Ein bisschen Tugend und Disziplin muss sein!  

300. Geburtstag des Alten Fritz, Teil 2


Donnerstag, 2. Februar 2012. Es geht weiter mit dem Alten Fritz. Es geht immer weiter mit dem Alten Fritz. Es geht gar nicht anders; denn wir können gar nicht anders. Außerdem: wo es einen
Teil 1 gibt, muss ein Teil 2 folgen. So ein bisschen Ordnung muss schon sein! Überhaupt: so ein paar preußische Tugenden könnten uns eigentlich nur gut tun. Das findet auch Anne Will, die ihrer Sendung am 25. Januar 2012 den schönen Titel gegeben hatte: „Der erste Diener des Staates - fehlen uns heute die preußischen Tugenden des Alten Fritz?"


Der „Alte Fritz“: Friedrich II. im Alter von 68 Jahren
(Gemälde von Anton Graff, 1781)


Am 24. Januar, vielleicht erinnern Sie sich noch, wäre Friedrich der Große, wie er hierzulande ehrfürchtig genannt wird, 300 Jahre alt geworden. Von seiner schweren Kindheit und seinem brutalen Vater war im ersten Teil dieser kleinen Artikelserie die Rede; er erschien, genau wie Anne Wills Sendung, am 25. Januar. Die Frage, ob „uns heute die preußischen Tugenden des Alten Fritz“ fehlen, dürfte damit – jedenfalls für Frau Will und für mich – als beantwortet gelten. Wenn der Geburtstag am 24. Januar ist, gratuliert man nun einmal nicht erst am 25. Januar. Basta!

In der Überschrift meines Textes war von „Preußens Gloria“ die Rede. Soweit ist es jedoch gar nicht gekommen. Stattdessen hatte ich mich ausführlich mit Fritzens Papa, dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., befasst und mit Frie Willis Nickeligkeit, Fritzens Freund Klett vor dessen Augen einen Kopf kürzer machen zu lassen. Das war 1730; doch erst zehn Jahre später kam der Papa zwar nicht unter den Rasen, dafür aber in die Potsdamer Garnisonskirche und sein schwuler Sohn auf den Thron. Also 1740, wenn Sie mal nachrechnen.

Will sagen: auf den Alten Fritz, auf „Preußens Popstar“, oder, wie in beiden Fällen der preußische Tagespiegel beliebte zu titeln, auf „unseren Punkt im Weltall“, bin ich noch gar nicht zu sprechen gekommen. Mit den preußischen Tugenden scheint es also bei mir wahrlich nicht allzu weit her zu sein. Und das Schönste: ich könnte ohne jedes Problem ganz spontan (!) etliche Zeugen benennen, die mich in dieser Koketterie bestätigen würden. Die meisten davon noch mit einem Augendreher und verzogenem Mund. Die Welt, sogar im Preußischen, kann so schön einfach sein!

Manchmal leider zu schön, um wahr zu sein. Denn so einfach liegen die Dinge nicht. Kein Zeichen von Selbsthass, sondern leider bittere Wirklichkeit: einfach mal etwas rumflippen, über preußische Hierarchien spotten und wie Nina Hagen rumschreien „Isch hab keine Pflicht!“, und schon ist man kein Preuße mehr, funktioniert leider nicht. Grämen Sie sich nicht! Dass das Bild des „Popstars“, wie der Tagesspiegel anführt, „auch in Hitlers Bunker hing“, bedeutet nun auch wiederum nicht, dass der Weg vom Alten Fritz geradewegs zu Adolf Nazi führen musste. Nun ja, er verlief so; das ist aber auch Alles.

Und jetzt, also heute … sind wir schon wieder am Ende dieser Kolumne angekommen. Zwei Teile abgefrühstückt und nicht einmal zum Kern der Angelegenheit vorgedrungen: na, diese Serie kann sich wohl noch ein wenig hinziehen. Ach, wie ärgerlich! Wo doch Fritzens Geburtstag jetzt schon mehr als eine Woche zurückliegt. Ich meine natürlich: wo doch das Geburtsdatum des Großen Friedrichs schon über 300 Jahre zurückliegt. Und wir doch freie Menschen in der freien Welt sind, also machen können, was wir gerade wollen. Ein gewisses Maß an Tugendhaftigkeit und Selbstdisziplin selbstverständlich vorausgesetzt.


Werner Jurga, 02.02.2012



Seitenanfang