150 Jahre SPD

Herzlichen Glückwunsch, liebe SPD!


Donnerstag, 23. Mai 2013. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe SPD! Ich wünsche Dir einen schönen Ehrentag! Und für Dein nächstes Lebensjahr Erfolg, Gesundheit und alles Gute! Du bist echt klasse, liebe SPD! Du weißt, ich würde lieber „Tante SPD“ zu Dir sagen; und ich weiß, dass Du das nicht so magst. Also lasse ich es. „Tante SPD“, ich bin es nicht anders gewohnt. Aber ich gebe zu, „Tante SPD“ - das klingt so nach „alter Tante“. Und so nennen Dich – was für eine Unverschämtheit – stets und ständig alle möglichen Leute. Sogar Menschen die Dich absolut nicht ausstehen können. Das finde ich wirklich dreist.


Die alte Tante SPD“ sagen sie. Und sie meinen damit: irgendwie seist Du ja ganz nett, aber, weil alt, nicht mehr so recht auf der Höhe der Zeit, gebrechlich und auch geistig nicht mehr so rege. So, als wenn Du nichts mehr gebacken kriegen würdest. So, als wisse dies sowieso jeder... - weil Du ja eine „alte Tante“ seist. Entschuldige, liebe SPD, dass ich Dir an Deinem Geburtstag als erstes damit komme. Aber mich wurmt das einfach so, und Du weißt ja ohnehin, wie die Leute über Dich quatschen. Normalerweise. Heute, an Deinem Geburtstag natürlich nicht.


Da loben sie Dich alle in den höchsten Tönen, diese Heuchler! „Sie war stets“ - und er meint Dich - „eine Verfechterin von Gerechtigkeit und sozialem Aufstieg“. Toll! Wenn er es nicht gesagt hätte, wären wir gar nicht drauf gekommen. Der Philipp Rösler. Echt, hat er gesagt. Du „ Sie stets eine Verfechterin von Gerechtigkeit und sozialem Aufstieg“, hat er gesagt, und: „Diese Ziele verbinden uns als Demokraten.“ Boah, glaubste! Da hätte ich dem am liebsten gesagt, liebste Tante: „Mag ja sein, dass uns das Ein oder Andere verbindet, Kleiner. Aber seit wann seid Ihr denn für Gerechtigkeit und sozialen Aufstieg?!“


Entschuldige die „Tante“, liebe SPD, aber bei sowas könnte ich mich richtig aufregen. Ist doch wahr: wenn jeder Schnösel angelaufen kommt und meint, Dich preisen zu dürfen, dann hat das ja so etwas von einer Beerdigung. So, als wärst Du fast schon tot. Wenn hier einer fast schon tot ist, dann immer noch... - nein, natürlich nicht der Rösler, aber sein Laden. Dieser Verein geschniegelter, aufstiegsorientierter Dummschwätzer – über Wasser gehalten von den Reichen und Rücksichtslosen. Fast so, als gelte Dein Versprechen, sozial aufsteigen zu können, ausgerechnet diesen Typen, die ganz oben mitspielen wollen und deshalb denen ganz oben so billig nach dem Mund reden!


Ja, Du hast Recht, liebe SPD. Ich soll mich nicht so aufregen. Schon gar nicht an Deinem runden Geburtstag! Ich wollte Dir nur sagen, dass mir irgendwie so ein wenig mulmig wird, wenn so Leute wie Rösler meinen, Dich loben zu dürfen. Und ich wollte Dir sagen: nimm Dir von dem Genörgel dieser Leute bloß nichts an! Ich meine, das ist doch klar, dass Du nicht so „jung und dynamisch“ sein kannst wie diese scheinbar windschnittigen jungen Spießer. Genau, Du bist eine Tante, Du trägst Verantwortung, Du weißt: es geht um was! Und mach Dich mal nicht älter als Du bist. 150 Jahre – für eine Partei ist das doch kein Alter! Du machst bestimmt nochmal 150.


Ach komm, liebe SPD! Da brauchst Du jetzt gar nicht verlegen zu werden. Ja sicher, Du bist die älteste von allen. Aber Du weißt auch: Andere haben einfach nur immer wieder ihren Namen geändert, um nicht wiedererkannt zu werden. Die Linken? - Ja, die vielleicht auch; die meinte ich jetzt aber gar nicht. Wieder Andere sind in jungen Jahren schon an Altersschwäche gestorben, weil die echt von Nichts und Niemandem gebraucht wurden. Du aber, liebe SPD, wirst gebraucht, und das weißt Du auch. Dass alle Anderen jetzt momentan so tun, als seien sie im Grunde genauso wie Du, zeigt doch bloß, wie wichtig Du bist. Lass Dich nicht unterkriegen!


Ja, ich weiß, dass es Dir gegenwärtig nicht blendend geht. Na klar: als ich damals bei Dir eingezogen bin, ging es Dir deutlich besser. Damals war der Willy Dein Mann, und ja – ich sehe, wie Du lächelst – das war wirklich ein Spitzentyp! Der hat Dir gutgetan, der hatte Dich stark gemacht. Das war ja auch mit ein Grund dafür, dass ich bei Dir eingezogen bin. Es war eine schöne Zeit, vielleicht konnte es einfach nicht immer so weitergehen. Jedenfalls ging es dann nicht so weiter. Ich bin erst einmal bei Dir ausgezogen, aber auch froh, dass Du nicht nachtragend warst und mich wieder aufgenommen hast.


Andere sind erst gar nicht eingezogen und haben sich stattdessen selbst ein Haus gebaut: das grüne Haus. Nun ja, so ist es, liebe SPD. So spielt das Leben. Jetzt wohnen wir halt in einem etwas kleineren Haus. Ich weiß, Dir tut das weh. Mir gefällt das auch nicht. Aber wenn die von der anderen Straßenseite jetzt hämisch zetern: „Guckt mal, was die Roten für ein kleines Haus haben!“ Ehrlich, Tante! Das kann uns doch am Allerwertesten vorbeigehen. Die müssen reden! Sie, die Eigentümer, denen alles Mögliche, im Grunde Alles gehört, konnten froh sein, dass sie es beim letzten Mal überhaupt noch einmal geschafft hatten, … so ganz ohne uns.


Und jetzt müssen sie, um nicht mit Pauken und Trompeten unterzugehen, so tun, als seien sie genau wie Du, Tante. Ja, ich weiß auch: sie sind es nicht, sie tun nur so. Und doch: so ein kleines Bisschen sind sie schon so wie Du geworden, sonst würde diese Nummer ja gar nicht funktionieren. Warte mal ab! Was meinst Du, was da los ist, bei diesen Eigentümern, wenn es bei denen mal nicht mehr so läuft. Wenn sie diese biegsame Mutti aus dem Osten abservieren. Und dann diejenigen auftrumpfen, die voll auf besser Leute und all das, was Du geschafft hast, ungeschehen machen wollen.


Ich bin ganz sicher, liebe SPD. Dann fühlst auch Du Dich wieder wohler. Sieh mal, so schlecht geht es Dir doch auch heute nicht. Die Bundesländer, die Gewerkschaften usw. - auch heute läuft doch nichts ohne Dich. Aber wenn die Anderen fertig sind, mit ihrem Latein am Ende, wenn deren steinaltes Gesicht in all seiner Hässlichkeit wieder zum Vorschein kommt, dann werden alle sehen, wie jung Du geblieben bist. Dann spürst Du nichts mehr von Deinen Verspannungen; dann legst Du wieder richtig los wie ein junges Mädel. Ob Du dann sexy bist? Ach, Tante! Du bist sowieso die Allerbeste, ob sexy oder nicht. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!


Werner Jurga, 23.05.2013


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