Eine kleine Korrespondenz

Sonntag, 19. Juni. Vorgestern hatte ich in einem Beitrag für Vorwärts Online über den Deutschen Burschentag geschrieben und über den Vorschlag des Juso-Bundesvorsitzenden Sascha Vogt, der SPD-Parteivorstand möge die Mitgliedschaft in der SPD mit der in einer schlagenden Verbindung der Deutschen Burschenschaft für unvereinbar erklären.

Noch am gleichen Tag erhielt ich eine eMail mit einer Pressemitteilung des Lassalle-Kreises, ein von der SPD unabhängiges Netzwerk sozialdemokratischer Burschenschafter. Darin beurteilen auch die „roten Füchse“ die politische „Entwicklung“ bei der Deutschen Burschenschaft als „für sozialdemokratische Verbindungsmitglieder besorgniserregend“: „Beim Ruf nach solchen ‚Ariernachweisen‘ tritt rassistisches und ewig gestriges Gedankengut zutage. Dies bringt die gesamte Verbindungsszene mit all ihrer Vielfalt in Verruf. Als Genosse und Korporierter kann ich solche Gedankenspiele nur verurteilen“, so Florian Boenigk, Mitglied des Bundesvorstands des Lassalle-Kreises.
Aber klar: der Lassalle-Kreis wäre nicht der Lassalle-Kreis, käme er nicht zu folgender Schlussfolgerung: „Eine generelle Erweiterung der Unvereinbarkeit einer gleichzeitigen Mitgliedschaft in der SPD und der Deutschen Burschenschaft hält der Lassalle-Kreis zu diesem Zeitpunkt für unangebracht. Der Lassalle-Kreis unterstützt vielmehr seine SPD-Mitglieder in der Deutschen Burschenschaft in ihren demokratischen und antiextremistischen Bemühungen.“


Heute erreicht mich diese eMail eines Burschenschafters:


Sehr geehrter Dr. Jurga,

die Burschenschaftliche Gemeinschaft ist kein anderer Dachverband, sondern die rechte Fraktion innerhalb der Deutschen Burschenschaft. So ist der Verband überhaupt nicht nach rechtsgerückt. Die Rechten sind so rechts wie bisher, die anderen so konservativ wie schon im letzten Jahr. Rechts und konservativ dürfte sicherlich bei manchem Finken (Nichtkorporierten) oder anderen Linken, identisch sein. Übrigens ist auch mein Leibbursch ein Sozi. Auf meine Frage, warum, meinte er nur, da ist es wie hier, die haben Fahnen, die singen Lieder. ;-)Übrigens gab es auch schon Burschenschafter, die der SPD als Minister gut genug waren. Werden die nun auch rausgeworfen?

Was man in den letzten Tagen, um es wohlwollend auszudrücken, an Halbwahrheiten liest, geht auf keine Kuhhaut.

Mit freundlichen Grüßen

Ralph W.



Dies ist meine Antwort:



Sehr geehrter Herr W.,

Danke für Ihren Hinweis! Bitte um Nachsicht, dass ich die "Burschenschaftliche Gemeinschaft" falsch "einsortiert" hatte. Mir ist diese ganze Szene - wie Sie sich denken, und wie ich es auch geschrieben hatte - sehr fremd. Meine Absicht bestand also keineswegs darin, eine "Halbwahrheit" in die Welt zu setzen, um damit die Forderung des Juso-Bundesvorsitzenden zu legitimieren. Im Gegenteil: dass diese von Ihnen als "rechts", von anderen als "rechtsextrem" eingestufte Gemeinschaft nicht neben, sondern innerhalb der Deutschen Burschenschaft organisiert ist, macht die ganze Angelegenheit ja keineswegs erfreulicher.

Die Bemerkung Ihres "Leibburschen" - was es nicht Alles gibt! -, in der SPD sei es "wie hier, die haben Fahnen, die singen Lieder", finde ich nicht ganz so amüsant wie Sie. Vielleicht würden Sie Ihren bierväterlichen Pflichten statt mit einem Smiley besser dadurch nachkommen, wenn Sie Ihren Jungfuchsen einmal darüber aufklärten, wo auch sonst noch überall Fahnen und Liedgut anzutreffen sind.

Dass Ihre Kuhhaut durch "Halbwahrheiten" wie meinem kleinen Versehen offenbar stärker beansprucht wird als durch das Treiben der burschenschaftlichen Rechten, die - Ihnen zufolge - genauso wenig nach rechts gerückt ist wie die Deutsche Burschenschaft insgesamt, bestärkt mich in meiner Auffassung, dass Sie sich überlegen sollten, ob Sie sich unter Sozialdemokraten oder unter Korporierten eher heimisch fühlen. Vielleicht ist Ihre Entscheidung innerlich aber auch schon längst gefallen. "Wie hier, die haben Fahnen, die singen Lieder" - "die", das sind die Sozis, "hier", das ist die schlagende Verbindung.


Werter Herr W., geben Sie sich einfach mal einen Ruck!

Mit freundlichen Grüßen

Werner Jurga