Sicherheit, Umweltbewusstsein, also: ein nachhaltiger Lebensstil

Donnerstag, 16. Juni. Na Sportsfreunde, wie sieht´s aus?! Wer von Euch weiß denn, was ein SUV ist?

Na, das hätte ich mir ja denken können, denken müssen, dass dies mal wieder fast alle hier wissen. Nur ich – ich wusste es blöderweise nicht. Also hatte ich bei Wikipedia nachgesehen. Also, ein SUV ist ein „Sport Utility Vehicle“. Naja, so ein Jeep, Range Rover, ein Geländewagen eben. Die sehe ich sogar auf der Straße, so etwas hat man heute. Allradantrieb, massive Erscheinung, für die Dame von heute auch in Pink oder so, für den Herrn eher so im Military Look. Aber die sind ja heutzutage dermaßen verbreitet, diese SUVs, dass es die heutzutage auch schon im Spießer-Outfit für die ganz normale Reihenhausfamilie gibt. 

Robert Vale (Foto aus: FTD, 12.06.2011)

Schon toll. Und die sind auch gar nicht mal mehr so teuer. Abhängig von dies und jenem, genau wie bei allen anderen Autos eben auch. Oberklasse, Mittelklasse und, wie heißt es? Naja, eben so einfachere Geländewagen-Modelle. Wie gesagt: gar nicht mal mehr so teuer. Bedauerlicherweise: zu teuer für mich. Schade! Dabei hätte ich im Grunde genommen auch gern so ein SUV. Wissen Sie, ich bin nicht so ein Raser-Typ. Außerdem können die SUVs heute bei Bedarf auch durchaus vorankommen. Aber: bei mir geht Sicherheit nun einmal vor.
So ein „Sport Utility Vehicle“ … wäre schon schön. Zack, hier stehe ich, ich kann nicht anders. Sollen sie mal kommen! Okay, das ist natürlich Geschmacksache. Die einen wollen Freude am Fahren, ich will Sicherheit. Oder zumindest das Gefühl von Sicherheit. In so einem Geländewagen, stelle ich mir vor, hätte ich ein Gefühl wie im Panzer. Hätte ich ein SUV, ich fühlte mich sicher. Gemein, Sicherheit ist eine Frage des Geldes. Die Reichen fahren gut gepolstert im Jeep durch die Gegend, und ich kann in meinem Kleinwagen darauf warten, von einem dieser Typen ins Jenseits befördert zu werden.

Das ist ja logisch. So ein SUV bietet Sicherheit für die, die drin sitzen. Den anderen Verkehrsteilnehmern entsprechend weniger. Der Bullenfänger zum Beispiel. Fairerweise muss auch einmal gesagt werden, dass eine entsprechende EU-Richtlinie ganz klar feststellt, dass „einige dieser Vorrichtungen bei Kollisionen die Sicherheit von Fußgängern und anderen Verkehrsteilnehmern (gefährden)“. Darum wurden die jetzt EU-weit irgendwie harmonisiert, die dürfen nicht mehr so viele Zacken haben, müssen vernünftig angebracht werden, … - und vieles andere mehr, damit der die Begegnung zwischen Bullenfänger und Kind mit dem EU-Wettbewerbsrecht kompatibel ist.
Egal. Ich kann mir so einen Jeep sowieso nicht leisten, muss mir also bis auf weiteres das Gefühl von Sicherheit abschminken. Was wiederum objektiv sicherer ist; denn es hat sich „gezeigt, dass SUVs im Vergleich zu herkömmlichen Pkws und Pickups ein achtfaches Risiko für einen Fahrzeug-Überschlag (Rollover) im Falle eines Anpralls mit sich bringen“ (Wikipedia). Tja, man muss auch clever sein! Außerdem erspart dieser kluge Verzicht auf einen Geländewagen den Neid der Besitzlosen. Es wird doch ständig gegen die SUVs gestänkert. Da verzichte ich doch lieber freiwillig.  

„Durch das grundsätzlich höhere Gewicht und den oftmals höheren Luftwiderstand haben SUVs einen höheren Kraftstoffverbrauch als Limousinen mit vergleichbaren Fahrleistungen“ (Wikipedia zum dritten und letzten Mal). Ach, was die nicht sagen?! Ein SUV braucht mehr Sprit als eine Limousine der gleichen Kampfklasse. Da wären wir ja von alleine überhaupt nicht drauf gekommen. Schon klar: CO2-Verbrauch, Klimawandel, und die mit den Geländewagen sind schuld. Auch dies hätte man sich denken können. Die Ökobilanz eines SUVs kann nur verheerend aussehen.
Und jetzt kommt´s: das tut sie auch. Will sagen: so ein SUV steht aus ökologischer Warte betrachtet einfach schlecht da. Selbst wenn wir vom Kohlendioxyd und dessen tatsächlichen oder vermeintlichen Einfluss auf die globale Erwärmung einmal absehen, allein das, was so ein großer Geländewagen an Energie verbraucht ist enorm. Jedenfalls im Vergleich zu einem ganz normalen PKW.  

Ein Toyota Land Cruiser – „die Off-Road-Legende steht für unvergleichliche Geländetauglichkeit und beeindruckende Kraft“ (Firmenwerbung) - zum Beispiel verbraucht weit mehr als das Doppelte eines VW Golfs. Allerdings auch weniger als die Hälfte eines mittelgroßen Hundes. Will sagen: bevor Sie sich einen Cockerspaniel zulegen, überlegen Sie es sich, ob Sie sich nicht vielleicht doch besser zwei Land Cruisers oder vier Golfs zulegen sollten. Der Umwelt zuliebe …  
Nähere Informationen hierzu finden Sie bei Robert und Brenda Vale: Time to eat the Dog? The Real Guide to Sustainable Living. Verlag Thames & Hudson, 384 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-0500287903. Okay, das Buch ist nicht total neu, es erschien bereits 2009. Es liegt bislang auch nur in englischer Sprache vor. Doch mir düngt, in Kürze könnte eine deutsche Übersetzung erscheinen. Es wird nämlich in diesen Tagen breit in den deutschen Feuilletons rezensiert. Eine wahrhafte Anleitung für eine nachhaltige Lebensweise. Doch ist es wirklich an der Zeit, Hund zu essen?


Werner Jurga, 16.06.2011