Zebrastreifen weiß und blau...

quergestreift, nicht längsgestreift


Donnerstag, 30. Mai 2013. Zebrastreifen weiß und blau, Zebrastreifen weiß und blau, ein Jeder weiß genau...“ - wenn ich an dieser Stelle einmal unterbrechen darf: was weiß „ein Jeder“, und dann auch noch genau? Oder, einmal anders gefragt: finden Sie nicht auch, dass es mit dem, was sowieso „ein Jeder“ weiß, nicht besonders weit her sein kann?


Fragen wir uns also doch zunächst einmal, meine lieben Freunde: wer oder was ist überhaupt ein Zebrastreifen? Und was machen wir, wenn wir Fragen haben? - Richtig, wir sehen bei Wikipedia nach. Wir geben das Wort Zebrastreifen ein und... Mist! „Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit demselben Wort bezeichneter Begriffe.“ Aha, ich verstehe: ein Teekesselchen. Oder, wie ein Jeder genau weiß: ein Homonym oder ein Polysem. Okay, das war Spaß. Also, was steht denn nun bei Wikipedia?


Als Zebrastreifen bezeichnet man a) einen Fußgängerüberweg, und b) Streifungen bei Pferden, Zebras und Eseln, siehe Wildfarbigkeitsabzeichen im Artikel Abzeichen (Pferd)“. Was es nicht Alles gibt! „Wildfarbigkeitsabzeichen“ - habe ich noch nie gehört. Egal, es geht jedenfalls um das Zebra, dieses Tier aus der Gattung der Pferde, das entweder mit dem afrikanischen Wildesel verwandt oder zur Gruppe der asiatischen Esel gehört. Haben Sie bestimmt schon mal irgendwo gesehen. Im Zoo oder im Fernsehen oder so.


Gute Frage: „Welche Farbe hat das Zebra? Ist das Zebra schwarz mit weißen Streifen oder weiß mit schwarzen Streifen? Das fragte mich heute mein sechsjähriger Neffe. Hat jemand eine Ahnung?“ - Nee, haben wir nicht. Interessiert uns aber auch nicht. Uns reicht nämlich schon, dass das Zebra weiß und schwarz ist. Wir suchen aber, ein Jeder weiß genau: weiß und blau. Und Tschüss!


Wikipedia – nun ja. Schauen wir also lieber mal im Duden nach! Was haben wir denn da? „Ze­b­ra­strei­fen, der - Wortart: Substantiv, maskulin“. Ja schön, wollten wir aber gar nicht wissen. Was ist es denn nun? - Aha, hier haben wir es! Der maskuline Zebrastreifen ist eine feminine „durch breite, weiße Streifen auf einer Fahrbahn markierte Stelle, an der die Fußgänger beim Überqueren der Fahrbahn Vorrang gegenüber den Autofahrern haben“. Genau! Haben Sie bestimmt schon mal irgendwo gesehen.


Ja okay, man sieht diese drollige Fahrbahnmarkierung nicht mehr ganz so oft. Die stirbt nämlich aus, was sie im übrigen mit diesem eselartigen Streifenpferd gemein hat. Und zwar deshalb, weil, wie wir heute der Ostfriesen-Zeitung entnehmen müssen, „ein Drittel nicht anhält“. Nein, doch nicht die Gäule in der Savanne! Sagen Sie mal, wie blöd sind Sie eigentlich?! Die Huftiere halten selbstverständlich an, wenn sie eine Raubkatze erblicken. Die sind doch nicht blöd!



Duisburger Zebras - Foto: Gilda Krauser


Aber in Emden die Autofahrer. Die halten nämlich nicht an, nicht einmal am Zebrastreifen! Sie erinnern sich: diese Fahrbahnmarkierung. Da halten die nicht an, die Autofahrer. Also in Emden. Nicht alle, aber immerhin ein Drittel. „Das ergibt eine Statistik, die der Kreis Emden-Leer-Papenburg des Auto-Clubs-Europa (ACE) am Mittwoch erhoben hat“. Ja, jetzt Mittwoch, also gestern! So steht es in der Ostfriesen-Zeitung. Und deshalb sterben die aus.


Nein, nicht die Ostfriesen! Höchstens die Fußgänger. „Es ist sehr wichtig, den Verkehr zu beobachten, bevor man über den Zebrastreifen geht“, weiß Herr Watzema vom ACE Emden und Drumherum. „Das taten 91 Prozent aller registrierten Erwachsenen“, also vorher mal gucken. Die Kinder liefen allerdings einfach so über die Straße. „`Der Wert ist aber nicht repräsentativ´, meint Watzema. Man habe nur zwei Kinder gezählt. Ja, aber trotzdem!


Trotzdem sterben die nicht aus. Die Ostfriesen. Wohl aber – verstehen Sie das doch bitte! - die Zebrastreifen! Die bringen es nämlich nicht, diese Zebras. Weil sowieso kein Schwein auf die achtet. Und so läuft das nun einmal in der Evolution: wer es nicht bringt, kommt weg! Marktwirtschaftlich ist das, dynamisch – ein Jeder muss das einsehen! Keine Aufmerksamkeit oder auch einfach nur ein beschissenes Image: und ab geht´s in die Tonne!


Also, kleine Einschränkung: so läuft das in der Zivilisation. In Ostfriesland oder so. In der Steppe, das ist ja klar, läuft es geradewegs genau umgekehrt. Dort ist es für die Zebras natürlich um so besser, je weniger sie auffallen. Wegen der gefräßigen Mitbewohner, die es in der Zivilisation schon allein deshalb nicht gibt, weil sie ja dann gar keine wäre, die Zivilisation. - Verstehen Sie das?!


In der Savanne heißt es dagegen: nur nicht Auffallen. Deswegen tragen die Gäule dort diese possierlichen Streifen. Nicht weiß und blau; ein Jeder weiß genau: weiß und schwarz. Und, ganz wichtig: quergestreift, nicht längsgestreift. Ja, ich weiß: es sieht anders aus. Das ist aber allein deshalb, weil die keinen aufrechten Gang haben. Nur deshalb, weil das Tiere sind. Haben wir es jetzt?!


Werner Jurga, 30.05.2013





Seitenanfang