Donnerstag, 30. Juni. Die Duisburger Lokalredaktion der Rheinischen Post hat ein besonders enges Verhältnis zum noch amtierenden Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Musste deshalb ein Bericht über die Abwahlinitiative nachbearbeitet werden? Und was hat die NPD damit zu tun? Wie die RP Duisburg kämpft, wenn andere schlafen, lesen Sie hier.

Über die RP Duisburg, die NPD und Adolf Sauerland

Gestern hatte die Bürgerinitiative (BI) „Neuanfang für Duisburg“ bekannt gegeben, während der ersten neun Tage mehr als zehntausend Unterschriften zur Abwahl von Oberbürgermeister Adolf Sauerland gesammelt zu haben. Die Zeitungen haben dies, wie es sich gehört, gemeldet; d.h. zunächst einmal die Online-Ausgaben der Zeitungen. So auch RP-online.

Am 29.06.2011 um 17:34 Uhr postete die Website der Rheinischen Post diesen Artikel: „OB-Abwahl: 10.000 Unterschriften in neun Tagen“. RP-Redakteur Christian Schwerdtfeger, der für diesen Beitrag verantwortlich zeichnet, orientierte sich im Text recht nah an der Presseerklärung der Bürgerinitiative.

Aber es passiert ja ständig etwas Neues bzw. es kommen ja ständig neue Informationen rein. Sogar in die Duisburger Redaktion der Rheinischen Post. Kein Problem: dann wird eben ein Update gemacht, und schon ist auch wieder die Website der RP Duisburg auf dem neuesten Stand. Lokaljournalismus im Internet-Zeitalter – immer up to date.

Zumindest bei der RP Duisburg. Mitten in der Nacht – die Uhrzeit ist genauso wenig angegeben wie das fleißige Lieschen, das sich dieser Nachtschicht ausgesetzt hatte – wurde ein Update gemacht. Datiert mit dem 30.06.2011, wie spät – wie gesagt – nicht eingetragen, es muss aber zwischen 0 Uhr und 0:30 Uhr gewesen sein, als die Duisburger RP dieses hier gepostet hatte.

Um nicht missverstanden zu werden: „es muss aber zwischen 0 Uhr und 0:30 Uhr gewesen sein“ heißt hier „es war zwischen 0 Uhr und 0:30 Uhr“. Nicht etwa: „es muss wohl …“ – Nein, nein, es war ganz sicher so. Zumal: bei einem Adverb wie „wohl“ wird mir sowieso unwohl. Nun denn; was gibt es Neues?

Zunächst einmal beginnt der Bericht genauso wie in der Version von 17:34 Uhr. Schön entlang der BI-Presseerklärung. Sprecher Harald Jochums kündigt an, dass in den nächsten Wochen auch „vor Schulen Unterschriften gesammelt werden. `Wir fragen die Schulleiter vorher um Erlaubnis´, so Jochums. Jugendliche dürfen ab 16 Jahren nach dem Kommunalwahlgesetz ihre Stimme abgeben.“

Und dann geht es - direkt nach Erwähnung der Schulen, keine neue Zeile, kein Absatz – sofort folgendermaßen weiter: „Wohl ungefragte Unterstützung erhält die Bürgerinitiative von der NPD. Die Rechten kündigen auf ihrer Internetseite an, mit eigenen Aktivisten Unterschriften zu sammeln. Zudem kann dort eine Unterschriftenliste ausgedruckt werden.“

Auf der Website der NPD in Duisburg? – Nein. Die gibt es zwar, ist aber nicht „gepflegt“, ein entsprechender Text dazu:  Fehlanzeige. Fündig wird man beim NRW Landesverband der Nazipartei. Ja, dort ist ein Download der Unterschriftenliste möglich, dort werden die besagten „Aktivisten“ angekündigt - ansonsten nichts, gar nichts.

Man erfährt bei der NPD nicht einmal den Grund für das Abwahlverfahren. Herr Sauerland wird als „Skandal OB“ bezeichnet, ohne dass auch nur eine einzige seiner Verfehlungen angedeutet würde. Man erfährt nur, dass auch die NPD in Erwägung zieht, einen eigenen OB-Kandidaten für Duisburg aufzustellen. Der Blick nach rechts ergibt: die NPD interessiert das alles nicht. Sie hat nicht einmal die Kraft, sich an die Bürgerbewegung in Duisburg auch nur dranzuhängen.

Wie auch immer: auch darüber kann, soll und muss informiert werden. Die RP ist ihrer Informationspflicht nachgekommen. Und damit auch niemand diese vermeintlich bedeutende Information übersieht, wurde beim mitternächtlichen Update auch gleich die Überschrift geändert. Aus „OB-Abwahl: 10.000 Unterschriften in neun Tagen“ wurde „OB-Abwahl: NPD sammelt“.

Eine Irreführung der Leserschaft, gar Meinungsmanipulation liegt nachweislich nicht vor; denn das namentlich nicht genannte fleißige Lieschen hat ja ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass die BI diese „Unterstützung“ (!) wohl ungefragt“ erhalten hat. Dieses joviale „wohl“ räumt großzügig die Möglichkeit, dass die BI die Nazis nicht um Hilfe gebeten habe, als wahrscheinlich ein.

Aber dass es sich um „Unterstützung“ handelt bei dem, was die Nazis da veranstalten, ist ja wohl klar. Auch dass die „NPD sammelt“, ist nicht in Zweifel zu ziehen; schließlich haben das die Nazis ja selbst gesagt. Also gleich ab damit in die Überschrift mit dieser qualitätsjournalistischen Information! Und selbstverständlich ein „Teaser“ für dieses Werk auf die Homepage der RP Duisburg.

Und direkt unter diese Enthüllung, dass das Abwahlverfahren gegen Sauerland im Grunde den Nazis in die Hände spielt, gleich der Hinweis auf einen freundlichen Artikel zur Jüdischen Gemeinde: „Duisburg. Jüdischer Kindergarten verdoppelt Plätze“. Ganz enorm, zu welchen Leistungen man / frau fähig ist, wenn es dem guten alten Kumpel Adolf Sauerland an den Kragen gehen soll!

Werner Jurga, 30.06.2011