Heute vor zehn Jahren verstarb Jürgen Möllemann, genauer gesagt: Jürgen W. Möllemann.


Möllemann - Foto: Ingo Kramer (via Wikipedia)

in memoriam

Mittwoch, 5. Juni 2013. Möllemann war einer von uns. In dem von mir geliebten Rheinberg ging er zum Gymnasium, auf Schalke war er Vorstandsmitglied, in Münster verbrachte er seinen Lebensabend.

Jürgen W. Möllemann hatte sich wie kaum jemand Anderes eingesetzt für die Gesellschaft. Selbst schwere Herzprobleme konnten sein politisches Engagement nicht stoppen. Er hatte Diskussionen in Gang gesetzt, wozu Anderen einfach der Mut gefehlt hatte.
Deshalb hatte er Feinde. Sein beharrliches Eintreten für die Umwelt und den Subventionsabbau brachte ihm die Gegnerschaft der Bergleute ein, die mit ihn darstellenden Puppen am Galgen hängend durch unser Revier zogen. Aber auch liberale Parteifreunde scheuten nicht davor zurück, ihn als „Quartalsirren“ zu diffamieren. Dabei hätte gerade die FDP ihrem stellvertretenden Vorsitzenden unendlich viel zu danken gehabt. Gerade hier, in NRW.

Bei der letzten Landtagswahl, die Möllemann miterleben durfte, holte er für seine Partei ein Rekordergebnis. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er weder Kosten noch Mühe noch den absehbaren Hass gescheut hatte, um dem Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten. Unbeirrt stellte er als Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft die Schuldigen an der unausrottbaren Seuche des Antisemitismus bloß: die Juden.
Kein Wunder, dass Jürgen W. Möllemann damit zur Zielscheibe Israels und der, wie er sich ausdrückte, „zionistischen Lobby“ wurde. Besonders sein Hinweis, bei der Bundeswehr habe er gelernt, den Feind hinter seinen Linien zu bekämpfen, machte ihn zur Zielscheibe hemmungsloser jüdischer Agitation, die, wie Ihnen bekannt sein dürfte, diese Widerstandsformen als „Selbstmordattentate“ denunziert.

Es wurde einsam um Jürgen W. Möllemann, der Feind gewann selbst in NRW die Oberhand. Selbst Guido Westerwelle, sein Parteivorsitzender, der lange Zeit seinen anti-zionistischen Kampf gedeckt hatte, rückte in diesem Kesseltreiben von Möllemann ab. Als selbst Staatsanwaltschaft und Bundestag unter den Einfluss der zionistischen Lobby geraten waren und ihn einem Schauprozess aussetzen wollten, zog Jürgen W. Möllemann seine letzte Konsequenz. Er besann sich einer vor langer Zeit erlernten Widerstandsform, die er clever mit seiner anderen Leidenschaft, der Fallschirmspringerei, kombinierte.

Wir werden Jürgen W. Möllemann in unserem Andenken bewahren. Wir werden immer an ihn denken und insbesondere an seine größte Lebensleistung: das Projekt 18.

Werner Jurga, 05.06.2013


Möllemann-Affäre: Die Zitate, die die Republik bewegen (Spiegel Online, 05.06.2012)


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