisch wäre. Rolf Kleine war jahrelang bei der Bildzeitung beschäftigt und in den Jahren 2010 und 2011 Leiter ihres Hauptstadtbüros.  

Seit gut einem Jahr (1. Februar 2012) ist Kleine als Head of Public Affairs und Leiter der Hauptstadt-Repräsentanz bei der Deutschen Annington beschäftigt. Er lässt diese Tätigkeit bis zum Wahltermin ruhen, bleibt aber Chef-Lobbyist des Immobilienkonzerns, des größten Wohnungsunternehmens in Deutschland. Die Vorwürfe von Mietern gegen den Konzern reichen von einer mangelnden Instandhaltung der Wohnungen bis hin zu intransparenten, also nicht nachvollziehbaren Nebenkostenabrechnungen. Dass Kleine über die Deutsche Annington massiv Lobbyarbeit gegen den SPD-Wahlkampfschlager einer Mietpreisbremse gemacht hat, stand im Zentrum seines Jobs.  

Dass die Bildzeitung kein der Sozialdemokratie besonders gewogenes Blatt ist, kann als bekannt gelten. Rolf Kleine jedoch hat darüber hinaus mit seinen eigenen politischen Positionen auf sich aufmerksam gemacht, worauf die Süddeutsche heute hinweist. Für die Eurorettung solle "uns JEDER EURO zu schade sein", schrieb Kleine in Bild-typischer Manier. Als Anfang März 2010 Bundestagspräsident Lammert sich beim griechischen Präsidenten für die Auswüchse des Griechen-Bashings entschuldigte, war Kleine außer sich. Sein Kommentar vom 09.03.2010 trägt den Titel: „Warum müssen wir uns bei den Pleite-Griechen entschuldigen?“ Absolut lesenswert! 

Undeutsches scheint Rolf Kleines Sache ohnehin nicht zu sein. So bescheinigte er Thilo Sarrazin "in den vergangenen Jahren immer wieder auf Missstände in Deutschland hingewiesen“ zu haben. Sie können sich denken, welche Missstände Steinbrücks neuer Sprecher da im Auge hatte, sorry: anerkennen musste, dass Sarrazin auf sie aufmerksam gemacht hatte. Er hatte nämlich „den mangelnden Willen vieler Ausländer kritisiert, sich bei uns zu integrieren", wie Kleine feststellte. Doch auch wenn sich der ein oder andere Ausländer – oder jemand, der auch nur so aussieht – integrieren sollte, bei Rolf Kleine kommt man damit nicht durch.


Võ Nguyên Giáp
Foto: Ricardo Stucker (Agencia Brasil) via Wikipedia


Den Wahlerfolg der FDP in Niedersachsen hatte Kleine auf seiner Facebook-Seite mit einem Foto des Vietkong-Kämpfers General Võ Nguyên Giáp kommentiert und dazu geschrieben: „Die FDP ist wieder da.“ Ein Niveau, das an die Passanten von FDP-Wahlkampfständen erinnert, die ihre Ablehnung mit dem Satz „Der Chinese muss weg“ kundtun. Ich weiß: Kleine will nicht Kanzler werden. Er will nur einen Auftraggeber zum Kanzler machen. Und doch: Peer Steinbrück sollte sich, jetzt kommt es ja auch nicht mehr darauf an, noch einmal überlegen, ob Kleine wirklich der Richtige für ihn ist. Beinfreiheit – meinetwegen; in die Scheiße treten – lieber nicht!


Werner Jurga, 12.06.2013




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